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Region Stuttgart bessert bei Tarifzonen nach

Stadtteile von Ditzingen und Korntal jetzt in einer Zone – Im Herbst Abstimmung über die Erhöhung der Ticketpreise im Verkehrsverbund

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Foto: Alfred Drossel

Kreis Ludwigsburg. Die Bahnpendler in Ditzingen haben sich schon länger gewundert und geärgert. Wer von Heimerdingen nach Stuttgart mit der S-Bahn fahren will, der muss ein Ticket für drei Zonen ziehen und dafür 4,20 Euro berappen. Wer hingegen von der Kernstadt, Hirschlanden oder Schöckingen fährt, der spart 1,30 Euro und muss nur 2,90 Euro hinblättern. „Das ist betriebswirtschaftlich logisch, aber politisch verheerend“, sagte Oberbürgermeister Michael Makurath gestern im Verkehrsausschuss der Region Stuttgart. „So ein Zustand frustriert die Menschen, wenn sie in einer Stadt unterschiedliche Tarife bezahlen müssen.“ 

Das soll sich jetzt ändern – ab 1. Januar 2020. Denn der Teilort Heimerdingen wird jetzt auf die Grenze der Tarifzone 2/3 gelegt. Damit werden die Fahrten insbesondere nach Stuttgart billiger. Heimerdingen und Hemmingen sind beide an die Strohgäubahn angebunden. Fahrten zwischen Heimerdingen und Korntal erfolgen dem Streckenverlauf entsprechend über Hemmingen. Für eine Verlegung von Heimerdingen in eine andere Tarifzone muss also auch Hemmingen dorthin verlagert werden. 

Die Verlegung der beiden Kommunen führt bei der Region zu Mindereinnahmen von 91.000 Euro pro Jahr. Ditzingen und Hemmingen sind bereit, gemeinsam diesen Betrag dauerhaft zu finanzieren und auch höhere Tarife in Zukunft auszugleichen.  Auch in Korntal-Münchingen sollen sich die Tarifzonen ändern. Münchingen soll wie Korntal und Kallenberg in Zukunft auf der Zonengrenze 1/2 liegen. Dadurch würden sich die Kosten für eine Fahrt nach Stuttgart verringern. Die Stadt hat schon beschlossen, die zusätzlichen Kosten von 55 000 Euro pro Jahr zu übernehmen. 

Verkehrsdirektor Dr. Jürgen Wurmthaler kündigte an, dass sich der Verkehrsausschuss im Herbst mit den steigenden Kosten für das Tarifsystem beschäftigen müsse. „Dann müssen wir über mögliche Erhöhungen entscheiden“, so Wurmthaler. Der Stuttgarter Oberbürgemeister Fritz Kuhn warnte in diesem Zusammenhang vor einer Diskussion um das 365-Tage-Ticket. Nach den Berechnungen aus Stuttgart würde dies mit 110 bis 140 Millionen Euro zu Buche schlagen. „Das ist nicht zu machen“, findet Kuhn, denn ein solches Ticket wäre nur sinnvoll für den gesamten Tarifverbund. „Wir müssen zunächst die Infrastruktur verbessern“ – das würden die Menschen von der Region erwarten.

Die Ludwigsburger Kreisrätin Elke Kreiser (CDU) lobte außerdem das Stadtticket, das auf weitere Kommunen ausgeweitet werden soll. „Die ersten Erfahrungen in Ludwigsburg sind sehr gut.“ Deshalb sei es richtig, auch in anderen Städten ein solches Ticket einzuführen, um den ÖPNV noch attraktiver zu machen. 

Nach einer längeren und intensiven Debatte votierte der Ausschuss gegen die Abschaffung der ersten Klasse in der S-Bahn. Zwar sähen SPD und Linke hierin die Möglichkeit, die Kapazitäten in der zweiten Klasse auszuweiten. Insgesamt stünden zehn Prozent an zusätzlichen Sitzen zur Verfügung. „Das hat nichts mit einer Klassenkampfdebatte zu tun“, beugte SPD-Kreisrat Harald Raß möglicher Kritik vor. Bernhard Maier (Freie Wähler) fürchtet aber, dass durch den Wegfall der ersten Klasse auch Passagiere wegbleiben würden.

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