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Verkehr

Schon jetzt mehr tödliche Unfälle als vergangenes Jahr

Der 30-Jährige, der am Dienstagabend bei Eberdingen auf ein Traktorgespann geprallt ist, ist das zehnte Todesopfer im Straßenverkehr in diesem Jahr. Vor allem in den vergangenen Wochen gab es eine Häufung.

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Bei dem Unfall bei Hochdorf geriet ein Autofahrer zwischen Traktor und Anhänger. Die Feuerwehr konnte nichts mehr für ihn tun. Foto: Dan Becker

Eberdingen. Erneut hat es im Kreis Ludwigsburg einen tragischen Verkehrsunfall mit Todesfolge gegeben – der zehnte in diesem Jahr. Mit dem 30-Jährigen, der am Dienstagabend zwischen dem Ortsausgang von Hochdorf und der B 10 mit seinem Auto auf ein Traktorgespann geprallt ist, sind damit schon nach neun Monaten mehr Menschen auf den Straßen gestorben als im gesamten Vorjahr, das neun Opfer zählte.

Gerade in den vergangenen Wochen haben sich die tödlichen Unfälle gehäuft. Allein in der zweiten Augusthälfte starben vier Menschen: am 22. prallte ein 44 Jahre alter Autofahrer bei Benningen aus nach wie vor ungeklärten Gründen gegen einen Baum, am 31. hatte ein Lastwagenfahrer bei Sachsenheim die Geschwindigkeit eines vorausfahrenden dreirädrigen Mini-Transporters falsch eingeschätzt und prallte beim Versuch auszuweichen auf der Gegenfahrbahn auf das Auto eines 63-Jährigen, der wenig später im Krankenhaus starb. Einen Tag zuvor hatte sich der bislang gravierendste Unfall des Jahres bei Löchgau ereignet. Auch hier war ein Auto – wenn auch aus ungeklärter Ursache – auf die Gegenfahrbahn geraten, der vierte Fall dieser Art 2017 (2016: insgesamt vier). Der junge Fahrer und die Beifahrerin im Smart hatten bei der Kollision mit einem anderen Wagen keine Chance. Vergangenes Wochenende starb ein 16-Jähriger, der nachts trotz roter Ampel kurz nach dem Bergkeltertunnel bei Murr die Fahrbahn querte und von einem Auto erfasst wurde – der dritte tödliche Unfall mit Beteiligung eines Fußgängers in diesem Jahr.

Und nun also das jüngste Unglück vom Dienstagabend. Ein 22-jähriger Traktorfahrer, der von einem Feldweg aus die Landesstraße queren wollte, hatte nach ersten Angaben der Polizei vermutlich die Vorfahrt zweier von links, aus Richtung Hochdorf kommenden Autos missachtet. Ein 25-Jähriger in einem BMW konnte noch ausweichen und landete in einem Feld, verletzte sich dabei schwer. Dem nachfolgenden 30-Jährigen gelang das aber nicht mehr, er prallte zwischen den Traktor und dessen Anhänger und wurde dabei in seinem total zerstörten Wagen eingeklemmt. Wie bei solchen schweren Unfällen üblich, hat die Staatsanwaltschaft einen Sachverständigen zur Klärung der genauen Ursache hinzugezogen – etwa auch wegen der Frage, warum der Fahrer, der näher am Verursacher war, noch ausweichen konnte, der andere mit mehr Zeit für eine Reaktion aber nicht.

Die aktuellen Zahlen und die Steigerung will man beim Polizeipräsidium nicht kommentieren und verweist auf die Statistik, die nächstes Frühjahr veröffentlicht wird. Die Gründe für die schweren Unfälle seien aber immer unterschiedlich, oft auch in einer Verkettung unglücklicher Umstände gelegen. Als Beispiel nennt eine Sprecherin den vergangenen Montagabend, als es auf der A 81 bei Mundelsheim zunächst zu einem Zusammenstoß beim Fahrstreifenwechsel eines Wagens gekommen war. Einer der Beteiligten blieb dann auf der linken Spur stehen, was wiederum eine Fahrerin zu spät bemerkte, in deren Wagen eine 22-Jährige so schwer verletzt wurde, dass sie am Dienstag noch in Lebensgefahr schwebte.

Immer wieder beklagen Verantwortliche in Kommunen aber auch, dass Raserei und Missachtung der Regeln zugenommen habe. Zudem seien immer mehr Menschen während der Fahrt abgelenkt, etwa durch Handys. Dazu passen die Gründe für Unfälle allein auf der B 10 zwischen Markgröningen und der A 81 von 2016: am häufigsten nennt die Polizei dabei „ungenügenden Sicherheitsabstand“, gefolgt von „nicht angepasster Geschwindigkeit“, „Nichtbeachten der die Vorfahrt regelnden Verkehrszeichen“ und „Andere Fehler beim Fahrzeugführer“. Diese vier Punkte machen damit die Hälfte aller 19 genannten Unfallgründe aus. Kaum eine Rolle spielten dagegen die Witterung, Übermüdung oder mangelnde Sicherung von Ladung oder Fahrzeugteilen.