Logo

Gesellschaft

Rückenwind für Inklusionsladen

Die August-Hermann-Werner-Schule will mit Partnern einen Laden in der Bissinger Rommelmühle eröffnen. Gestern hat die Behindertenbeauftragte des Landes, Stephanie Aeffner, das Inklusionsprojekt in Markgröningen inspiziert.

Macht sich ein Bild vor Ort: die Landesbehindertenbeauftragte Stephanie Aeffner (sitzend) gestern an der Markgröninger August-Hermann-Werner-Schule. Foto: Holm Wolschendorf
Macht sich ein Bild vor Ort: die Landesbehindertenbeauftragte Stephanie Aeffner (sitzend) gestern an der Markgröninger August-Hermann-Werner-Schule. Foto: Holm Wolschendorf

Markgröningen. In der Rommelmühle befindet sich gegenüber des Naturkostladens eine barrierefrei zugängliche Verkaufsfläche von rund 130 Quadratmetern. Hier hat die Markgröninger August-Hermann-Werner Schule mit der „Insel“, der Initiative selbständiges Leben Behinderter im Landkreis, vor, einen Betrieb mit Produktion und Verkauf der bereits bestehenden Palette der Schülerfirma aufzubauen. Weiterer Partner ist der Internationale Bund Asperg. Eventuell wird auch ein kleines Tagescafé eingerichtet. Das Angebot im Laden würde Markgröninger Spächtele, Grillanzünder, Samenbomben und einiges mehr umfassen.

Mit der Unterstützung der Behindertenbeauftragten des Landes, Stephanie Aeffner, wollen die drei Partner das Inklusionsprojekt aufziehen. Die Grünenpolitikerin war gestern erstmals an der Markgröninger Schule für Körper- und Mehrfachbehinderungen zu Gast. Der Laden soll von behinderten und nichtbehinderten Menschen geführt werden und eine Lücke für die Altersspanne Jugendliche bis junge Erwachsene schließen. Für den Übergang von der Schule zum Beruf sieht das Schulgesetz laut Aeffner nicht viel vor.

Dass die Behindertenbeauftragte gestern in Markgröningen vorbeischaute, freute ihre Gastgeber. „Wir können jetzt rausgehen mit der Idee“, so Steffen Zimmermann, Sonderschullehrer in der Berufsschulstufe und Geschäftsführer des AH-Werks. „Es ist ein Angebot, das es so noch nicht gibt.“

Teilweise sollen die Produkte auch vor Ort und sichtbar hergestellt werden, sagt Jochen Göbel, Abteilungsleiter der Hauptstufe.II und Berufsschulstufe. Zum einen, um den Kunden die Produktion zu vermitteln, zum anderen, um Arbeitsplätze zu schaffen. Ein Teil der etwa 50 Schülerinnen und Schüler der Hauptstufe.II und der Berufsschulstufe werden den Vierer-Stunden-Block am Vormittag in kleinen Klassen absolvieren. Das Ganze ist zweigleisig ausgerichtet: So sollen schulische Praktikumsplätze an einem öffentlichen Lernort installiert und nachschulische Arbeitsplätze für körperbehinderte Menschen geschaffen werden.

Die Beteiligten hoffen, sobald wie möglich die Finanzierung festzurren und im Frühjahr 2020 beginnen zu können. „Das ist unser Plan“, sagt Steffen Zimmermann. Doch in trockenen Tüchern ist noch nichts. „Wir haben das Geld nicht. Natürlich erhoffen wir uns eine Unterstützung des Landes.“ Allerdings gebe es auch weitere Säulen, wie die Aktion Mensch oder Firmen, die sich engagieren. Zudem kommt als Förderquelle die Ausgleichsabgabe von Firmen, die nicht genügend Menschen mit Behinderung beschäftigen, in Betracht, sagt Aeffner. Die Abgabe werde bundesweit erhoben und dann an die Länder verteilt, die es wiederum weitergeben. Sie versprach am Mittwoch, das Inklusionsprojekt zu unterstützen und auf die Regierungskoalition einzuwirken.

Autor: