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Bundestagswahl

SPD-Bundestagskandidat Thomas Utz im Gespräch: Das Beste soll erst noch kommen

Um in den Bundestag einzuziehen, muss der Murrer Sozialdemokrat Thomas Utz den Wahlkreis Neckar-Zaber direkt gewinnen, doch das ist vor ihm nur einem SPD-Kandidaten gelungen. Dennoch hat sich seine Ausgangsposition in den vergangenen Wochen deutlich verbessert.

Thomas Utz (SPD)
Thomas Utz (SPD) Foto: Ramona Theiss

Murr. Thomas Utz, 32, steht auf der Terrasse des Tennisclubs in Murr und hat blendende Laune. Er ist hier 2. Vorsitzender und war bis kurz vor Mitternacht vor dem Fernseher dabei, als der deutsche Topspieler Alexander Zverev in Cincinnati seinen nächsten Turniersieg holte. Seine eigene Erfolgsgeschichte schrieb Utz diesen Sommer mit den Herren 30 des TC Murr. Die Truppe erspielte sich den Aufstieg. Utz schätzt am Tennis, dass es eins gegen eins zur Sache geht – und dass er bei Punktspielen trotzdem Teil eines Teams ist, das sechs Einzel und drei Doppel absolvieren muss.

Mit dem Tennisteam ist Utz aufgestiegen

Der Triumph seiner Tennismannschaft in diesem Sommer soll aber noch nicht der Höhepunkt des Sportlers, Funktionärs und Sozialdemokraten Thomas Utz gewesen sein, den wünscht er sich am 26. September, wenn die Bundestagswahl ansteht und die SPD am besten ins Kanzleramt einziehen und den Wahlkreis Neckar-Zaber erobern möge. Denn hier tritt Thomas Utz als Direktkandidat an.

In der Vergangenheit war der Wahlkreis, der Kommunen in den Landkreisen Ludwigsburg und Heilbronn vereint, fest in der Hand des ehemaligen Reckweltmeisters und Amtsinhabers Eberhard Gienger (CDU). Der einzige Sozialdemokrat, dem es gelang, die Vorherrschaft der Christdemokraten zu brechen, war Hans Martin Bury, der Ende der 90er Jahre im Windschatten Gerhard Schröders das Direktmandat holte. Vor vier Jahren, als Utz schon einmal kandidierte, reichte es nicht einmal zu 20 Prozent.

Doch in den vergangenen Wochen hat sich etwas verschoben. Thomas Utz kommt gerade von einer Wahlkampfveranstaltung mit Olaf Scholz in Heilbronn, dem Spitzenkandidaten seiner Partei, dem die Deutschen laut Umfragen am ehesten zutrauen, das Land zu regieren. Davon profitiert bei der Sonntagsfrage auch die SPD, die dabei ist, die lange führende CDU zu überflügeln. „Bei uns beschwert sich keiner über diese schöne Momentaufnahme“, sagt Utz im Gespräch mit unserer Zeitung. „Aber abgerechnet wird zum Schluss.“ Für den Höhenflug der SPD sieht er aber gute Gründe: einen überzeugenden Kandidaten etwa und das Parteiprogramm.

Utz, Jackett, Jeans und weiße Sneaker, der als Betriebswirt in der Automobilindustrie arbeitet und vorher bei der Deutschen Bank war, kämpft dafür, dass der Mindestlohn auf zwölf Euro angehoben wird. Er will, dass die Region Stuttgart ein industrielles Schwergewicht in Europa mit sicheren Arbeitsplätzen bleibt – und trotzdem die Transformation schafft. Im Murrer Gemeinderat setzt er sich für beitragsfreie Kitas ein. „An uns liegt es nicht, dass das noch nicht passiert ist“, sagt er mit Blick auf die politischen Mitbewerber. Im Kreistag wirbt die SPD für eine Wohnbaugesellschaft, die bewirken soll, dass Immobilien kein Luxusgut bleiben. Im Bund ruft die Partei als Ziel aus, jedes Jahr 400000 neue Wohnungen zu schaffen, ein Viertel sozial gefördert. Utz sagt, dass in einer gerechten Gesellschaft Stärkere mehr schultern müssen als Schwächere.

Er tritt in die SPD ein, als Schröder 2005 die Wahl gegen Angela Merkel verliert – und zwar mit „glühendem Herzen“. Politisiert wird im Hause Utz früh und emotional. Der Vater, ein Bauingenieur, macht mit der Familie nach der Wende aus Dresden rüber, da ist Thomas Utz noch nicht einmal ein Jahr alt. „Er war mutig genug, mit Blick auf die Zukunftsperspektiven seiner Kinder, einen Neuanfang zu wagen“, sagt der Kandidat. Die Familie wird in Murr heimisch, wo Utz in den Fußballverein, den Tennisclub und die SPD geht. Die Grundwerte der Partei sind auch seine: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Utz wird Ratsherr, Kreisrat und Mitglied im SPD-Landesvorstand. Seine Partei stattet ihn in seinem zweiten Wahlkampf mit Listenplatz 26 aus, vor vier Jahren rangierte er noch am Ende, in den 30ern.

Einmal mit dem Motorrad über die Alpen

Klar ist, dass Utz trotzdem auf Sieg spielen muss, um in den Bundestag zu kommen – und dass auch die CDU mit Fabian Gramling, 34, und die Grünen mit Lars Maximilian Schweizer, 28, auf junge Kandidaten setzen. Der Amtsbonus ist für die Christdemokraten in mehrfacher Hinsicht futsch – neben Merkel wird auch Gienger, der vor vier Jahren in Neckar-Zaber 40 Prozent holte, dem nächsten Bundestag nicht mehr angehören.

Hoch hinaus will Thomas Utz nicht nur in der Politik. Um den Kopf freizubekommen, setzt er sich auch auf sein Motorrad, eine Yamaha MT-07, die er einen „Coronakauf“ nennt, weil er sie sich während des Lockdowns zugelegt hat. Mit der Maschine cruist er gerne in die Löwensteiner Berge. Mit einem Freund, den er während des Studiums in Cardiff kennengelernt hat, träumt er davon, die walisische Küste zu bereisen. Und einmal soll es mit dem Motorrad über die Alpen gehen. „Dann aber vielleicht mit einer anderen Maschine“, sagt Utz.

Zur Person:

Alter: 32 Jahre

Wohnort: Murr

Beruf: Betriebswirt in der Automobilindustrie

Ämter: Mitglied im Landesvorstand der SPD, Kreisrat, Aufsichtsrat der Kreiskliniken, Ratsherr in Murr, 2. Vorsitzender des TC Murr

Interessen: Tennis, Fußball, Motorrad fahren und Wandern

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