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Serie über Liebesgeschichten in Stadt und Kreis Ludwigsburg: Die große Liebe wäre fast an der Pluderhose gescheitert

Monja und Reiner Harich mit ihren Zwillingen Alicia und Laura. Foto: privat
Monja und Reiner Harich mit ihren Zwillingen Alicia und Laura. Foto: privat
Sie bekommt immer noch jeden Tag per WhatsApp von ihrem Mann ein Emoji mit Kussmund geschickt und gesagt, dass sie toll und hübsch ist: Morgen feiern Monja und Reiner ihren 30. Hochzeitstag. Er war ihr erster und einziger Freund.

Ludwigsburg. Monja war gerade einmal 17Jahre alt, als sie ihren Mann kennenlernte, und allein schon diese Geschichte ist eine berührende. Ihre Eltern ließen sich scheiden, als sie zwei Jahre und ihr Bruder acht Monate alt war. Da keiner der Eltern Verantwortung übernehmen wollte und konnte, sollten sie zunächst für zwei Wochen ins Kinderheim in Hoheneck. Aus zwei Wochen wurden 17 Jahre. „Die Familie meiner Mutter entschied, dass dies das Beste sei. Meine Eltern waren für mich immer wie entfernte Verwandte“, erzählt Monja Harich. Ihre Mutter lebt noch, ihr Vater ist gestorben.

Rührende Vorgeschichte

1985 sammelte die katholische Kirche Weihnachtswünsche der Heimkinder ein. Diese Wünsche wurden in einem Wäschekorb in die Kirchengemeinde nach Kornwestheim gebracht. Eigentlich hätte Monja sich gerne ein Buch gewünscht, da sie furchtbar gerne las. Da die Nonnen dann aber keinen Einfluss auf die Auswahl des Buches gehabt hätten, musste sie sich etwas für die Aussteuer wünschen: Putz- und Staublappen. Den Umschlag mit ihrem Wunsch zogen die Wirtsleute vom Vereinsheim ESG Kornwestheim. Monja bekam aber keine Lappen, sondern ihre erste eigene Bettwäsche – „eine wunderschöne, blau mit gelben Blumen, und ich durfte sie wider Erwarten sogar behalten“ – sowie eine Einladung. Und sie bekam sogar die Erlaubnis, die Familie zu besuchen, obwohl sich die Heimkinder sonst eigentlich nicht weit vom Haus entfernen durften. Künftig durfte sie einmal im Monat zu der Familie mit den drei Töchtern.

Ihren Mann lernte sie erst am 30. August 1986 kennen. Er spielte bei der ESG Fußball und hatte sie schon immer mal wieder gesehen und ihren französischen Zopf bewundert. An jenem Tag wollten Monja und eine der Töchter, die mit dem besten Freund von Reiner zusammen war, aufs Weindorf in Stuttgart. Auf die Frage, ob er mitkomme, sagte er zunächst „Nein“. „Ich dachte nur, was ist das für ein Arsch“, erzählt die 53-Jährige heute, die den braun gebrannten jungen Mann mit den langen blonden Haaren eigentlich ganz hübsch fand.

Reiner verschiebt den Arbeitsbeginn

Es lag an ihrer „unmöglichen Hose“, erfuhr sie sehr viel später, sie hatte damals eine schwarze Pluderhose an und er fand, dass eine Frau ihre Figur nicht in so einer scheußlichen Hose verstecken sollte. Der Abend war aber so schön, dass Reiner seinen Arbeitsbeginn nach drei Wochen Urlaub extra um einen Tag verschob, um Monja am 1. September an ihrem ersten Arbeitstag zu ihrer Ausbildung in einem Ludwigsburger Bekleidungsgeschäft zu begleiten. „Der viele Blickkontakt an dem Abend hat ihn die Pluderhose vergessen lassen“, sagt sie. Von da an holte er sie jeden Tag ab, irgendwann stellte sie ihn den Nonnen vor und sie fanden ihn offensichtlich so sympathisch, dass sie auch mal länger wegbleiben durfte.

30. Hochzeitstag am Comer See

Ein Jahr später zog sie im Kloster aus und bei Reiner ein. Sie machte ihre Ausbildung fertig, nach sechs Jahren heirateten die beiden und mit 28 Jahren wurde Monja Mutter von Zwillingen, Alicia und Laura.

Zu ihrem 30. Hochzeitstag fahren die beiden an den Comer See. „Da waren wir schon zur Silberhochzeit, und das hat meinem Mann so gut gefallen, dass wir jetzt noch einmal hinfahren.“

Keinen Tag hat Monja Harich

es bereut, nur einen Freund in ihrem Leben gehabt zu haben. „Ich schätze alles an ihm. Seine Geduld, dass er nicht nachtragend ist. Er ist ein toller Vater. Er hat nie etwas Negatives über meine Kindheit oder meine Familie gesagt“, sagt die Ludwigsburgerin. „Durch ihn habe ich ein Familienleben kennengelernt und erfahren, das ich selbst nie hatte.“

Erzählen Sie uns Ihre Liebesgeschichte:

Die einen haben sich beim Fischessen kennengelernt, obwohl sie keinen Fisch mögen. Andere wiederum kennen sich von der Schule, wurden aber erst später ein Paar. Andere haben sich bei der Arbeit kennengelernt. Wie haben Sie Ihren Liebsten kennengelernt? Erzählen Sie es uns, wir schreiben Ihre Liebesgeschichte auf. E-Mail mit Name und Telefonnummer an kreisredaktion@lkz.de oder Tel. (0 71 41) 130-285. (pat)

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Oder: Karin Corby schreibt uns aus den USA.