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Kinos

Schwache Filme, weniger Besucher

Niedrige Qualität, heißer Sommer, Konkurrenz durch Netflix, Amazon und Co.: Häuser im Kreis verlieren 2018 viel Publikum

Im Landkreis Ludwigsburg blieben 2018 viele Kinosessel unbesetzt.Foto: Christian Charisius/dpa
Im Landkreis Ludwigsburg blieben 2018 viele Kinosessel unbesetzt. Foto: Christian Charisius/dpa

Ludwigsburg. Der lange Sommer brachte nicht nur die Menschen in ganz Deutschland ins Schwitzen – auch die Kinos litten unter der Hitzewelle. Viele Sessel blieben leer. Auf 13,9 Prozent weniger verkaufte Kinokarten folgten entsprechende Umsatzeinbußen – und die Hoffnung auf ein stärkeres Jahr 2019.

Central und Union Filmtheater: Die Kinos im Kreis Ludwigsburg verzeichneten zum Teil sogar noch größere Einbußen als deutschlandweit. „In der gesamten Branche in Deutschland gab es weniger Kinobesuche und damit auch einen deutlich geringeren Umsatz“, sagt Claus Wollenschläger, Geschäftsführer von Central und Union Filmtheater Ludwigsburg. Die Gründe dafür sieht er im heißen Sommer und der Fußball-WM. „Wir selbst hatten 22 Prozent weniger Besucher und Umsatz“, so Wollenschläger. Auch die Qualität der Filme sei schwach gewesen. Am besten liefen im Uniontheater in der Solitudestraße und dem Centraltheater in der Arsenalstraße noch die Filme „50 Shades of Grey“ und, im Dezember, „Phantastische Tierwesen“.

„Bei uns gehen anspruchsvolle – oder Familienfilme in der Regel am besten“, erklärt er. Die Kinohochsaison sei bei ihm immer der Zeitraum von November bis März. Wollenschläger hofft, dass es jetzt wieder besser läuft. Doch Online- dienstleister wie Netflix und Amazon Prime verleiten Kunden immer mehr dazu, Filme zu Hause auf dem Sofa anzusehen. „Hier gibt es eine immer besser werdende Qualität bei den Filmen und Serien“, sagt Wollenschläger. Auch das würden die Kinos spüren.

Olympia-Lichtspiele: Gerade die schwachen Filme, die in diesem Jahr produziert wurden, bemängeln die Kinobetreiber. So auch Jürgen Graf, Inhaber von Olympia Lichtspiele in Bietigheim-Bissingen. „Wir sind darauf angewiesen, dass gute Filme produziert werden.“ Im vergangenen Jahr kamen 20 Prozent weniger Besucher als 2017. „Der letzte Film, der bis etwa Mai noch gut gelaufen ist, war ,Avengers‘“, sagt er. Dann sei bis November kein großer Film mehr erschienen. Am besten sei in diesem Jahr bei ihm die „Kleine Hexe“ bei ihnen besucht gewesen. „Im Winter und um Weihnachten herum gibt es mehr Besuch – da kommen die besseren Blockbuster raus“, sagt Graf.

Autokino Kornwestheim: Nicht alle Kinos sehen sich einem so starken Besucherschwund gegenüber. „Der allgemeinen Kinoentwicklung konnten wir uns nicht ganz entziehen, wobei unsere Einbußen insgesamt deutlich unter denen aller deutschen Kinos liegen“, teilt Axel Wahmke vom Autokino Kornwestheim mit. Dieses Jahr hätten sie rund 46.000 Besucher gehabt. Dabei sei der meistbesuchte Film „Equalizer 2“ gewesen. „Dieses Jahr gab es keinen ausgesprochenen Kassenschlager, ,Deadpool 2‘ und ,Mission Impossible Fallout‘ liegen fast gleichauf“, sagt Wahmke. Dass das Autokino nicht ganz so stark mit den Rückgängen zu kämpfen hatte, könnte auch an dessen Konzept liegen, denn bei schönem Wetter gehen viele lieber nach draußen. „Von April bis September haben wir die meisten Besucher, wie das für einen Open-Air-Betrieb üblich ist“, so Wahmke. Aber auch er spürt den schleichenden Rückgang: „Viele Menschen gestalten ihr Leben zunehmend vom Sofa aus.“ Sie kaufen Waren und Essen von dort, treffen sich online mit Freunden, spielen alleine und mit anderen und schauen sich auch Filme von dort an. Die Bereitschaft, aus dem Haus zu gehen, sinkt.

Kinokult in Ludwigsburg hatte in den drei dazugehörigen Kinos Scala, Luna und Caligari insgesamt keinen Besucherrückgang. Dank einem starken Dezember konnten sie sogar einen Besucherzuwachs von einem Prozent verzeichnen. Laut Peter Bader von Kinokult liegt das vor allem daran, dass das Programm vom Mainstream abweiche und es deshalb auch eine andere Zielgruppe habe als das Programm „normaler“ Kinos. Die Filme, die am besten gelaufen seien, waren „Bohemian Rhapsody“ und „Der Vorname“. Die Wintermonate von Weihnachten bis Anfang April sind bei ihnen üblicherweise am meisten besucht. Doch Bader sieht auch Schwierigkeiten: „Netflix und andere Anbieter verstärken einen Trend, der schon seit einigen Jahren sichtbar ist: abstürzende Besucherzahlen bei mittleren Filmen.“ Die populärsten Titel und Blockbuster würden die Leute nach wie vor scharenweise in die Kinos ziehen; auch cineastische Werke der internationalen Filmkunst, wie sie auch in den Kinokult-Häusern laufen, hätten ihr Kennerpublikum. „Verlierer sind jene Unterhaltungsfilme, die bei den Leuten den Eindruck erwecken, dass man nichts verpasst hat, wenn man sie nicht sofort gesehen hat“, so Bader.

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