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Rathaus
Schäden am Steinheimer Rathaus sind schlimmer als erwartet

Ein Gefach ist herausgebrochen, deshalb der Holzverschlag. Auch sonst sind die Schäden teils mit bloßem Auge zu erkennen. Fotos: Ramona Theiss
Ein Gefach ist herausgebrochen, deshalb der Holzverschlag. Auch sonst sind die Schäden teils mit bloßem Auge zu erkennen. Fotos: Ramona Theiss
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Denkmalamt fordert Schadenskartierung für das Fachwerkgebäude – Ein Gefach ist bereits herausgefallen

Steinheim. Das Steinheimer Rathaus ist sanierungsbedürftiger als gedacht: Schon mit bloßem Auge sind von außen die Schäden an der Fachwerkfassade zu erkennen. Jüngst musste ein Balken im Büro des Ersten Beigeordneten Stephan Retter ausgetauscht werden – dazu mussten Boden und Wand geöffnet werden. An der Gebäudeseite neben der Reinigung Wolf ist ein Gefach herausgefallen, das Loch ist nun provisorisch mit Holzplatten geschlossen. Auch die Eckbalken sind marode, Richtung Polizei drang das Wasser in den Putz ein.

Das Rathaus stammt aus dem Jahr 1530

„Wir müssen jeden Nagel, jeden Balken, jede Farbe mit dem Denkmalschutz abstimmen, bevor wir etwas tun dürfen. Deshalb zunächst der Holzverschlag“, berichtete Architekt Thomas Ulmer vom Murrer Architekturbüro Ludwig + Ulmer in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik des Gemeinderats. Dabei sollte das Büro eigentlich nur die Möglichkeiten einer energetischen Sanierung des Rathauses untersuchen. Jetzt braucht es auf Anweisung des Denkmalamtes eine Schadenskartierung. „Jeder Besitzer ist verpflichtet, sein Denkmal zu erhalten“, betonte Ulmer. Man müsse zeitnah reagieren. Das Rathaus stammt aus dem Jahr 1530 mit Fachwerk von 1686.

Die Ludwigsburger Energieagentur hatte es gut gemeint, als sie vergangenen Sommer Maßnahmen für eine energetische Sanierung vorschlug. Die genauere Untersuchung des Architekturbüros brachte jedoch die eklatanten Schäden ans Licht. „Es macht keinen Sinn, ein neues Fenster in eine marode Fassade einzubauen“, fasst es Architekt Thomas Ulmer zusammen. Wie auch bei der Steinheimer Martinskirche und beim Höpfigheimer Schlössle wurden bei der Sanierung in den 80er Jahren wasserundurchlässige Acrylfarben und Dämmmaterial verwendet, so dass das Holz nicht mehr atmen konnte. Die ohnehin schon kaputten Hölzer faulten weiter, neue Schäden kamen hinzu. In das Dach kann man nur an einigen Stellen schauen, ein Haupttragebalken ist faulig, alles weitere sieht man erst, wenn man durch ein Loch tiefer hineinkommt. Der Dachspitz sei aber so weit in Ordnung.

3D-Scanner erfasst das Gebäude

„Kann man überhaupt noch fünf Jahre warten, bis der Neubau des Rathauses steht?“, wollte Hanns Daunquart (CDU) wissen. Da die Schäden schon länger bestehen, ist Ulmer verhalten optimistisch. Näheres bringe die Schadenskartierung, dann sehe man, was man sofort ausbessern müsse. Für die Kartierung wird das Gebäude mit einem 3-D-Scanner aufgenommen, so dass man danach Pläne und Modelle hat. „Es gibt keine Pläne vom Gebäude“, begründete Ulmer. Nicht vorstellbar ist für Bürgermeister Thomas Winterhalter, die Fassade ganz zu dämmen, wie es Hanns Daunquart in den Raum warf. Über eine Innendämmung könne man sich Gedanken machen, wenn über eine andere Nutzung diskutiert werde. „Eine Schmuckfassade muss man erhalten“, stellte Ulmer klar. Eine Innendämmung sei in einem gewissen Umfang später aber möglich – „ein Niedrigenergiehaus wird es aber nie“, sagte er.

An der Art der Auftragsvergabe störte sich der Grünen-Fraktionsvorsitzende Rainer Breimaier. Auf Wunsch der Verwaltung sollte der Ausschuss das Architekturbüro sofort beauftragen, ohne andere Angebote einzuholen. „Das hat nichts mit der Kompetenz zu tun, aber wir sind für Ausschreibung und damit Wettbewerb“, argumentierte Breimaier. Die Verwaltung sah den Vorteil von Thomas Ulmer darin, dass dieser das Gebäude kennt, da er als Zimmermannsgeselle bei der Sanierung in den 80er Jahren dabei war. Den Antrag der Grünen auf Ausschreibung lehnte die Mehrheit der Ausschussmitglieder ab, so dass das Büro Ludwig + Ulmer nun mit der Schadenskartierung beginnen kann.

Energetische Sanierung im laufenden Betreib nicht möglich

Mit dieser Entscheidung sind die energetischen Maßnahmen hinfällig. Sie wären ohnehin im laufenden Betrieb kaum möglich gewesen, wie Thilo Freudenreich von Ludwig + Ulmer deutlich machte. Die Umrüstung auf LED sei zwar machbar, aber bei der absehbaren kurzen Nutzung als Rathaus wenig sinnvoll und generell von geringem Nutzen. Eine Innendämmung sei nicht umsetzbar im laufenden Betrieb, auch eine neue Heizung nicht. Die Dämmung von Dach und Fassade sowie der Austausch der Fenster seien zwar möglich, aber wegen der Schäden nicht sinnvoll.