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Historie

Relikt aus dem aus dem Dreißigjährigen Krieg wieder im Rathaus Remseck

Was ist eigentlich aus der Kriegskasse aus dem Dreißigjährigen Krieg vom alten Rathaus Neckar- gröningen geworden? Die Frage eines Bürgers ließ der Verwaltung keine Ruhe. Die gute Nachricht: Sie ist wieder da.

Die eisenbeschlagene Geldtruhe steht im Heimatmuseum im alten Schulhaus in Neckarrems. Foto: Stadt Remseck
Die eisenbeschlagene Geldtruhe steht im Heimatmuseum im alten Schulhaus in Neckarrems. Foto: Stadt Remseck

Remseck. Anfang August 2021 hatte Oberbürgermeister Dirk Schönberger einer interessierten Gruppe das neue Rathaus, Stadthalle, Kubus mit Mediathek vorgestellt. Die Gruppe staunte nicht schlecht, so steht es in einer Pressemitteilung der Stadt, was von der Stadt Remseck mit den Architekten „Hein, Hüttel & Lindenberger“ auf die Beine gestellt wurde – noch dazu alles im Kostenrahmen. Bei der Besichtigung des neu geschaffenen Archivs, wo unter anderem auch Exponate von Partnerstädten und Kunstwerke ausgestellt sind, kam von einem alteingesessenen Bürger aus Neckargröningen die Frage, was eigentlich aus der Kriegskasse vom alten Rathaus Neckargröningen aus dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) geworden ist. Oberbürgermeister Schönberger stellte Nachforschungen an. Zusammen mit dem Zuständigen vom Gebäudemanagement wurde er bald fündig und die Geldtruhe aufgespürt – allerdings leer.

Zur Historie wusste Horst Leutenecker, ehemaliger Gemeinderat und ehrenamtlicher Stellvertreter des Oberbürgermeisters, einiges zu erzählen. Die eisenbeschlagene Kriegskasse mit vielen Zuhaltungen wurde damals von durchziehenden Soldaten im Rathaus Neckargröningen (Ludwigsburger Straße) zurückgelassen. Wahrscheinlich, weil in Neckargröningen zum Auffüllen nichts zu holen war. Die wenigen verbliebenen Bürger waren verarmt, die Ställe leer, die Felder verkrautet und verbuscht, weil es an Menschen und an Saatgut fehlte. Viele Bürger waren von Seuchen dahingerafft, der Pfarrer verhungert. Die Truppen zogen weiter. Die leere Geldtruhe blieb auf dem Dachboden des Rathauses Ludwigsburger Straße zurück – eingestaubt und bald vergessen. Nach Jahrhunderten wurde sie vom damaligen Bürgermeister von Neckargröningen – Bürgermeister Gert Birkert – wiederentdeckt und in das neu gebaute Rathaus in Neckargröningen gebracht.

Dort hatte sich der damalige Gemeinderat eine Sitzecke im Untergeschoss für die Nachsitzungen genehmigt. Bürgermeister Birkert füllte die Geldtruhe jetzt mit gutem württembergischem Wein, wahrscheinlich Trollinger, vermutet Leutenecker. Der damalige Gemeinderat hatte nun die Gelegenheit, in den Nachsitzungen über den nach Jahrhunderten anstehenden Verlust ihrer Selbstständigkeit, trotz neuem Rathaus und Zweckverbänden mit den Nachbargemeinden, zu sinnieren und zu diskutieren. Die Gemeindereform stand an. Beim Vergrößern der Ortsbücherei im Rathaus Neckargröningen war die Sitzecke des Gemeinderates im Weg und wurde abgebaut.

Die Geldtruhe wurde vom damaligen Gemeinderat und stellvertretenden Bürgermeister sowie Gründer des Heimatmuseums, Heinz Pfizenmayer, sichergestellt und eben in das neu gegründete Heimatmuseum im alten Schulhaus in Neckarrems gebracht. Dort steht sie zur Besichtigung. Ob der Kämmerer sie im neuen Rathaus für die Aufbewahrung von Bargeld und sonstigen Schätzen braucht, ist der Zukunft überlassen, heißt es in der Pressemitteilung zum Abschluss mit einem Augenzwinkern. (red)