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Landwirtschaft

Run auf Hofläden soll weitergehen

Der Möglinger Landwirt Jürgen Pflugfelder gehört zu den Gesichtern der Kampagne „Wir versorgen unser Land“. Die Aktion fällt offenbar auf fruchtbaren Boden, denn regionale Produkte boomen.

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Kommen bei Verbrauchern gut an: Freilaufende Hühner und ihre mobilen Ställe, wie hier bei Landwirt Jürgen Pflugfelder in Möglingen. Foto: Andreas Becker
Kommen bei Verbrauchern gut an: Freilaufende Hühner und ihre mobilen Ställe, wie hier bei Landwirt Jürgen Pflugfelder in Möglingen. Foto: Andreas Becker

Möglingen. Vor rund einem Jahr trifft der Möglinger Landwirt Jürgen Pflugfelder eine Entscheidung. Er steigt in die Direktvermarktung ein und legt sich zu seinen Muttersauen und Mastschweinen 250 Hühner zu. Die Weide-Eier, die ihm die Tiere liefern, verkauft er auf seinem Hof. Übrig bleibt nichts, jeden Tag ist Pflugfelder nach eigenen Angaben ausverkauft. Aktuell ist der Möglinger Landwirt, der für die CDU im Gemeinderat sitzt, dabei, Pläne für den Ausbau seiner Produktion zu erarbeiten. Was er am Direktverkauf schätzt: dass er mit Verbrauchern schnell ins Gespräch kommt und Feedback erhält.

Das könnte sich jetzt noch verstärken, denn Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) hat Pflugfelder und 19 weitere Bauern und Genossenschaften im Land als Hauptdarsteller einer Imagekampagne ausgewählt, die er gestern in Möglingen und auf zwei Höfen im Kreis Esslingen gestartet hat. Der Titel: „Wir versorgen unser Land“. Die Aktion hat die Landesregierung schon vor Beginn der Pandemie ausgetüftelt, als die Bauern in der Debatte um Natur- und Umweltschutz mit dem Rücken zur Wand standen. „Dabei setzen sie sich jeden Tag und gerade in dieser schwierigen Zeit mit viel Leidenschaft und Tatkraft für unsere Lebensmittel von daheim ein und garantieren unsere Versorgung“, so der Minister in Möglingen.

Die Landwirtschaft zählt er zu den Krisengewinnern. „Die Nachfrage nach regionalen Produkten ist gerade exorbitant groß“, sagt Hauk. Deshalb ist er überzeugt, dass die Kampagne auf fruchtbaren Boden fällt. Sie soll mit Videos und Plakaten Einblicke in das Leben und die Arbeit von Landwirten im Südwesten gewähren und Verbraucher so hinter die Kulissen blicken lassen. „Sie wurde ins Leben gerufen, um gezielt die Menschen hervorzuheben, die tagtäglich für unsere vielfältigen Lebensmittel ackern“, so der Landwirtschaftsminister weiter.

Dass Bauern zu Jahresbeginn an den Pranger gestellt und als Schuldige für Umweltprobleme benannt worden sind, hält Hauk selbstverständlich für ungerechtfertigt. „Sie haben von sich aus ein hohes Interesse daran, dass Böden in einem guten Zustand sind“, sagte er in Möglingen. Weil sie für Landwirte jedes Jahr aufs Neue Grundlage für die Produktion seien. „Wer also für Artenvielfalt ist, der muss Produkte aus der Region kaufen.“

So sieht das auch der Asperger Landtagsabgeordnete Jürgen Walter (Grüne), der gestern wie seine Kollegen Konrad Epple aus Ditzingen und Fabian Gramling aus Besigheim (beide CDU) ebenfalls in Möglingen war. „Wir ziehen in der Regierung bei diesem Thema an einem Strang“, sagte Walter. Er will den „Schwung mitnehmen“ und fordert, einen Widerspruch aufzulösen: dass sich die Deutschen die teuersten Küchen leisten, aber die billigsten Lebensmittel kaufen.

Der Vizepräsident des Landesbauernverbandes, Klaus Mugele, freut sich unterdessen, dass Landwirte während der Krise Zuspruch und Wertschätzung erhalten haben. „Der Zulauf zu den Hofläden hält an“, sagte Mugele gestern. Die Imagekampagne des Landes hält der Bauernverband für eine „ganz hervorragende Idee“.

Am Freitag hissten der Minister und seine Mitstreiter auf Pflugfelders Aussiedlerhof auch ein Banner. Es zeigt den Landwirt mit seinem Sohn bei der Arbeit, stellvertretend für rund 7100 Bauern mit Hühnerhaltung im Land. Die Botschaft: natürlich von daheim. Hauk nannte seinen Parteifreund Pflugfelder einen „authentischen Landwirt“ und rief ihm zu: „Sie würden auch auf dem Laufsteg eine gute Figur machen.“

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