Logo

Unterrichtsversorgung

Schuljahresbeginn mit Fragezeichen

„Angespannt!“ So umschreibt Schulamtschef Hubert Haaga schon zu Beginn des neuen Schuljahres die Versorgung der Schulen im Landkreis mit Lehrpersonal: Zum vor allem im Grundschulbereich weiter bestehenden Lehrermangel kommen 2020/21 die besonderen Herausforderungen der Coronapandemie.

Pandemiebedingt im Freien statt – wie sonst üblich – im Ordenssaal des Ludwigsburger Schlosses begrüßte Schulamtsdirektor Hubert Haaga (rechts) am Freitagvormittag die neuen Lehrerinnen und Lehrer im Kreis. 125 Lehrkräfte wurden neu eingestellt, 58 n
Pandemiebedingt im Freien statt – wie sonst üblich – im Ordenssaal des Ludwigsburger Schlosses begrüßte Schulamtsdirektor Hubert Haaga (rechts) am Freitagvormittag die neuen Lehrerinnen und Lehrer im Kreis. 125 Lehrkräfte wurden neu eingestellt, 58 neu hierher versetzt. Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. „Wir kommen durch dieses Schuljahr nur dann gut durch, wenn alle an der schulischen Bildung Beteiligten – Schulleitungen, Lehrkräfte, Eltern, Schulträger und die Gesellschaft insgesamt – diese Herausforderung als Solidargemeinschaft annehmen!“ Hubert Haagas Appell ist eindringlich. Der Leitende Direktor des Staatlichen Schulamts Ludwigsburg ist für die Bildung von 39000 Kindern und Jugendlichen an den 79 Grundschulen, zwei Werkrealschulen, 16 Gemeinschaftsschulen, 20 Realschulen und 18 Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) im Kreis zuständig. Ob sie das nach Lockdown und Ferien wieder geltende Prinzip „Präsenzunterricht für alle“ durchhalten können, weiß derzeit noch niemand. Doch falls das Covid-19-Virus es zulässt, reicht dann auch das Personal?

183 Lehrer wurden im Kreis zum Schuljahresbeginn neu eingestellt – 53 an den Grundschulen, 49 an Gemeinschafts- und 58 an Realschulen, die restlichen 23 an den SBBZ. Allerdings: 20 Stellen konnten nicht regulär besetzt werden. Das „Vorjahresniveau“ habe man trotzdem halten können, sagt Haaga, – allerdings nur, weil Lehrkräfte ihre Deputate aufstockten oder Pädagogen im Ruhestand reaktiviert werden konnten. Aktuell stehen 45 Lehrerinnen und Lehrer nicht in den Klassenzimmern zur Verfügung, weil sie zu einer Coronarisiko-gruppe gehören. Haaga setzt diese Zahl aber sogleich ins Verhältnis: Stand 1. August hätten seiner Behörde rund 100 Schwangerschaftsanzeigen vorgelegen. Außerdem seien die betroffenen Lehrkräfte nur vom Präsenzunterricht, nicht aber von ihren Dienstpflichten befreit. Sie würden etwa für die Vorbereitung von Unterrichtsmaterialien und Korrekturen eingesetzt und stünden parat, falls es an einzelnen Schulen wieder Perioden des Homeschoolings geben sollte. Covid-19-Neuinfizierte gebe es unter dem aus dem Urlaub zurückgekehrten Lehrpersonal in seinem Zuständigkeitsbereich nicht. Und auch bei den Lernbrücken – mit denen 2160 Schülerinnen und Schüler in den letzten beiden Ferienwochen an 108 Schulen im Kreis aufs neue Schuljahr vorbereitet wurden – habe es nur ein Kind gegeben, das mit Coronaverdacht in Quarantäne musste. Doch auch jenseits der Pandemie drohen bei einem größeren Krankenstand an den Schulen wieder Unterrichtsausfälle: Das Land hat zwar die Mittel für Krankheitsvertretungen aufgestockt, doch der Stellenmarkt ist leer gefegt, sagt Haaga: Das Geld wäre da, ausgebildete Lehrer ohne Job aber nicht. Und was, wenn einzelne oder gar alle Schulen wegen einer zweiten Coronawelle doch wieder auf Fernunterricht umstellen müssten? Bei der Digitalisierung sieht Haaga deutliche Fortschritte. Das Kultusministerium habe genug Geld für 300000 Laptops und Tablets bereitgestellt, die anteilig – je nach Schülerzahl – auf die Kommunen als Schulträger verteilt würden. Schulleitungen und Rathäuser arbeiteten eng zusammen, an etlichen Schulen seien die Geräte, die zunächst an Schüler ohne private digitale Ausstattung fürs Homeschooling verliehen werden sollen, bereits eingetroffen, an anderen zumindest bestellt. Die Bereitschaft der Lehrkräfte, sich für digitalisierte Unterrichtsformate mit verbindlichen Qualitätsstandards fortbilden zu lassen, sei hoch, lobt der Schulamtschef.

Womit sich immerhin ein Hoffnungszeichen über die Coronakrise hinaus verbindet: Digitale Endgeräte und entsprechendes Know-how bei Pädagoginnen und Pädagogen könnten ja auch ohne Pandemie von Nutzen sein.

Autor: