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Aktion

Schwieberdinger Bosch-Mitarbeiter sammeln alte Handys und helfen Berggorillas

Berggorilla-Projekt der Wilhelma wird mit 60000 Euro unterstützt

Alles für einen guten Zweck: Der Initiator der Handysammelaktion, Udo Geiger, und sein Kollege Steffen Vogt liefern die Handys bei der Illinger Recyclingfirma SüdRec an .Foto: Alfred Drossel
Alles für einen guten Zweck: Der Initiator der Handysammelaktion, Udo Geiger, und sein Kollege Steffen Vogt liefern die Handys bei der Illinger Recyclingfirma SüdRec an .Foto: Alfred Drossel

Schwieberdingen. Der Bietigheim-Bissinger Feuerwehrmann bei der Bosch-Werksfeuerwehr, Udo Geiger, hatte vor zwölf Jahren die Idee, alte Handys zu sammeln. Mittlerweile hat er allein in den Bosch-Standorten Feuerbach, Renningen, Waiblingen und Schwieberdingen von Mitarbeitern des Unternehmens 30000 alte Handys und Smartphones bekommen. Der Erlös von bisher 60000 Euro kommt dem von der Stuttgarter Wilhelma geförderten Berggorillaschutz im Virunga Nationalpark im Kongo zugute.

Es piepst und klingelt in fast jeder deutschen Tasche. Smartphones und Handys sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Was viele Menschen nicht wissen: Ihre Handys enthalten Coltan, einen sogenannten Konfliktrohstoff.

Der Abbau von Coltan fördert bewaffnete Konflikte in der Demokratischen Republik Kongo (DRC). Und er trägt dazu bei, dass einer unserer engsten Verwandten vom Aussterben bedroht ist: der Östliche Flachlandgorilla, auch Grauer-Gorilla genannt.

Diese Tiere zu unterstützen, ist das Ziel einer Sammelaktion der Bosch-Mitarbeiter und der Stuttgarter Wilhelma. Begonnen habe alles mit 30 alten Diensthandys bei Bosch, berichtet Udo Geiger. Die Bosch-Mitarbeiter hätten gerne mitgemacht. Im größten Bosch-Standort Feuerbach hat der aus Untermberg stammende Sascha Egeler die Sammelaktion geleitet.

Handys werden umweltgerecht entsorgt

Die Wilhelma fand Geigers Idee so gut, dass sie mitmachte. Derzeit gelangen die Geräte meist über die Besucher des Tierparks in die Sammelboxen, die im Affenhaus aufgestellt sind, „Privatleute, Schulen und verschiedene Firmen sammeln für uns und geben die Pakete dann am Eingang ab oder schicken sie per Post“, berichtet Stefanie Reska von der Wilhelma.

Hauptabnehmer der ausrangierten Handys ist die Firma SüdRec in Illingen, die hinsichtlich der umweltgerechten Entsorgung und der Datenvernichtung zertifiziert ist. SüdRec bezahlt nach Gewicht, derzeit sieben Euro pro Kilogramm. Aus den Geräten werden wertvolle Metalle wie Gold, Silber, Kupfer zurückgewonnen. Und eben auch Coltan. Das ist ein Tantalerz. Der Abbau für den internationalen Markt bedient die Nachfrage für zahlreiche Elektrogeräte: Smartphones, Handys, Laptops, Navigationsgeräte, Herzschrittmacher, Hörgeräte – das Wundermineral ist fast überall drin, wenn auch in nur sehr geringen Mengen. Das macht den Stoff, der vor allem in Australien und Afrika abgebaut wird, so begehrt. Für den Einsatz in Elektrogeräten ist vor allem Tantal begehrt, das mithilfe chemischer Verfahren aus Coltan gewonnen wird.

Im Kongo gibt es das größte Coltan-Vorkommen weltweit

In den Bergen des östlichen Kongo in der Provinz Süd-Kivu lagern riesige Bestände des begehrten Minerals. Es ist eines der wichtigsten Coltan-Vorkommen weltweit. Dort wird es unter menschenunwürdigen Bedingungen und vom Staat fast unreguliert aus der Erde geholt, es gibt geschätzt 2000 Minen. Bewaffnete Milizen kontrollieren das Geschäft und betreiben illegale Minen auch mitten im Urwald. Der planlose Raubbau hat verheerende Folgen für Mensch und Natur. Denn sie lassen eben dort graben, wo die letzten Grauer-Gorillas, eine Unterart des Östlichen Gorillas, leben. Deshalb sei die Unterstützung für die Gorillas wichtig, sagt Udo Geiger. Am Montag wurden wieder Handys in Illingen abgeliefert. „Wenn man von einem Durchschnittsgewicht pro Handy von 130 Gramm ausgeht, dann waren die 860 Kilogramm der letzten Lieferung in Illingen rund 6600 Handys“, freut sich Udo Geiger über den Erfolg.

Virunga-Nationalpark ist Heimat für Berggorillas, Elefanten und Flusspferden

Außer den Einnahmen aus dem Handyprojekt fließen auch Einnahmen aus dem Artenschutz-Euro der Wilhelma in Projekte vor Ort. Insgesamt spendet die Wilhelma dem Berggorillaschutz im Kongo jährlich rund 40000 Euro, betont Stefanie Reska. „Wir helfen sowohl den Berggorillas und der Regenwalddirekthilfe als auch dem Virunga Nationalpark in der DRC Congo, dem ältesten Nationalpark in Afrika und Heimat von einem Drittel aller Berggorillas“, erklärt Udo Geiger.

Der Virunga Nationalpark gehört zum Weltnaturerbe und ist Heimat nicht nur von Berg- und Flachlandgorillas, sondern auch von Elefanten, Flusspferden und Okapis.

Die Wilhelma unterstützt im Nationalpark sowohl das Congohoundteam, das Wilderer mit Spürhunden verfolgt, als auch die Umweltbildung vor Ort. Im ebenfalls in der Region gelegenen Sarambwe-Reservat unterstützt die Wilhelma über die Berggorilla- und Regenwald-Direkthilfe die einheimischen Fährtensucher, die das Reservat gegen Wilderer sichern.

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