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SPD-Räte rufen zur Wahl von Jan Trost zum Bürgermeister in Marbach auf

Offenen Brief in der Marktstraße und an Haushalte verteilt – Reaktion auf Unterstützeranzeige für Timo Jung

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Marbach. Eine Woche vor der Entscheidung über den künftigen Marbacher Bürgermeister nimmt der Wahlkampf weiter an Schärfe zu: Am Samstag haben die drei SPD-Stadträte Ernst Morlock, Jürgen Schmiedel und Heinz Reichert in der Marbacher Fußgängerzone einen offenen Brief verteilt, in dem sie für die Wiederwahl von Amtsinhaber Jan Trost werben. Unterzeichnet haben das Schreiben zudem der SPD-Gemeinde- und Ortschaftsrat Lothar Sondermeyer sowie die sozialdemokratischen Ortschaftsräte Uli Lauterwasser und Christiane Scheuing-Bartelmess. Und offensichtlich geht Hendrik Lüdke eine Allianz mit den Trost-Unterstützern aus dem SPD-Lager ein, den auch der Name des Puls-Stadtrates (Parteiunabhängige Liste Solidarität) steht unter dem Brief.

Bei ihrer Aktion in der Marktstraße trugen die Stadträte Schilder mit der Aufschrift „Vielen Dank Herr Trost“ um den Hals. Diese vier Worte finden sich auch als immer wiederkehrendes Stilmittel in dem Schreiben, in dem die Stadt- und Ortschaftsräte verschiedene aus ihrer Sicht für Jan Trost sprechende Argumente aufzählen: unter anderem die erfolgreiche Bewerbung für die Gartenschau 2033, ein „vorbildliches Vorgehen“ bei der Bürgerbeteiligung zur Innenstadtsanierung, Firmenansiedlungen, die Ortskernsanierung in Rielingshausen.

Der Brief, der gestern auch in zahlreichen Marbacher Briefkästen landete, endet so: „Wir haben hier bestimmt nicht alle Argumente für die Wiederwahl von Herrn Bürgermeister Trost vorgebracht, das würde den Brief auch zu lang machen. Da die CDU-Fraktion geschlossen für Herrn Jung stimmt, schließen wir mit einem Wort von Altkanzler Helmut Kohl: ‚Entscheidend ist, was hinten rauskommt‘. Deshalb Trost wählen.“

Die SPD-Fraktionen im Gemeinde- und im Ortschaftsrat, die im Gegensatz zum SPD-Ortsverein mehrheitlich hinter Jan Trost stehen, wollen mit diesem Schreiben offenkundig einen Gegenpol zu der Unterstützeranzeige setzen, in der vor zwei Wochen Bürger sowie Stadträte von CDU und Grünen, dazu die SPD-Räte Ute Rößner und Dieter Zagel bekannt hatten, Herausforderer Timo Jung zu wählen. Doch während diese Unterstützeranzeige keinen appellativen Charakter hatte, rufen die sozialdemokratischen Trost-Unterstützer offen dazu auf, den Amtsinhaber zu wählen. Das ist eine neue Qualität in der auf Ebene des Gemeinderats immer verbissener geführten Auseinandersetzung um das Amt an der Verwaltungsspitze. Und es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass Timo Jung, der als Sieger aus dem ersten Wahlgang hervorging, das SPD-Parteibuch besitzt und nun in einem großen Teil gewählter SPD-Räte offenbar seine größten Gegner hat.

In den sozialen Netzwerken hat der offene Brief, der auch unserer Zeitung vorliegt, bereits für reichlich Wirbel gesorgt und unter anderem die Frage aufgeworfen, ob das Verteilen des Schreibens überhaupt genehmigt war. Dazu wird sich heute das Ordnungsamt der Stadt Marbach äußern müssen.

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