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Bürgermeisterwahl

Schlagabtausch in fairer Atmosphäre

Bei der LKZ-Podiumsdiskussion in der Käsberghalle präsentierten sich am Donnerstagabend die fünf Bürgermeisterkandidaten. In lockerer, aber sachlicher Atmosphäre entwickelte sich ein fairer Schlagabtausch. Die Bewerber betrieben Wahlkampf im besten demokratischen Sinne.

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Auf dem LKZ-Podium (von links): Ulrich Raisch, Dirk Breisig, die LKZ-Moderatoren Frank Elsässer und Stephan Wolf, Boris Seitz, Bernhard Wein und Lucas Barg.Fotos: Oliver Bürkle

mundelsheim. Nach einer lockeren Aufwärmrunde ging es bald ans Eingemachte: LKZ-Redakteur Frank Elsässer und Stephan Wolf, Leiter der LKZ-Kreisredaktion, fühlten den Kandidaten auf den Zahn und wollten wissen, wo sie im Fall einer Wahl Schwerpunkte setzen wollen.

Bernhard Wein ist der Bewerber, der den Tourismus am stärksten fördern will. „Keinen Massen-, sondern Qualitätstourismus“, betonte der 55-Jährige aus dem niedersächsischen Bomlitz. Mehr Gäste erhöhten auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich neue Gastronomen und Einzelhändler im Ort ansiedelten. Zudem könnten die zusätzlichen Steuermittel eine wichtige Einnahmequelle für die traditionell eher finanzschwache Gemeinde werden. „Tourismus ist nicht so anfällig wie die Industrie“, meinte Wein, der in Bomlitz als Lehrer an einer weiterführenden Schule und Leiter des kommunalen Forstbetriebs arbeitet.

Derzeit liege Mundelsheim, touristisch gesehen, in einem toten Winkel zwischen den Naturparks Stromberg-Heuchelberg und Schwäbisch-Fränkischer Wald. „Aus diesem Mauseloch müssen wir rauskommen“, sagte Wein. „Man muss Gespräche mit den umliegenden Kommunen führen und sich Verbündete suchen.“

Tourismus habe den Nachteil, „dass die Leute ihren Dreck liegen lassen“, gab Ulrich Raisch zu bedenken. Sanfter Tourismus könne nur mit einer kulturellen Aufwertung einhergehen. „Erst mal muss man Angebote machen, sonst bringt der Tourismus nur Lasten und Nachteile.“

Es sei ungeklärt, wie der Fehlbetrag von einer halben Million Euro gedeckt werden könne, gab der Stuttgarter Musikpädagoge mit Blick auf den aktuellen Gemeindeetat zu bedenken. „Mundelsheim steht vor schwierigen Zeiten“, meinte der 57-Jährige. In näherer Zukunft gehe es erst mal darum, das vorhandene Niveau zu halten.

Der selbstständige Unternehmensberater Dirk Breisig war anderer Ansicht. Als Experte für das in diesem Jahr auch in Mundelsheim eingeführte doppische Haushaltssystem könne er Bilanzen und Geldflussrechnungen lesen. Sein Fazit: „In den nächsten fünf Jahren sieht’s sehr gut aus, wir haben Geld für Investitionen und eventuell auch zum Schuldenabbau.“

Es sei an der Zeit, im Rathaus unvoreingenommen und mit betriebswirtschaftlichem Blick Strukturen aufzubrechen, sagte der 53-Jährige. Als Bürgermeister werde er die Öffentlichkeit einmal im Jahr bei einer Bürgerversammlung über aktuelle Themen informieren. Ein neues Gewerbegebiet auf Mundelsheimer Markung etwa werde das Gesicht der Gemeinde auf Jahrzehnte verändern. Die bei einem solchen Projekt entstehenden Fragen könne er als Bürgermeister nicht alleine beantworten, „da werde ich die Bürger mitnehmen“.

Derzeit sei die Gemeinde finanziell gut aufgestellt, zeigte sich auch Lucas Barg zuversichtlich. Die Verschuldung sei in der Vergangenheit konsequent zurückgefahren worden. Allerdings stünden auch einige Investitionen an. Um die Einnahmen zu steigern, müsse die Gemeinde auch ihre wirtschaftliche Attraktivität steigern. Ein weiteres Gewerbegebiet sei vorstellbar, meinte der 28-Jährige, im Idealfall in direkter Nähe zum Autobahnanschluss.

Um den Leerstand von Einzelhandelsflächen im Ortszentrum zu beheben, könne die Gemeinde aktiv werden und Immobilieneigentümer bei Gebäudesanierungen unterstützen, schlug der 28-Jährige vor. „Dafür müsste man auch Geld in die Hand nehmen.“

Es gebe keinen Grund für übertriebenen Pessimismus, betonte Boris Seitz. Mit 360 Euro pro Einwohner sei die Pro-Kopf-Verschuldung niedriger als der Durchschnitt vergleichbarer Kommunen. Die Gewerbesteuer liege auf hohem Niveau, den aktuellen Hebesatz könne man deshalb auf dem aktuellen Niveau belassen. Und die Digitalisierung der Verwaltung könne dazu beitragen, Ausgaben zu senken.

Auch der 36-jährige Diplom-Verwaltungswirt zeigte sich offen für die Ausweisung eines Gewerbegebiets, das die Kommune aber in Eigenregie erschließen sollte. „Im Gegensatz zur Ottmarsheimer Höhe würden nicht 17, sondern 100 Prozent der Einnahmen an uns fließen.“ Allerdings müsse das Gewerbegebiet außerhalb der Ortschaft angesiedelt werden. „Ein bisschen Natur sollte auch noch bleiben.“