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Moskauer Circus

Sein Name wird dem Moskauer Circus beim Gastspiel in Bietigheim-Bissingen zur Hypothek

Heute um 17Uhr ist Premiere. Doch das Gastspiel des Moskauer Circus an der Bietigheimer Carl-Benz-Straße steht unter keinem guten Stern. Der Name seines Zirkus’ werde zur Hypothek, berichtet Direktor Gino Frank. Dabei wolle der Zirkus die Menschen mit seiner Show doch erfreuen.

Zirkusdirektor Gino Frank mit zwei Tigern auf dem Platz an der Carl-Benz-Straße. Foto: Alfred Drossel
Zirkusdirektor Gino Frank mit zwei Tigern auf dem Platz an der Carl-Benz-Straße. Foto: Alfred Drossel

Bietigheim-Bissingen. Der Name Moskauer Circus hatte einen guten Klang in der Branche. Deshalb hat ihn die Familie Frank schon vor Jahren für ihren Zirkus ausgewählt. Dem Ensemble gehören Künstler aus Deutschland, Ungarn, Tschechien, Italien, Spanien, Österreich, Russland und der Ukraine an. Mit dem Russischen Staatszirkus hat der Moskauer Circus nichts zu tun. Jetzt aber leidet er wegen seines Namens unter russischen Angriffskrieg in der Ukraine.

Die Frau des Zirkusdirektors kommt selbst aus der Ukraine

„Putins Krieg gegen die Ukraine schmerzt uns sehr“, sagt Gino Frank. Die Eltern seiner ukrainischen Frau Leyla leben in der Nähe der russisch-ukrainischen Grenze und sind jetzt gefährdet. „Bei uns geht es um die hohe Zirkuskunst, und mit unserer Show ,One World‘ geht es um Völkerverständigung und ein friedvolles Zusammenleben aller Nationen“, unterstreicht Frank. Er befürchtet neue Erschwernisse durch den Krieg. „Bei unseren Künstlern aus Russland und der Ukraine herrscht Unverständnis und Angst“, sagt er. Alle seien sich einig, Russen wie Ukrainer, dass der Krieg zwischen den Brudernationen verheerende Folgen haben werde. Doch niemand könne Putin stoppen. „Einige von uns befürchten sogar den Einsatz von Atomwaffen“, sagt Frank.

Zirkusse sind in der Coronapandemie eine der ohnehin leidtragenden Gruppen. Oft waren sie wochenlang an einem Ort gestrandet, konnten nicht auftreten und auch nicht weiterziehen. Umso erfreulicher ist es für den Moskauer Circus eigentlich, jetzt endlich wieder auftreten zu dürfen. Heute um 17 Uhr heißt auf einem privaten Platz an der Carl-Benz-Straße „Manege frei“. Das Programm umfasst Drahtseilnummern ebenso wie Darbietungen mit Aras, Kakadus, Sonnensittichen und den sechs sibirischen Tigern. Im 1200 Besucher fassenden Zelt dürfen nur 40 Prozent der Plätze besetzt werden. Bis Sonntag dauert das Gastspiel.

Bei einer Demo gegen Putins Krieg wäre die Zirkustruppe dabei

Gino Frank klagt über die unfreundliche Aufnahme in Bietigheim-Bissingen. „Es ist eine Sauerei, dass wir den Festplatz am Viadukt nicht bekommen haben und auch viele unserer Werbeplakate abgehängt wurden“, ärgert sich Frank. Uferlos steigende Spritpreise machten es fast unmöglich, auf Tournee zu gehen, sagt Frank. Dazu kämen ständige Protestaktionen von Tierschützern, die sich auch in Bietigheim-Bissingen angesagt haben. Die Tierschutzorganisation Peta will heute in Sträflingskostümen und mit Tigermasken gegen die Tiervorführungen demonstrieren. „Wenn gegen den Krieg demonstriert würde, dann demonstrieren wir als Betroffene mit“, sagt Gino Frank.

Seine Frau Leyla Mak ist halb russisch, halb ukrainisch und stammt aus einer alten Artistenfamilie. Ihr Vater war russischer Zirkusdirektor, dessen Frau eine ukrainische Artistin. Leyla kam mit einer Artistengruppe nach Deutschland und lernte hier ihren Mann Gino kennen. Aus dieser Verbindung und Leylas Familientradition wurde der Moskauer Circus in Deutschland. Die Anfänge waren schwer. Jetzt gehöre der Zirkus zu den zehn besten und größten Zirkusunternehmen in Deutschland, betont Frank. Doch die Zukunft sehe nicht gut aus. Aufgeben wolle er jedoch noch nicht.

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