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Strohgäubahn

Schnäppchen auf Schienen

Rund 1,5 Millionen Euro lässt sich der Kreis die Strohgäubahn jährlich kosten. Angesichts der Klimakrise und des drohenden Verkehrskollapses spricht Landrat Haas von einem Schnäppchen.

Eine Strohgäubahn in Hemmingen: Laut aktueller Zählungen des VVS nutzen täglich rund 3900 Fahrgäste die Züge zwischen Korntal und Ditzingen-Heimerdingen. Archivfoto: Karin Rebstock
Eine Strohgäubahn in Hemmingen: Laut aktueller Zählungen des VVS nutzen täglich rund 3900 Fahrgäste die Züge zwischen Korntal und Ditzingen-Heimerdingen. Foto: Karin Rebstock

Strohgäu. Als sich der Landkreis und die Anrainer Korntal-Münchingen, Schwieberdingen, Hemmingen und Ditzingen aufmachen, die Strohgäubahn zu modernisieren, setzen sie sich ein Ziel: 2600 Fahrgäste am Tag. Im Jahr 2019 sind sie nach Zählungen des VVS bei rund 3900 Passagieren angekommen, was ein Plus von 50 Prozent ist. Für den Geschäftsführer des Zweckverbandes, Axel Meier, ist das noch nicht das Ende der Fahnenstange. „Wir werden weitere Fahrgäste gewinnen“, prophezeite er gestern in Ludwigsburg.

Trotzdem ist und wird die Strohgäubahn ein Zuschussgeschäft bleiben. Das machte der scheidende Landrat Rainer Haas deutlich. Rund 1,5 Millionen Euro buttert der Kreis jedes Jahr in die Nebenbahn, die Anlieger sind zusammen mit demselben Betrag dabei. Die Runderneuerung des Bähnles schlägt nach jetzigem Stand der Dinge mit mehr als 51,3 Millionen Euro zu Buche.

Für Haas sind die jährlichen Investitionen dennoch „ein Schnäppchenangebot“. Allein die gerade abgelehnte Nullrunde bei den VVS-Ticketpreisen hätte den Kreis knapp eine Million Euro gekostet. Der Ditzinger OB Michael Makurath sagte gestern: „Der Gewinn der Strohgäubahn ist ihr volkswirtschaftlicher Nutzen.“ Damit spielte er auf die Dauerstaus und Klimaschutzanstrengungen in der Region an.

Die Diskussion im Zweckverband hatte der Vaihinger AfD-Kreisrat Walter Müller angezettelt, als er wissen wollte, wie viele Fahrgäste die Strohgäubahn erreichen müsste, um kostendeckend unterwegs zu sein. Dafür erntete er Gelächter aus der Runde. Haas verwies darauf, dass einige Kommunen in Deutschland bei Bahnprojekten ausnahmsweise einen Kostendeckungsgrad von knapp zehn Prozent erzielen – und darauf stolz seien. „Unser Ziel ist es nicht, eine schwarze Null zu erwirtschaften“, sagte Makurath. „Das ist unmöglich.“

Im kommenden Jahr wollen der Kreis und die Anrainer zudem einen Millionenbetrag in die Strecke, Bahnhöfe und die Fahrzeugausstattung investieren. Frühestens 2021 könnte jedoch laut Meier der Bahnsteig der Strohgäubahn im Korntaler Bahnhof verlängert und der Höhenversatz beseitigt werden. Für rund 70.000 Euro hat der Zweckverband dem Discounter Lidl zwei dafür benötigte Grundstücke abgekauft. Außerdem läuft beim Regierungspräsidium das Genehmigungsverfahren für nächtliche Rangierfahrten zur Korntaler Betriebswerkstatt, die weiter nicht vom Planfeststellungsbeschluss gedeckt sind. Hier hatte der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim in einem Klageverfahren mit einem Anlieger entschieden, dass solche Fahrten nur zwischen 6 und 22 Uhr erlaubt seien.

Aktiv muss der Zweckverband auch am anderen Ende der Strecke in Heimerdingen werden. Dort müssen eine Schallschutzwand und Einhausungen für die Fahrzeuge her, die dort einmal nachts geparkt werden sollen. Diese Ansprüche haben sich Anwohner erkämpft, die sich durch die Strohgäubahn belästigt fühlen. Meier hofft, dass Ingenieure bis Ende März Vorschläge erarbeitet haben. „Erste Gespräche wurden bereits geführt“, sagte er. Ruhig wird es um die Strohgäubahn also nicht werden.

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