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Naturschutz

Sechs Büffeldamen grasen in der Aue

Foto:Ramona Theiss
Foto: Ramona Theiss

Großbottwar. Seit Donnerstag sind die sechs asiatischen Wasserbüffel in der Talaue zwischen Klein- und Großbottwar zu Hause und wurden schon von Radlern und Joggen bestaunt. Claus-Peter Hutter, Präsident der Stiftung Nature-Life International und Ideengeber des Projekts, kommt sich vor wie bei der Mondlandung, die aber schneller realisiert worden sei. Denn rund zehn Jahre vergingen von der ersten Idee bis zur gestrigen Vorstellung des Projekts, das Hutter als „wichtigen Schritt in Zeiten des Artensterbens“ sieht, um dem Verstummen der Natur entgegenzuwirken.

Denn die Büffel sollen mehrere Aufgaben erfüllen. Zum einen sollen sie als Weidetiere die Pflanzen fressen, unter anderem das Schilfgras, das in der Talaue überhand genommen habe. Das Schilf und die Seggen vertreiben andere Pflanzen wie Sumpfdotterblumen oder Blutweiderich, erklärt Gerhard Fahr, Mitinitiator und Mitorgansator des Projekts. Zum anderen bilden sich durch ihre Neigung zum Baden Suhlen. Diese werden von Insekten als Lebensraum genutzt. Mit ihren Hufen bilden sie bis zu 30 Zentimeter tiefe Pfützen, die von Amphibien wie Wasserfröschen und Gelbbauchunken genutzt werden und zudem Libellen und Schmetterlinge anlocken. Während der Vorstellung des Projekts suhlen sich die Büffel bereits in den Erdmulden, wovon eine extra angelegt wurde. Auch fischjagende Arten wie der Kiebitz profitieren von der Beweidung. Der Dung der Tiere begünstigt außerdem die Entwicklung verschiedener Käfer- und Heuschreckenarten. „Durch die Büffel bekommen wir wieder Dynamik in die Fläche“, verspricht sich Hutter.

Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt mit Blick auf die Flora von Prof. Dr. Theo Müllert aus Steinheim und Prof. Dr. Claus König aus Ludwigsburg auf die Fauna. Landrat Dr. Rainer Haas übernahm die Schirmherrschaft, Felix Graf Adelmann ist stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins für die Beweidung und beantwortete in seinem Grußwort seine eigene Frage nach dem Warum. „Die Büffel retten nicht die Welt, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung.“ Auch der Landrat dankte Hutter und vor allem dem Großbottwarer Landwirt Andreas Weigle, der den Mut bewiesen habe, die Büffel zu betreuen, auch gegen alle Bedenkenträger. „Man kann nicht immer gleich aufhören, wenn es Bedenken gibt, man muss neue Ideen verfolgen“, betonte der Landrat. Man wisse zwar nicht, ob das Projekt ein Erfolg werde, aber dafür gebe es alle zwei Jahre eine Untersuchung, bei der die ökologischen und landschaftlichen Auswirkungen analysiert werden. „Es wird spannend“, freute sich der Landrat. Noch mehr für den Großbottwarer Bürgermeister Ralf Zimmermann: Die Stadt hat den Storch als Wappentier und hofft schon seit Jahren, dass er ins Bottwartal zurückkehrt. Dafür brauche es aber eine intakte Umgebung, so Hutter. Und Zimmermann hatte auch eine Erfolgsmeldung: Es sei tatsächlich vor Kurzem ein Storch auf dem Nest im Sauserhof gesehen worden.

Die sechs Büffeldamen kommen von einem Büffelzüchter in der Nähe von Überlingen am Bodensee. Tiere aus Rumänien wären zwar günstiger gewesen, der lange Transportweg sprach dagegen. Die Büffeldamen sind zwischen zweieinhalb und sieben Jahren alt. Ein Bulle ist nicht dabei. „Da die Tiere ganzjährig draußen sind, muss man darauf achten, dass die Kälber nicht im Winter geboren werden“, erklärte Fahr. Die erwachsenen Tiere vertragen Kälte, können aber im windgeschützten Unterstand Zuflucht suchen oder auch mal schlafen, wobei sie dies auch auf der Wiese tun. Im Holzuntertstand ist die Wassertränke und das Heu, das sie fressen sollten, um keinen Durchfall zu bekommen. Im Winter halten sich die Tiere hauptsächlich in einem eingezäunten Bereich in der Nähe des Unterstandes auf, hier wird die Gülle gesammelt und abgeführt. „Wenn man Heu zufüttert, muss das, was die Tiere ausscheiden, abgefahren werden“, so Fahr. Was die Tiere im Sommer fressen, kann auf der Wiese bleiben.

Die Talaue zwischen Kleinbottwar und Großbottwar ist rund 18 Hektar groß und als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, zwölf Hektar werden beweidet. Die Tiere werden immer auf verschiedene Flächen verlagert, hierfür wurde extra eine zwölf Meter lange Brücke über die Bottwar gebaut – in den Bach dürfen die Tiere übrigens nicht, das war eine der zahlreichen Vorschriften der Naturschutzbehörde im Landratsamt Ludwigsburg. Er wurde genauso ausgezäunt wie das benachbarte Biotop.

Die Zäune in Richtung des Radweges sind mit vier Drähten versehen, die restlichen mit drei. „Wir hatten einen professionellen Zaunbauer da, das ist eine stabile Anlage“, zerstreut Fahr Befürchtungen, die Büffel könnten ausbüchsen. Auch stehe der Zaun unter Strom. Außerdem sei der Büffel ein sehr ausgeglichenes Tier, das nur reagiere, wenn man es provoziert. Das konnte man bei der Einweihung sehen. Als sich die Menschengruppe aus Fotografen, Unterstützern und Presse den Büffeln nähert, bilden diese zunächst eine Art Wall, Wagenburg genannt. Als es ihnen zu bunt wird, galoppieren sie in der Gruppe davon. „Büffel bleiben hauptsächlich zusammen, das sind Herdentiere“, so Fahr. Offensichtlich sind sie aber auch neugierig, denn sie kehren genauso schnell wieder zurück.

Info: Gerhard Fahr und Andreas Weigle stehen heute von 11 bis 13 Uhr für Fragen bei den Büffeln bereit.

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