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Sauerzapf, Haas und Liebig spielen auf Sieg statt auf Platz

Die Kreis-SPD wählt in Ditzingen junge Kandidaten für den Landtag, verzichtet auf Kampfabstimmungen und hofft im nächsten Frühjahr wieder auf Mandate in Stuttgart

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Ditzingen. Wenn noch einer die SPD revitalisieren kann, dann vielleicht Daniel Haas. 2016 stürzten die Sozialdemokraten im Südwesten hinter die AfD mit 12,7 Prozent auf den vierten Platz ab. Kurz darauf machte sich der 32 Jahre alte Freiberger Haas einen Namen als Seenotretter auf dem Mittelmeer. Zwischen 2006 und 2019 schob er zudem Dienst als Feuerwehrmann. Am Samstag wählten die Genossen Haas nun mit 100 Prozent als ihren Landtagskandidaten für den Wahlkreis Bietigheim-Bissingen. In der Ditzinger Stadthalle rief Haas den Genossen zu: „Ich will das Direktmandat holen.“

Erstmals seit Mitte der 70er Jahre fehlen Sozialdemokraten aus dem Wahlkreis Bietigheim-Bissingen in dieser Legislatur im Stuttgarter Landtag. Früher agierten hier Größen wie Claus Weyrosta, Harald B. Schäfer oder Christine Rudolph. Bis 2016 saß noch der Bietigheim-Bissinger Pfarrer Thomas Reusch-Frey im Parlament. Haas will das nun mit Themen wie innerer Sicherheit, Digitalisierung der Schulen und wirtschaftlicher Transformation schaffen. In der vergangenen Woche mischte sich der Kandidat bei einer Kundgebung vor dem Boschwerk in Bietigheim unter die Menschen. „Sie haben Angst um ihre Arbeitsplätze“, lautete sein Fazit. Dem grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und der schwarzen Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann attestiert er, „planlos durchs Ländle“ zu reisen.

Der Kreisvorsitzende Macit Karaahmetoglu dankte Haas am Samstag in der Stadthalle „für eine kämpferische Rede“. In die Landtagswahl im März geht seine Partei mit einem jungen Trio. „Wir setzen auf die Zukunft“, sagte der Ditzinger Rechtsanwalt Karaahmetoglu dazu – und auf wenigstens zwei Abgeordnete im Landtag nach der Wahl.

Vor Haas nominierten die Genossen im Wahlkreis Ludwigsburg den Remsecker Stadtrat und 22-jährigen Juso-Kreisvorsitzenden Colin Sauerzapf, der die Nachfolge des ehemaligen Fraktionschefs Claus Schmiedel antreten soll – ebenfalls mit 100 Prozent.

Der Grandseigneur der Sozialdemokratie sieht dafür eine „realistische Chance“. Schmiedel hofft, dass sich die Großwetterlage für die SPD bis zur Landtagswahl noch verbessert – und seine Partei sich Stimmen von den Grünen und der AfD, die 2016 rund zehn Prozent ausmachten, zurückholen kann.

Der Physikstudent Sauerzapf zeigte sich in Ditzingen dafür bereit. Der grün-schwarzen Landesregierung warf Sauerzapf vor, „nichts für den Klimaschutz“ getan zu haben ¨und manchen schwäbischen Industrieunternehmen, „die Zukunft verschlafen zu haben“. Sauerzapf weiter: „Wir müssen heute handeln, damit es morgen nicht zu spät ist.“ Wichtig seien den Menschen ein starker Sozialstaat und Investitionen in die Infrastruktur.

Die Delegierten freute sein Ansatz aus Optimismus und Mut augenscheinlich. „Das tut gut“, rief ihm eine Genossin zu. Für Karaahmetoglu stehen Sauerzapf und Haas für eine „frische und junge SPD“. In diese Reihe gehöre auch der Asperger Torsten Liebig, ebenfalls 32, der im eher ländlich geprägten Wahlkreis Vaihingen an den Start geht. „Die Probleme dort sind gleich“, sagte Liebig am Samstag unserer Zeitung. Er nennt Wohnungsnot, Bildung und ÖPNV – und kritisiert etwa die Pünktlichkeitswerte auf der Residenzbahn und die fehlende Durchbindung der Strohgäubahn nach Stuttgart. Dass der Wahlkreis Vaihingen für Sozialdemokraten eher schwierig ist, schreckt Liebig, der im Verkehrsministerium arbeitet, nicht ab. Er sagt: „Ich setze nicht auf Platz, sondern auf Sieg. Für mich gibt es keinen Grund, auch nur einen Wähler abzuschreiben.“

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