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Seelenverwandtschaft mit der Chanson-Ikone Knef

Hildegard Knef polarisiert bis heute, übt nach wie vor eine große Faszination aus. Auch auf Susanne Heydenreich. Die Intendantin des Stuttgarter „Theater der Altstadt“, Schauspielerin und Sängerin, interpretiert Chansons der Knef.

Susanne Heydenreich interpretiert Chansons der Knef. Foto: privat
Susanne Heydenreich interpretiert Chansons der Knef. Foto: privat

Gemmrigheim. Warum ausgerechnet Hildegard Knef?

Susanne Heydenreich: Sie gehörte zu meiner Jugend – meine Mutter hat gern „ihre Musik“ aufgelegt – bevorzugt die „Roten Rosen“ von Hildegard Knef. Dieses Lied hat nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen, mich vielleicht auch geprägt? Ich mag die Knef’schen Texte, die Inhalte ihrer Chansons. Knef hat viel Biografisches in ihren Chansons verarbeitet, ihre Gefühle von Liebe bis Verzweiflung – ratlose Getriebenheit, Wut und Trauer, und immer wieder unerfüllte Sehnsucht nach einem Partner, der bis zum Lebensende an ihrer Seite sein sollte. 180 Chansons hat Hildegard Knef selbst geschrieben, 308 wurden von ihr selbst eingespielt. Nicht nur wegen der biografischen Inhalte ihrer Lieder hat Hildegard Knef schon immer polarisiert. Sie ist eine außergewöhnliche Künstlerin und hat schon frühzeitig ein neues Frauenbild verkörpert.

Welche Faszination übt die Knef auf Sie aus?

Hildegard Knef hatte eine klare Meinung, eine Haltung, die sie unverblümt manchmal mit dem schamlosen Charme der Berliner Schnauze mitgeteilt hat. In dem Film „Die Sünderin“ von 1951, der die Nation spaltete, war die Knef sieben Sekunden lang zwar nackt, aber nicht wirklich scharf zu sehen. Diese Szene war damals ein öffentlicher Skandal. „Bei dem Film rennen die Leute auf die Straße“, sagte die Knef damals, „bei den Konzentrationslagern hat niemand geschrien.“

Welche Parallelen gibt es zu Ihnen, Frau Heydenreich?

Ach, da gibt es schon einige, der unaufhörliche Kampf um ernsthafte Anerkennung der eigenen Arbeit, die Disziplin, der Zweifel, ob man auch sich selbst genügen kann, und manchmal der Spagat zwischen der anerkannten Schauspielerin und der ganz normalen Frau, auf der Suche nach der Erfüllung der einfachsten Träume und Sehnsüchte. Das ist manchmal einfach nur Unzufriedenheit mit sich selbst. Die Knef war eine starke Frau, aber auch sehr verletzlich. Die größte Angst hatte sie vor Betrug, zerrissener Zweisamkeit und davor, sterben zu müssen. Den richtigen Mann für ihr Leben fand sie schließlich in dritter Ehe. Diese Verbindung hielt bis zu ihrem Tod im Februar 2002. Ja, mit ihr und Maria Callas verbindet mich eine große Seelenverwandtschaft.

Seit wann interpretieren Sie Chansons von Hildegard Knef? Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Schon seit etwa 35 Jahren mache ich Chanson- und Lyrikprogramme. Den „Knef-Abend“ gibt es seit 2008 „Eins und eins – (das) macht zwei“. Das Publikum ist noch immer von diesem musikalisch-seelischen Porträt begeistert. Ich habe sehr viel über die Knef gelesen, ihre eigenen Text-Interpretationen gehört, ja, da ist so viel herauszuhören und zu entdecken – eben keine Schlager, sondern Chansons! Für mich ist die Knef eine Ikone des deutschen Chansons, das es in dieser Ausdrucksform bis dahin so nicht gegeben hat. Die Knef hat dieses Genre mit Inhalten ihres Lebens gefüllt, volksnah gemacht. Juliette Gréco, die große französische Chansonsängerin, sagte einmal: „Ein Chanson ist ein Gemälde des Lebens in drei Minuten“. Diesen Anspruch erfüllen die Knef’schen Texte auf den Punkt.

Was erwartet das Publikum?

Jeder Knef-Abend, jede Vorstellung, jedes Publikum ist „anders“. Ich imitiere nicht, ich interpretiere die Knef, denn ich bin ja nicht die Knef! Es gibt einige Chansons zu hören. Natürlich auch die „Roten Rosen“. Am Klavier begleitet mich Dirk Schieborn und mein Kollege Ambrogio Vinella moderiert den Abend, erzählt über die damalige Zeit. Manchmal klinke ich mich ein, aber ich möchte nicht zu viel verraten, denn das Publikum als ein Teil des Abends soll neugierig bleiben.

Info: Lieder und Texte von Hildegard Knef stehen am Sonntag, 10. Februar, um 19 Uhr in der Kelter im Fokus. Karten für die kig-Veranstaltung mit Susanne Heydenreich und Dirk Schieborn (Klavier) kosten 20, ermäßigt 18 Euro. Tickets gibt es im Vorverkauf bei Schreibwaren Trinkner, Telefon (0.71.43).9.12.35, und im Bürgerbüro, Telefon (0.71.43).9.72.13.

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