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Traditionsfest

Schäferlauf in schwarz und gebunden

Trotz Absage gibt es auch im Coronajahr eine Schäferlauf-Plakette, zudem wurde ein Kinderbuch gestaltet – Alternativen, die bei den Bürgern mehr als gut ankommen.

Halten den Schäferlauf trotz Absage hoch (von links): Carsten Blind, David Zechmeister, Rudolf Kürner sowie Marc Reutter und Alexander Volz von den Schäferlauffreunden.Fotos: Holm Wolschendorf
Halten den Schäferlauf trotz Absage hoch (von links): Carsten Blind, David Zechmeister, Rudolf Kürner sowie Marc Reutter und Alexander Volz von den Schäferlauffreunden.Fotos: Holm Wolschendorf

Markgröningen. Um Tradition kommt man in Markgröningen nicht herum. Und deshalb hatte die Stadtverwaltung am Montag wie üblich um diese Zeit wieder zu jenem Pressegespräch geladen, bei dem das Programm für das Internationale Musikfest und den Schäferlauf vorgestellt werden – sogar im Coronajahr. Denn auch wenn es weiterhin keine Großveranstaltungen geben darf: Ganz ohne Schäferlauf geht es nicht.

Und so gibt es zumindest traditionell wieder jene Plakette, die sonst den Eintritt in die historischen Gassen ermöglicht. Allerdings ist der kleine Anhänger aus Holz diesmal in Schwarz gehalten, die von David Zechmeister in Weiß gezeichneten Schafe und der Hütehund lassen die Köpfe und Ohren hängen, der Schäfer – sonst aufrecht gehend – ist auf der von Bürgermeister Rudolf Kürner so bezeichneten „Trauerplakette“ auf seinen Stab gestützt. „Wir hatten das Bedürfnis, etwas zu machen“, so Marc Reutter, Vorsitzender der Schäferlauffreunde, zum einen für die Sammler, aber auch um mit dem Verkaufserlös traditionell den Schäferlauf zu unterstützen. Er bezeichnet die Absage zwar als „sehr traurig“, sei der Stadt jedoch auch dankbar gewesen für die eindeutige Entscheidung (Kürner: „Aber wir haben uns schwer getan“) und den Zeitpunkt, der genau richtig gewesen sei, noch vor der Ankündigung des Landes, die Beschränkungen zu verlängern.

Und die Schäferlauffreunde haben noch mehr gemacht: Ein Buch herausgegeben – auch wenn dafür die Pläne ebenso ganz anders waren. Ursprünglich sollte die von der Erzieherin Gabi Pietsch ausgedachte Geschichte über die Schafe Gudrun, Hugo und Frida – sie werden in ihren Vorbereitungen jäh gestoppt, beschließen dann aber, durch Einhaltung der Regeln Corona gemeinsam zu meistern – nur auf Blättern zum Vorlesen im Kindergarten vervielfältigt werden. „Aber ich sah mehr Potenzial darin“, sagt David Zechmeister, der im April angefragt wurde, um das Ganze zu illustrieren. „Viel Arbeit“ sei das gewesen – noch viel mehr, weil schnell klar gewesen sei, dass das Buch „Und dann kam Corona“ eine hochwertige Bindung erhalten soll, was eine Mindestseitenzahl erfordert. Deshalb gibt es nach dem Teil für die Kinder einen über frühere abgesagte oder verschobene Feste, worum sich Zechmeister in seiner Freizeit ebenfalls kümmerte.

Arbeit, die sich aber gelohnt hat: Binnen weniger Tage waren die 750 Exemplare ausverkauft. Mit so einem Run habe man nicht gerechnet, stattdessen vorsichtig kalkuliert, so Reutter, auch damit es bei einem Misserfolg keine allzu großen Miese gibt – der überwiegende Teil des Preises von 15 Euro geht an die Druckerei.

Doch die Nachfrage allein schon aus Markgröningen hat die Zweifel beiseitegeräumt – und noch während des Pressegesprächs wartete Carsten Blind, der sich um die Abwicklung kümmerte, auf eine Nachricht aus der Druckerei, ab wann eine zweite Auflage erscheinen könnte. „Das braucht einfach Zeit, heutzutage gibt es kaum noch Vorratshaltung für Papier und es sind Ferien“, sagt er und rechnet mit Mitte September – am Abend dürfte sich die Stimmung bei den Beteiligten noch weiter gebessert haben: Die zweite Auflage soll in der letzten Augustwoche kommen.

Passend zum traditionellen Schäferlaufflair. Denn die Bürger seien aufgerufen, ihre Häuser wieder zu schmücken, so Kürner – ganz traditionell eben. Auf eines soll aber verzichtet werden: die üblichen Menschenansammlungen. Schon jetzt sei auf dem Marktplatz so viel los, wie vor Coronazeiten nicht. Zudem seien „ganz viele Ideen“ ans Rathaus herangetragen worden, was man alternativ anbieten könne. Doch das sei aus Gründen des Gesundheitsschutzes nicht angezeigt, so Kürner. „Und ich appelliere deshalb auch an die Vereine und die Öffentlichkeit, Zurückhaltung zu üben, nicht dass wir dann plötzlich 50000 Menschen in der Stadt haben.“

Info: Die Plakette kostet 5 Euro und ist erhältlich in der Herrenküferei sowie bei den Getränkehändlern Trautwein und Dieterich.

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