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Katastrophenschutzübung

Rund 400 Hilfskräfte proben den Ernstfall

Der Engelbergtunnel wird ab September saniert. Bereits gestern haben Einsatzkräfte bei einer Katastrophenschutzübung in dem längsten und meistbefahrenen baden-württembergischen Tunnelbauwerk den Ernstfall geprobt. Rund 400 Helfer beteiligten sich an dem Einsatz.

Eine Nebelmaschine produziert den Qualm eines brennenden Autos, die Rettungskräfte haben schlechte Sicht und können sich deshalb nur langsam voran arbeiten, um einen Verletzten aus einem Fahrzeug zu retten.Fotos: Ramona Theiss
Eine Nebelmaschine produziert den Qualm eines brennenden Autos, die Rettungskräfte haben schlechte Sicht und können sich deshalb nur langsam voran arbeiten, um einen Verletzten aus einem Fahrzeug zu retten. Foto: Ramona Theiss
Im Kampf gegen das Feuer.
Im Kampf gegen das Feuer.
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Kreis Ludwigsburg. Es ist ein ungewöhnliches Bild, das sich etwa 50 Politikern, Behördenvertretern und Journalisten am Sonntagvormittag im Engelbergtunnel bietet. Der Tunnel ist um 6 Uhr gesperrt worden und autofrei. Der Autobahnverkehr wird großräumig umgeleitet.

Das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart probt vor Beginn der Tunnelsanierung den Ernstfall. Das Szenario: Im Baustellenbereich der Weströhre ist ein Fahrzeug in Brand geraten. Starke Rauchentwicklung hat eingesetzt, der Rauch wird mit einer Nebelmaschine produziert. Hinter dem Unfallwagen hat sich ein 200 Meter langer Stau gebildet, aus einem Auto müssen Personen befreit werden. Ein Bauarbeiter hat sich im Abluftkanal unter der Fahrbahn verletzt. Auch ihn müssen die zumeist ehrenamtlichen Rettungskräfte bergen, zudem muss ein brennender Lastwagen gelöscht werden.

Als der Besuchertross am abgesperrten Unfallort ankommt, steht das Fahrzeug an der Stauspitze bereits in Flammen. Der Nebelwerfer läuft auf Hochtouren, so dass die Beobachter hinter einer Absperrung nur den vordersten Teil der Unfallstelle einsehen können. Gleich zu Beginn läuft nicht alles rund. In den kommenden fünf Minuten werde es ziemlich laut, kündigt Bezirksbrandmeister Frieder Lieb an, denn gleich werde die an die Notfalldurchsage aktiviert. Doch es bleibt still, die moderne Technik versagt den Dienst. Das sei nicht problematisch, sagt Regierungspräsident Wolfgang Reimer später, die Durchsage könne auch manuell bedient werden.

Laut wird es aber doch noch, als nach fünf Minuten das erste Feuerwehrfahrzeug eintrifft. Naturgemäß sind die Wehren aus Leonberg und Gerlingen, bei denen die Hauptzuständigkeit für den Engelbergtunnel liegt, als erste vor Ort. Doch bei einem Einsatz werden weitere Wehren aus den Landkreisen Ludwigsburg und Böblingen alarmiert, die längere Anfahrzeiten haben. „Das dauert 15 bis 20 Minuten, bis die eintreffen“, meint Wolfgang Zimmermann, Kommandant der Leonberger Feuerwehr. Insgesamt sind rund 400 Helfer von verschiedenen Feuerwehren, Rettungs- und Sanitätsdiensten, Polizei, Technischem Hilfswerk und Autobahnmeisterei im Einsatz.

An der freien Luft haben Rettungssanitäter ein Lazarett aufgebaut, in dem die Verletzten versorgt werden. Im Katastrophenfall sei davon auszugehen, dass sich 500 bis 1000 Personen im Tunnel aufhalten.

Derweil kommen immer mehr Fahrzeuge im Tunnel an, schließlich befinden sich rund 80 Einsatzkräfte in den mit Durchlässen verbundenen Röhren. Sobald die Helfer aussteigen, stehen sie in dichtem Nebel. Das macht ihre Aufgabe nicht gerade einfacher, die Einsatzkräfte können sich nur in kleinen Etappen vorarbeiten. Damit Führungskräfte überhaupt erkannt werden können, tragen sie grüne Leuchten an ihren Atemschutzgeräten. Blindenstöcke erleichtern die Orientierung. „Mit den Blindenstöcken kann man sich relativ gut und schnell fortbewegen“, erklärt Bezirksbrandmeister Lieb.

Die Helfer haben alle Hände voll zu tun, der Einsatz zieht sich in die Länge. Die Feuerwehr muss nicht nur die Fahrzeuge löschen, sondern auch die durch das Feuer stark erhitzten Wände und die Decke des Tunnels bewässern. Dabei können die Brandbekämpfer auf modernes Gerät wie ein unbemanntes Löschunterstützungsfahrzeug zurückgreifen, das 2400 Liter Wasser in der Minute über große Entfernungen schleudert. „So können wir die 30 bis 50 Meter entfernte Brandstelle erreichen“, erläutert Lieb.

Nach der Übung, die ein halbes Jahr lang vorbereitet wurde, zieht Kommandant Zimmermann ein positives Fazit.

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