Logo

Neubaugebiet

Schultes bleibt Klartext schuldig

Aspergs Schultes Christian Eiberger hatte Emotionen beschwichtigen und wilde Gerüchte möglichst noch vor der Kommunalwahl aus der Welt schaffen wollen. Dass das mit dem Infoabend zum geplanten Baugebiet Überrück II gelungen ist, muss bezweifelt werden. Viele der etwa 90 Besucher im Keltensaal gingen unzufrieden heim: Eiberger konnte, wie angekündigt, noch wenig konkrete Informationen bieten.

Rund 90 Asperger wollten wissen, was an der Möglinger Straße geschieht. Der nicht genannte Schlüssel, der den Weg zum Neubaugebiet geöffnet hat: ein Immobilientausch. Foto: Holm Wolschendorf
Rund 90 Asperger wollten wissen, was an der Möglinger Straße geschieht. Der nicht genannte Schlüssel, der den Weg zum Neubaugebiet geöffnet hat: ein Immobilientausch. Foto: Holm Wolschendorf

Asperg. „Es gibt noch keine Pläne, die ich Ihnen zeigen könnte. Wir sind noch ganz am Anfang.“ Der Bürgermeister machte von Beginn an klar, dass es für die künftige Bebauung des Gebiets südlich des Kreisels von Möglinger und Berliner Straße zwar erste Vorüberlegungen gibt, mehr aber noch nicht. Alle Gerüchte – Eiberger sprach zurückhaltend von „Hypothesen“ –, die von einem massiven Geschosswohnungsbau mit einem Sozialwohnungsanteil von bis zu 75 Prozent wissen wollen, seien daher gegenstandslos. Die beunruhigten Anwohner und Mitglieder einer Interessengruppe, die mit allerlei „Hypothesen“ agiert und den Kommunalwahlkampf zur Durchsetzung ihrer Interessen nutzen will, könnten sicher sein, dass der Gemeinderat nicht die Wünsche und den Profit des Investors Betz, sondern die für die Stadtentwicklung und die Nachbarschaft verträgliche Schaffung von Wohnraum als oberstes Ziel verfolgten. Vertreter der Interessengruppe bezweifelten aber unter anderem, dass es in Asperg überhaupt Bedarf an neuen Wohnungen gibt. Gefragt seien vielmehr Einfamilienhäuser. Doch worum geht es im Detail?

Welches Gebiet soll bebaut werden?

An der Südwestecke des Baugebiets Lange Äcker/Überrück besteht eine 7000 Quadratmeter große Baulücke, die von Möglinger, Berliner und Oskar-Schlemmer-Straße sowie Max-Beckmann-Weg umschlossen wird. Auf dieser Wiese sollten schon vor 20 Jahren Wohnhäuser entstehen, wie in dem gesamten Gebiet Lange Äcker/Überrück, das heute den Südrand der Stadt bildet. Dazu ist es seinerzeit nur deshalb nicht gekommen, weil sich die Stadt mit einem Grundstücksbesitzer nicht einigen konnte. Die Ecke wurde deshalb aus dem Bebauungsplan herausgeschnitten, ist im Flächennutzungsplan aber stets weiter für eine Wohnbebauung reserviert geblieben. Es war also immer klar, dass auf dem Grundstück eines Tages die Bagger anrollen würden. Das bestreitet auch die Interessengruppe nicht, sie fordert aber eine maßvolle Bebauung.

Warum wird Betz auf diesen 0,7 Hektar Bauträger und kein Konkurrent?

Betz, der aktuell an der See- und in Kürze an der Markgröninger Straße große Mehrgeschossbauten errichtet, hat zunächst das knapp 1500 Quadratmeter große Grundstück des mit der Stadt streitenden Voreigentümers gekauft und zu Jahresbeginn auch die städtischen Flächen (insgesamt etwa 5500 Quadratmeter) übernommen – per einfachem Kaufvertrag und ohne vorherige Ausschreibung. Das hat in Asperg zu massiven Spekulationen geführt, insbesondere branchennahe Privatleute sprechen hinter kaum vorgehaltener Hand von „Amigogeschäften“ und deuten Korruption an. Eiberger wies solche Unterstellungen vehement zurück. Die Hintergründe des Immobiliendeals wollte er unter Hinweis auf Vertragsgeheimnisse aber nicht nennen, sondern nur – recht verklausuliert – skizzieren.

Nach LKZ-Informationen steht indessen fest: Selbst wenn die Stadt wollte, könnte sie das fragliche Gelände kaum ohne Betz entwickeln. Denn dass sich nach 20 Jahren Stillstand in der Sache nun etwas bewegt, liegt an der Einigung zwischen Betz und dem Voreigentümer des umstrittenen Grundstücks. Und die kam nicht in erster Linie dank eines Kaufpreises zustande, den auch andere Bauträger hätten bieten können. Vielmehr konnte Betz dem Voreigentümer im Gegenzug eine Immobilie anbieten, auf die dieser bereits sein Auge geworfen hatte: die sogenannte Rauschenberger-Villa, die Betz gemeinsam mit dem restlichen Rauschenberger-Areal zwischen Garten- und Markgröninger Straße aus der Insolvenzmasse übernommen hatte. Erst als dieser Tausch zwischen den beiden Vertragspartnern ausgehandelt war, kam es nach Eibergers stets impliziter Darstellung in der Sache Möglinger Straße auch zu Gesprächen zwischen Stadt und Betz. Das Rathaus hatte damit die Wahl: Entweder es geschieht in dem umstrittenen Gebiet weiter nichts – oder die Stadt entwickelt es mit Betz. Schultes und Gemeinderat haben sich daher auch in einer gemeinsamen Erklärung geschlossen hinter das bisherige Vorgehen gestellt.

Wie geht es weiter?

Darauf gibt es zwei Antworten. Erstens: Das Thema wird, ob die Ratsfraktionen das wollen oder nicht, bis zum 26. Mai ein prägender Wahlkampfschlager bleiben. Und zweitens: Der Gemeinderat und Betz werden zunächst – wohl bis Jahresende – diverse „Entwicklungsvarianten“ beraten. Erst dabei wird sich herausstellen, welche Bautypen und Kubaturen in ein künftiges, vorhabenbezogenes Bebauungsplanverfahren gehen. Das ist zwar eng zwischen beiden Partnern abgestimmt, aber – wie üblich – mehrstufig und öffentlich. Das letzte Wort über die Ausgestaltung des Quartiers hat immer der Gemeinderat.

Autor: