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Heimatfest

Schäferlauf stellt sich digital auf

Der Markgröninger Schäferlauf macht sich auf in die Zukunft und bekommt erstmals ein Online-Ticketsystem für das Stoppelfeld und das Festspiel. Allerdings sollen auch die Eintrittspreise erhöht werden.

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Markgröningen. Der Markgröninger Bürgermeister Rudolf Kürner ist sich sicher: „Nur wenige Bräuche und Heimatfeste können auf eine so lange und lebendige Tradition zurückblicken wie der Schäferlauf.“ Tatsächlich gibt es das württembergische Heimatfest in seiner heutigen Form seit 1651. Die Teilnehmer rennen dabei über ein Stoppelfeld – mitmachen dürfen nur Schäfer, Schäferinnen und deren Töchter.

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„Ein Online-Ticketsystem ist ein sehr wichtiger Schritt in die Zukunft.“

Frank Blessing
Stadt Markgröningen

Als die Unesco dem Schäferlauf im vergangenen Dezember nun das Gütesiegel Kulturerbe verlieh, würdigte sie nicht nur die „jahrhundertelange Tradition“, sondern auch die „wandlungsfähige Kulturform“ – und die will die Markgröninger Rathausspitze in diesem Jahr erneut unter Beweis stellen. Sie hat vor Ort ein Ticketbüro gefunden, dass jetzt auch ein Online-Ticketing für das Festspiel und die Veranstaltungen auf dem Stoppelfeld am Samstag einrichten will. Der Markgröninger Fachbereichsleiter Frank Blessing sagt: „Diese Professionalisierung des Ticketverkaufs ist ein dringend notwendiger Schritt, um die Attraktivität des Schäferlaufs zu steigern.“

Derzeit können sich Schäferlauffans nur direkt in Markgröningen mit Karten eindecken. Das Online-Ticketing würde es möglich machen, Tickets auch zu Hause zu bestellen und auszudrucken. „Selbstverständlich können die Karten auch weiterhin vor Ort und an den Schäferlauftagen direkt erworben werden“, sagt Blessing.

Für die Stadt Markgröningen ist es der zweite Versuch, in ein Online-Ticketsystem einzusteigen. Vor einigen Jahren scheiterte das Projekt, weil dem Rathaus die Kosten zu hoch waren. „Wir hätten sämtliche erstmaligen Aufwendungen aufbringen müssen“, sagt Blessing.

Die Kommunalpolitik signalisierte am Dienstagabend im Verwaltungsausschuss breite Zustimmung für das Projekt. Der SPD-Fraktionschef Pedro Fernandes sagte schmunzelnd: „Markgröningen goes digital.“ Die CDU-Stadträtin Claudia Thannheimer sprach von einer „durchdachten Lösung“, die Freien Wähler von einem „zeitgemäßen Angebot“. Die GAL erhofft sich, dass Schlangen an den Kassenhäuschen künftig der Vergangenheit angehören, wenn die Besucher ihre Karten im Vorfeld beziehen und ausdrucken können. Die Fraktionen verlangen allerdings von der Verwaltung nach dem Schäferlauf 2019 einen Erfahrungsbericht, wie es in der Praxis gelaufen ist.

Der dürfte auch Erkenntnisse darüber liefern, wie sich der Kartenverkauf generell entwickelt. In den vergangenen Jahren schwankten insbesondere die Besucherzahlen auf dem Stoppelfeld je nach Wetterlage. Nun kommt erschwerend hinzu, dass die Stadt parallel zum Online-Ticketing auch die Eintrittspreise erhöhen will.

Blessing sprach im Ausschuss zwar von einer Erhöhung, die „noch als moderat“ zu bezeichnen sei. Das sieht jedoch die Markgröninger SPD völlig anders. Sie kommt auf Steigerungsraten, die mitunter zwischen 25 und 33 Prozent liegen. Der Fraktionschef Fernandes: „Das ist eine Menge Holz.“ Das Festspiel am Freitag kostet künftig 7,50 Euro statt sechs Euro. Das gleiche gilt für einen Platz auf der Seitentribüne des Stoppelfelds am Samstag, wenn das Königspaar ermittelt wird.

Die Sozialdemokraten hätten sich gewünscht, dass die Stadt die zusätzlichen Kosten für das Online-Ticketing (94 Cent pro Ticket plus Vorverkaufsgebühr) in den ersten Jahren allein getragen hätte. Dem teilte der Schäferlaufexperte Blessing jedoch eine Absage. Die Stadt verfolgt mit höheren Eintrittspreisen das Ziel, die Verluste, die der Schäferlauf jedes Jahr einfährt, herunterzuschrauben. „Außerdem halten wir die neuen Preise angesichts der Wertigkeit der Angebote für verträglich.“

Bei der Abstimmung darüber enthielt sich die SPD. Freie Wähler, CDU und GAL winkten die höheren Preise durch.

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