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Sonderzug aus Köln
Roncalli-Zirkuswagen kommen mit der Bahn nach Bietigheim

Auf Niederbordwagen sind die Zirkuswagen verladen. An der Bietigheimer Rampe wurden sie auf die Straße gezogen.Fotos: Alfred Drossel
Auf Niederbordwagen sind die Zirkuswagen verladen. An der Bietigheimer Rampe wurden sie auf die Straße gezogen.Fotos: Alfred Drossel
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Der 7oo Meter lange Sonderzug rollte gestern in den Bietigheimer Bahnhof ein. Kleine GPS-Sender spielen dabei eine große Rolle.

Bietigheim-Bissingen. Der berühmte Circus Roncalli ist im Anrollen. Der Sonderzug kam gestern aus Köln am Bietigheimer Bahnhof an. Die 75 teils historischen Wagen, die auf rund 50 Niederbordwagen verladen waren, wurden auf einer Rampe entladen und rollten auf der Bundesstraße 27 nach Ludwigsburg, wo der Zirkus ab 10. August vor dem Schloss sein Gastspiel gibt,

Früher ist der Zirkus mit seinen Wagen und Tieren immer mit der Bahn gekommen. Die Elefanten trabten vom Bahnhof aus auf der Bundesstraße zum Festplatz am Viadukt. Heutzutage ist das kaum mehr der Fall. Eine Ausnahme macht der Circus Roncalli. Gestern kamen rund 75 hölzerne Wagen und Foodtrucks auf etwa 50 Flachwagen auf der Schiene an. Organisiert hat das eine private Bahngesellschaft. Die Wagen kamen direkt aus dem Sommerlager des Zirkus in Köln. Letzter Gastspielort war Düsseldorf. Nach Ludwigsburg gastiert Roncalli in Wien.

Rund 100 Fahrzeuge umfasst der Roncalli-Fuhrpark. Viele davon sind historische Zirkus- und Schaustellerwagen, einige davon mehr als 100 Jahre alt. Als Roncalli-Mitbegründer Bernhard Paul in den frühen siebziger Jahren mit dem Aufbau seines Zirkus begann, legte er auch den Grundstein für eine der umfangreichsten Sammlungen von historischen Zirkuswagen.

Zelt wird auf einem Tieflader transportiert

Die meisten der Wagen werden noch immer benutzt. Zwei prunkvolle „Fassadenwagen“, Kassenwagen, Wohn-, Pack- und Garderobenwagen, Dusch- und Toilettenwagen zählen dazu. Für Roncalli-Betriebsleiter Patrick Philadelphia können diese Wagen kaum auf eigener Achse so lange Strecken wie von Köln nach Ludwigsburg bewältigen.

Die Zirkusleute ziehen die Wagen nach dem Gastspiel deshalb mit Traktoren zu einer Verladestelle der Bahn und schieben sie auf die Bahnwaggons. 75 Zirkuswagen werden so verladen, die übrigen 25 legen den Weg auf der Straße zurück. Auch das große, 1615 Personen fassende Zelt wird auf einem Tieflader so transportiert. Mit dem Bahntransport sei Roncalli mittlerweile eine Ausnahme in der Branche, betont Philadelphia.

Keine Verladerampe in Ludwigsburg

Mit ein Grund dafür sei, dass die Bahn ihre Nebenstrecken zurückbaut und Güterbahnhöfe geschlossen hat. Wo seine Zirkuswagen entladen werden sollen, wird für Patrick Philadelphia immer schwieriger. Verladerampen hätten nämlich Seltenheitswert. In Ludwigsburg beispielsweise steht keine zur Verfügung. Aber in Bietigheim ist das möglich, obwohl es da auch keinen Güterbahnhof mehr gibt.

Und dann sei da noch die Sache mit der verkehrten Wagenreihung: Damit die Zirkuswagen von den Bahnwaggons gezogen werden können, müssen sie richtig herum an die Laderampe rangiert werden. Es komme schon mal vor, dass der ganze Zug gedreht werden müsse. Einen Sonderzug zu drehen, könne aber eine Weile dauern, sagt der Betriebsleiter. In Bietigheim war das problemlos. Der 700 Meter lange Zug wurde mehrmals rangiert.

GPS-Sender für mögliche Verspätungen

Patrick Philadelphia war nur kurz in Bietigheim. Er organisierte in Ludwigsburg den Aufbau vor dem Schloss. Einige der Wagen, vor allem Garderobenwagen für die rund 60 Künstler, blieben in Bietigheim-Bissingen stehen. Sie werden heute nach Ludwigsburg gebracht.

Wer mit der Bahn reise, kenne die Sache mit der Pünktlichkeit, sagt Philadelphia. „Wir haben einige der Zirkuswagen mit kleinen GPS-Sendern ausgestattet, so können wir sehen, wo der Zug gerade ist“, berichtet der Betriebsleiter. Das erleichtere die Logistik. Roncalli wolle aber auf einen Bahntransport trotz der Widrigkeiten auf keinen Fall verzichten. Vor allem für lange Strecken sei die Fahrt auf der Schiene immer noch deutlich günstiger als der Transport auf der Straße, sagt Philadelphia. Man könne zwar die Zirkuswagen auch auf Tieflader stellen und auf der Autobahn zum nächsten Spielort transportieren, aber allein die Fahrer dafür zu finden, sei schwierig und kostspielig.

Für den Bietigheimer Bahnhof war die Ankunft des 700 Meter langen bunten Zirkus-Sonderzugs mit den nostalgischen Wagen ein besonderes Ereignis. Es ging recht zügig und problemlos. Die Zirkuswagen wurden von einem Traktor von den Niederbordwagen gezogen und an einen Lastwagen gehängt, der sie nach Ludwigsburg schleppte.