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Seltene Autobahnbrücke bei Freiberg hat als Modell 3200 Geschwister

Die Fotos zeigen die fertige Autobahnbrücke, die Beihingen und Geisingen verbindet (oben), und die Baustelle. Fotos: Landesarchiv Baden-Württemberg
Die Fotos zeigen die fertige Autobahnbrücke, die Beihingen und Geisingen verbindet (oben), und die Baustelle. Fotos: Landesarchiv Baden-Württemberg
Die Fotos zeigen die fertige Autobahnbrücke, die Beihingen und Geisingen verbindet (oben), und die Baustelle. Fotos: Landesarchiv Baden-Württemberg
Die Fotos zeigen die fertige Autobahnbrücke, die Beihingen und Geisingen verbindet (oben), und die Baustelle. Fotos: Landesarchiv Baden-Württemberg
Die Resonanz auf einen Artikel in unserer Zeitung über die Autobahnbrücke bei Freiberg war immens. Einige Leser steuerten weitere interessante Informationen zum Bauwerk bei. Unter anderem ist zu erfahren, dass sie nicht nur einen Zwilling hat, sondern auch noch mehr als 3200 Brüder oder Schwestern.

Freiberg. Es war ein Leserhinweis, dass die Überführung bei Freiberg über die Autobahn 81 eine Rarität ist. Sie verbindet die einst eigenständigen Orte Beihingen und Geisingen und ist ein Relikt aus der Reichsautobahnära aus dem Jahr 1939/40. Viele Brücken dieser Art wurden gegen Kriegsende gesprengt. Sie dagegen blieb stehen. Und sie hat ein Pendant mit dem „Westwälder Tor“ im nordrhein-westfälischen Stadtkreis Bad Honnef. Die gilt sogar als Kulturdenkmal. Das berichtete unsere Zeitung am 2. Februar unter dem Titel „Eine seltene Brücke ohne Namen“. Bis auf das Baujahr und die technischen Daten war sonst über das Bauwerk nur recht wenig herauszufinden.

Christa Lieb, die seit 2014 alle Exemplare der Ludwigsburger Kreiszeitung und deren Vorgänger von 1818 an systematisch durchforstet, traute ihren Augen nicht. So las die 80-Jährige, die regelmäßig historische Beiträge für unsere Zeitung verfasst, den Artikel über die Brücke aufmerksam durch und stieß nur ein paar Stunden später durch Zufall auf einen Bericht vom 9. Dezember 1937. In der knappen Meldung stand: „Wie der Bürgermeister von Beihingen a.N. in der Beratung mit den Gemeinderäten bekannt gab, ist der Bau der Brücke für die Reichsautobahn über das hiesige Tal der Firma Karl Kübler AG Bauunternehmung in Stuttgart, übertragen worden.“ Weiter heißt es in der Meldung, die Bauzeit werde etwa drei Jahre dauern und mit etwa 120 Arbeitern Anfang Januar 1938 beginnen. Da für die Bauausführung ein größeres Gelände als Lager- und Arbeitsplatz benötigt werde, erklärte sich die Gemeinde bereit, das erforderliche Gelände gegen Entschädigung zur Verfügung zu stellen und „daselbst liegenden Privatgrundstücksbesitzern Gemeindewiesen zu überlassen, damit die Landwirte in ihrer Wirtschaftsweise nicht geschädigt sind“. Daher mussten erst kürzlich zugeteilte Grundstücke neu umgelegt werden.

Staatsarchiv hat Fotos von Bauarbeiten

Peter Müller, Leiter des Staatsarchivs in Ludwigsburg, fand historische Aufnahmen der fertigen Brücke kurz nach deren Fertigstellung. Manche Fotos zeigen vermutlich auch Vorbereitungen zum Bau allgemein in diesem Streckenabschnitt. Zu sehen ist, wie Arbeiter zugange sind. Es ist auch eine hölzerne Hilfskonstruktion zu sehen, über die zwei Schmalspurgleise für eine Feldbahn mit Loren für die Erdarbeiten führten. „Ein Gerüst, das aussieht wie eine Sprungschanze, zeigt, wie hoch und breit die Aufschüttung Richtung Neckar sein wird“, steht in einer Zeitungsnotiz vom 25. Oktober 1935. Auch diese fand Christa Lieb. Darüber hinaus wird darin die ganze Baustelle als Sehenswürdigkeit für Interessierte, auch für Auswärtige, angepriesen – verbunden mit der Einladung, anschließend am Ort in einer der Wirtschaften einzukehren und sich zu stärken. Die müssen in Scharen gekommen sein, um auch den Schwerlastverkehr zu sehen, der beeindruckend gewesen sein muss.

Viadukt auch als Modell

Für eine weitere große Überraschung sorgte Werner Bischof. Als passioniertem Modellbahner kam dem Besigheimer die Bauweise der Freiberger Brücke bekannt vor. Sie habe eine große Ähnlichkeit mit dem „Rhône-Viadukt“, den der Spezialist für Modell-Landschaftsbau NOCH aus Wangen im Allgäu unter der Produktnummer 58670 für die Spurweite HO angeboten hatte. Sie ist aktuell aber nicht lieferbar. Der Viadukt wiederum hat sein Vorbild wahrscheinlich in der schweizerischen Stadt Genf. Damit hätte der Freiberger Zwilling auch noch mehr als 3200 Stiefbrüder – allerdings im Maßstab 1:87. So oft wurde der 37 Zentimeter lange und 15 Zentimeter hohe Miniaturnachbau nach Auskunft von NOCH in den letzten gut fünf Jahren verkauft und steht damit wahrscheinlich auf Tausenden Modellbauanlagen.