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Berufsorientierung

Schüler schauen über Tellerrand

Wenn es um die Berufswahl geht, spielen traditionelle Rollenbilder immer noch eine starke Rolle: Einen Beitrag zur klischeefreien Berufsorientierung leisten Girls Day und Boys Day. Jugendliche erhalten am Donnerstag, 26. März, wieder die Möglichkeit, über den geschlechtsspezifischen Tellerrand zu schauen.

Judith Raupp (links) und Hiltraut Vieth lassen junge Leute in verschiedene Berufe hineinschnuppern. Foto: Ramona Theiss
Judith Raupp (links) und Hiltraut Vieth lassen junge Leute in verschiedene Berufe hineinschnuppern. Foto: Ramona Theiss

Kreis Ludwigsburg. „Das ist ein niederschwelliges Angebot zur Berufsorientierung, das neue Horizonte eröffnen soll“, sagte Judith Raupp jüngst bei einem Pressegespräch. Die Beauftragte für Gleichstellung bei der Stadt Ludwigsburg ist neue Sprecherin des Arbeitskreises Girls Day. Sie hat Hiltraut Vieth abgelöst, die dieses Ehrenamt seit dem Jahr 2006 ausgeübt hat. Der Aktionstag, der Mädchen Einblicke in Technik, Naturwissenschaft und Handwerk bieten soll, ist vor genau 20 Jahren aus der Taufe gehoben worden. „Wir haben damals mit drei Plätzen angefangen“, erinnerte sich Hiltraut Vieth an den mühsamen Anfang.

Kaum war der von ihr initiierte Arbeitskreis gegründet, stieg die Zahl der Angebote auf 145 Plätze für Mädchen, in Spitzenzeiten sogar auf 480. Der Arbeitskreis besteht aus elf Mitgliedern – von der Agentur für Arbeit in Ludwigsburg über die Industrie- und Handelskammer bis zur Kontaktstelle Frau & Beruf.

Das Pendant, der Boys Day, ist vor zehn Jahren aus der Taufe gehoben worden. Die Jungen sollen an diesem Tag in Berufsfelder hineinschnuppern, die als frauenspezifisch gelten: Hier geht es um Tätigkeiten im sozialen Bereich, in Gesundheit und Pflege. Kitas, Seniorenheime, das Klinikum Ludwigsburg und ein Drogeriemarkt zum Beispiel beteiligen sich am Boys Day. Ansprechpartnerin ist hier Karin Lindenberger, Beauftragte für Chancengleichheit der Agentur für Arbeit in Ludwigsburg.

Es sind immer noch dicke Bretter zu bohren, um das Bewusstsein für eine klischeefreie Berufsorientierung zu wecken. Eine wichtige Rolle spielen hier die Schulen, die die Kinder und Jugendlichen an diesem Tag vom Unterricht befreien. Außerdem sollten die Lehrer an diesem Tag möglichst keine Klassenarbeit schreiben lassen. Hiltraut Vieth findet es schade, dass die Unternehmen und Institutionen, die sich an diesem Aktionstag beteiligen, kaum Plätze für die Schüler der Unterstufe, also der Klassen fünf und sechs, anbieten. Dabei seien gerade die Jüngsten besonders neugierig und begeisterungsfähig. „Das ist eine tolle Chance vor allem für Handwerksbetriebe, den Nachwuchs für sich zu begeistern“, findet sie.

Mitmachen können alle Jugendliche, die eine Schule besuchen

Plätze im Handwerk seien zwar heiß begehrt, auf der anderen Seite sei es schwierig, an Betriebe heranzukommen, die mitmachen wollen, schilderte Hiltraut Vieth ihre Erfahrungen. Wichtig sei es auf jeden Fall, dass die Kinder an diesem Tag etwas ausprobieren könnten. Eine Betriebsführung allein löst dagegen nicht unbedingt Begeisterungsstürme aus. Auch Behörden, Hochschulen und Forschungseinrichtungen öffnen an diesem Tag ihre Türen für den interessierten Nachwuchs.

Eine Homepage, die nach Regionen und Berufen gefiltert ist, sorgt dafür, dass Unternehmen und interessierte Jugendliche zusammen kommen. Die Betriebe stellen ihre Angebote ein, während Jugendliche sich per Internet über das Angebot informieren und anmelden können. In der Regel sind die angebotenen Plätze schnell weg. Mitmachen können übrigens alle Jugendlichen, so lange sie noch eine Schule besuchen.

Für Judith Raupp sind Aktionstage wie Girls Day und Boys Day wichtige Bausteine: Sie beruft sich auf eine Studie, nach der sich das in der Regel traditionelle Berufswahlverhalten ändert, sobald sich auch die Rollenbilder ändern.

„Das fängt schon mit der Darstellung in den Bilderbüchern an“, würde sie sich wünschen, dass schon Kleinkindern auch weibliche Baggerfahrer und männliche Erzieher gezeigt würden. Es sei wichtig, in erster Linie auf die Fähigkeiten und Kompetenzen zu schauen. Eltern sollten ihre Kinder darin bestärken, das zu tun, worauf sie Lust haben, sagt die Beauftragte für Gleichstellung.

Info: Nähere Informationen und Anmeldungen im Internet unter www.girls-day.de und www.boys-day.de

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