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Hochwasser-Projekt

Schutz mit Strahlwirkung fürs Land

Acht Glems-Anrainerkommunen kooperieren für verbesserten Hochwasserschutz. Mit einem gemeinsamen Starkregenrisikomanagement sollen bei künftigen Ereignissen Gebäude und Menschenleben besser geschützt werden. Das Projekt steht vor einem Abschluss.

Durch ihr gemeinsames Projekt hoffen die acht Glems-Anrainerkommunen, auf Hochwasser wie 2010 besser vorbereitet zu sein.Foto: privat
Durch ihr gemeinsames Projekt hoffen die acht Glems-Anrainerkommunen, auf Hochwasser wie 2010 besser vorbereitet zu sein. Foto: privat

Strohgäu. Verheerende Überschwemmungen, Schäden in Millionenhöhe – die Bilder des Hochwassers, das die Glemskommunen am 4. Juli 2010 heimsuchte, sind noch allgegenwärtig. Auch deshalb übernehmen nun Ditzingen, Gerlingen, Leonberg, Hemmingen, Korntal-Münchingen, Markgröningen, Schwieberdingen und Stuttgart mit dem gemeinsamen Projekt „Hochwasser- und Starkregenrisikomanagement“ eine Pionierrolle. Wo die Kooperation indessen machtlos ist, ist die Dauer der Genehmigungsverfahren für Hochwasserschutzmaßnahmen – nicht nur in Ditzingen ein leidiges Thema.

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„Die Bevölkerung erwartet, dass etwas geschieht, aber auch, dass sie ihre Anregungen und Bedenken vorbringen kann.“

Michael Makurath
OB zum Thema Genehmigungsdauer

Man habe nicht nur gemerkt, dass man durch das Gewässer verbunden ist, sondern auch in dem Bestreben, Strategien zu entwickeln, um mit diesen Ereignissen umzugehen, sagte Oberbürgermeister Michael Makurath am Mittwoch in Ditzingen. Dort berichteten Vertreter der beteiligten Kommunen über den aktuellen Projektstand. Wie Dr. André Assmann hervorhob, haben die acht Kommunen pilothaft in Baden-Württemberg Starkregengefahrenkarten erstellt und dienen im Weiteren als Vorbild für interkommunale Zusammenarbeit in diesem Themenfeld. Der Diplom-Geograf des Heidelberger Büros Geomer berät die Kommunen und sprach über die Kooperation als ein „Leuchtturm für das Thema“. Die Ergebnisse bildeten die Grundlage für den Leitfaden „Kommunales Starkregenrisikomanagement in Baden-Württemberg“.

„Die Glems gehört nicht zu den Gewässern, wo schon zwei Wochen vorher zu sehen ist, was passieren wird“, sagte Makurath. Mit der neuen Grundlage habe die Bevölkerung eine Möglichkeit, sich selbst zu schützen. Die neu aufbereitete interkommunale Webseite zum Starkregenrisikomanagement www.starkregengefahr.de/glems zeigt Gefahrenkarten für das Einzugsgebiet der Glems und hält Informationen zu Starkregengefahren bereit. Zudem gibt es Nutzerbeiträge, Bilder vom Hochwasser 2010, eine Lesehilfe für Starkregengefahrenkarten und mehr.

Ziel ist es, neben der Information und Unterstützung auch ein Bewusstsein zu schaffen für Starkregen und Hochwasser. Neben der Vorsorge durch die Kommunen sei ebenso jeder Einzelne angehalten, sein Risiko abzuschätzen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Beispiele stehen auf der Internetseite: von Schutzanlagen im Außenbereich bis zur Rückstausicherung. Zudem gibt es die Rubrik Mitmachaktion, wo Nutzer Starkregenbilder hochladen oder Tipps weitergeben können, wie sie selbst Gefahren abgewendet haben.

Nach der Gefährdungsanalyse, der Risikoanalyse und, in der dritten und letzten Phase, der Erstellung des Handlungskonzepts steht das Projekt also kurz vor dem Abschluss. Die Zusammenarbeit soll aber in offener Form und weiterhin unter der Koordination der Stadt Ditzingen fortgesetzt werden. Am 2. Juli findet eine Abendinformationsveranstaltung „Gemeinsam für den Hochwasserschutz“ in Ditzingen mit einer Ausstellung der Projektergebnisse statt. Die Poster sollen danach auch in den Kommunen zu sehen sein.

Dass Genehmigungsverfahren – wie für das Regenrückhaltebecken zwischen Gerlingen und der Großen Kreisstadt – ebenfalls eine Dekade und länger dauern können, bedauerte auch Ditzingens Oberbürgermeister Makurath. „Die Bevölkerung erwartet, dass etwas geschieht, aber erwartet natürlich auch, dass sie ihre Anregungen und Bedenken vorbringen kann“, sagte er bezogen auf die Ambivalenz des Rechtsstaats. Der Genehmigungsstand für besagtes Becken sei jetzt aber erreicht.

„Korntal-Münchingen ist ja besonders betroffen, weil wir einen Todesfall hatten. Wir waren dadurch besonders aufgefordert, etwas zu tun“, sagte Bürgermeister Joachim Wolf. Das System werde sich erst bewähren müssen. „Aber ich denke, wir können gut vorbereitet und optimistisch in die Zukunft schauen.“ Das Konzept sei „so gut im Land angekommen, dass es eine Strahlwirkung nach außen hat“, sagte André Assmann – zumindest nach den Reaktionen verschiedener Behörden hat sich das Projekt also schon bewährt.

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