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Verkehr

Schulterschluss gegen Nord-Ost-Ring

Das Thema Nord-Ost-Ring mobilisiert die Menschen in der Region: Vom Ansturm Interessierter, wohl ausnahmslos Kritiker dieses Straßenbauprojektes, sind die Organisatoren einer Informationsveranstaltung am Dienstagabend nahezu überrannt worden.

Am Rande von Kornwestheim wird sichtbar gemacht, dass dort die zwölf Kilometer lange Trasse nicht erwünscht ist. Foto: Holm Wolschendorf
Am Rande von Kornwestheim wird sichtbar gemacht, dass dort die zwölf Kilometer lange Trasse nicht erwünscht ist. Foto: Holm Wolschendorf

Kornwestheim. Unter dem Thema „Wir gegen den NordOst-Ring. Eine Autobahn bedroht unsere Heimat“ hatte der Bürgerverein Kornwestheim in den Galeriesaal des Museums eingeladen. 150 Menschen finden dort Platz, gekommen waren jedoch mehr als 400, wie Horst Allgaier, Vorsitzender des Bürgervereins, gestern schätzte. Etliche Besucher verfolgten die Redebeiträge schließlich im Foyer, in dem ein Lautsprecher aufgebaut worden war. Viele Interessierte gaben angesichts der Aussicht, längere Zeit stehen zu müssen, jedoch auf.

Wer trotzdem blieb, erhielt umfassende Informationen über dieses Straßenbauprojekt. In kurzen Impulsvorträgen kamen Vertreter aus Landwirtschaft und Naturschutz zu Wort; Joseph Michl von der Arge Nord-Ost beleuchtete den aktuellen Stand der Planungen. Einen Schulterschluss gegen den geplanten Nord-Ost-Ring übten Baubürgermeister Daniel Güthler (Kornwestheim) sowie seine Amtskollegen Beatrice Soltys (Fellbach) und Peter Pätzold (Stuttgart).

Landmarken an der B27 errichtet

Zur guten Resonanz der Infoveranstaltung hatte auch eine Aktion der Landwirte beigetragen: Sie haben mehrere meterhohe Landmarken von der B.27 bei Kornwestheim in Richtung Stuttgart-Mühlhausen errichtet, um die Dimension dieses Straßenbauprojektes deutlich zu machen.

75 Hektar Fläche würde der Nord-Ost-Ring verbrauchen und ein bislang zusammenhängendes Naherholungsgebiet, nämlich das Lange Feld südlich von Kornwestheim und das Schmidener Feld in Richtung Waiblingen, zerschneiden, erläuterte Joseph Michl. Dieses Gebiet habe nicht nur eine Funktion als Naherholungsgebiet, sondern sei mit seinen Biotopen, den verschiedenen Landschaftselementen und den dort beheimateten Tierarten aus Sicht des Naturschutzes von großer Bedeutung. Damit wäre es vorbei, würde die autobahnähnliche Trasse dieses Gebiet zerschneiden.

Michl berichtete von Planungen, nach denen die zwölf Kilometer lange Trasse von Waiblingen in Richtung Norden südlich am Remsecker Ortsteil Aldingen vorbei bis nach Kornwestheim verlaufen würde. Knapp 70.000 Fahrzeuge pro Tag würden die mehr als 30 Meter breite, vierspurige Straße befahren. Besonders betroffen, auch vom Lärm, wäre der östliche Bereich Kornwestheims, wo die neue Fernstraße in die B.27 münden würde. „Schon jetzt sind Bundesstraßen wie die B.10 und die B.27 von ihrer Belastung her Autobahnen gleichzusetzen. Das würde auch auf den Nord-Ost-Ring zutreffen“, betonte Joseph Michl.

„Die Stadt Kornwestheim lehnt dieses Straßenbauprojekt entschieden ab“, machte Daniel Güthler deutlich. Es sei unverantwortlich, sich von dem Bau einer Straße, die Teil einer autobahnähnlichen Verbindung zwischen der A.81 und der A.8 sei, örtliche Verkehrsentlastungen zu versprechen. Für ihn handelt es sich deshalb beim Nord-Ost-Ring um ein „Placebo“, der die Straßen nicht entlaste, sondern für zusätzlichen Verkehr sorgen werde. „Wir sind gefordert, intelligente und verträgliche Alternativen umzusetzen“, so der Baubürgermeister. Gefragt seien nachhaltige, ökologische und menschenfreundliche Alternativen. Angesichts eines Versiegelungsgrades von rund 60 Prozent der Gemarkungsfläche habe sich in Kornwestheim die Erkenntnis durchgesetzt, dass man neue Wege bei der künftigen Ausweisung von Verkehrs- und Siedlungsflächen einschlagen müsse. Für ihn ist es wichtig, durch solche Veranstaltungen wie am Dienstagabend zum Ausdruck zu bringen, dass viele Menschen dieses Straßenbauprojekt kritisch sehen, antwortete Güthler auf die Frage, welchen Einfluss Politik und Bürger auf die Planungen nehmen könnten.

Auf die Bedeutung von Freiflächen als Naherholungsgebiet machte auch der Kornwestheimer Landwirt Rolf Bayha aufmerksam. Er bezeichnete das Gebiet, durch das der Nord-Ost-Ring führen könnte, als „größte Sportanlage der Stadt“. Dort seien abends und an den Wochenenden viele Freizeitsportler unterwegs. Dr. Jochen Brust (Mühlhausen) wies auf die exzellente Bodenqualität der Ackerflächen hin.

Die Vertreter von Naturschutzbund und BUND (Bund für Natur- und Umweltschutz), Bernd Mathe aus Kornwestheim und Werner Gottstein vom Landesvorstand, wiesen auf die negativen Auswirkungen der Trasse auf Flora und Fauna hin. Ins gleiche Horn stieß Klaus Lachenmann vom Landesjagdverband: „Die Vielfalt der Tierwelt geht verloren“, sagte er.

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