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Steinbrucherweiterung

Sitzung wird zur reinen Inforunde

Außer Spesen nichts gewesen: Weil die Sitzung des Ortschaftsrats nicht ordnungsgemäß angekündigt worden war, gab es am Montagabend lediglich eine „Informationsveranstaltung“ zur möglichen Steinbrucherweiterung.

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Mehr als 150 Rielingshäuser wollten in der Gemeindehalle hören, wie die Ortschaftsräte zu einer möglichen Erweiterung des Steinbruchs Klöpfer stehen. Doch weil zur Sitzung nicht ordnungsgemäß eingeladen worden war, gab es auch keine Beratung. Foto: Ramona Theiss
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Marbach. Die Überlegungen des Verbands Region Stuttgart (VRS) zur Rohstoffsicherung und die Erweiterungspläne der Betreiberfirma Klöpfer für den Rielingshäuser Steinbruch treiben die Menschen im Marbacher Teilort um. Entsprechend groß war das Interesse an der Ortschaftsratssitzung, die eigens in die Gemeindehalle verlegt worden war. Gut 150 Bürger wollten hören, was ihre gewählten Vertreter zum Thema Steinbruch zu sagen haben. Und sie hörten – nichts. Denn weil die Sitzung im Mitteilungsblatt nicht ordnungsgemäß mit Tagesordnung angekündigt worden war, konnte sie nicht stattfinden.

Angesichts der voll besetzten Reihen verpasste Ortsvorsteher Eberhard Ruoff im Schulterschluss mit Bürgermeister Jan Trost und dem Segen der Kommunalaufsicht im Landratsamt der Versammlung ein neues Etikett: Man wolle den Abend als weitere „Informationsveranstaltung“ nutzen. Ruoff übernahm die Verantwortung für das Versäumnis, „und ich entschuldige mich bei Ihnen“.

Weil es sich nicht mehr um eine reguläre Sitzung des Ortschaftsrats handelte, konnten auch die Ortschaftsräte das Wort nicht ergreifen. Ruoff verlas aber einen von allen drei Fraktionen entworfenen und unterstützten Antrag. Demnach lehnen alle zwölf Ortschaftsräte die Teilfortschreibung des Regionalplans zur Rohstoffsicherung ab. Gleichzeitig fordert das Gremium den VRS auf, das Verfahren gar nicht erst einzuleiten.

In der Begründung verweisen die Ortschaftsräte vor allem auf die im Flächennutzungsplan ausgewiesene künftige Wohnbaufläche westlich der Kirchberger Straße. Dieses Baugebiet läge nur noch 210 Meter vom Steinbruch entfernt, sollten die Erweiterungspläne (in der Grafik die blau gekennzeichnete Fläche) umgesetzt werden. Die Erweiterungsfläche würde nach Auffassung des Ortschaftsrats auch die Trasse einer möglichen und im Regionalverkehrsplan festgehaltenen Umgehung von Rielingshausen queren und somit verbauen. Der Firma Klöpfer seien beide Planungen seit 2002 bekannt.

In seinem Statement hob auch Jan Trost auf das künftige Baugebiet westlich der Kirchberger Straße ab. Um die Einwohnerzahl in Rielingshausen und damit auch die Infrastruktureinrichtungen zu stabilisieren, sei ein Neubaugebiet „alternativlos“. Und das Minus von 700 Wohnungen, das der VRS für Marbach errechnet habe, müsse auch im Teilort abgebaut werden. Deutliche Worte fand Trost in Richtung der Firma Klöpfer: „Irgendwann muss auch mal Schluss sein“ – er jedenfalls werde im Gemeinderat gegen die Erweiterung stimmen, so der Bürgermeister.

Viele Fragen waren es nicht mehr, die die Rielingshäuser danach stellten – der Steinbruch war ja bereits vor knapp vier Wochen Thema einer umfangreichen Bürgerinformation. Eine Wortmeldung freilich traf den wunden Punkt ziemlich genau: Welches Gewicht hat denn die Entscheidung der Stadt Marbach beim VRS? Klar sei, so Jan Trost, dass die Kommune kein Vetorecht hat. „Der Knackpunkt wird sein, ob das Verfahren weitergetrieben wird, wenn wir Nein zur Erweiterung sagen.“ Und wenn es weitergeht, müssten erst einmal Grundstücke erworben werden. „Die sind in privater Hand. Wie groß die Verkaufsbereitschaft ist, weiß ich nicht“, so Trost.

Der Ortschaftsrat muss nun nachsitzen und am 4. Dezember mit gleicher Tagesordnung wieder tagen. Der Marbacher Gemeinderat beschäftigt sich morgen, Donnerstag, 23. November, ab 19.30 Uhr unter anderem mit dem Thema Steinbruch.

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