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Archäologie

Spuren des alten Bönnigheims

Archäologen sind im Kirchbergareal auf der Suche nach dem alten Bönnigheim. Sie haben bereits Nachgeburtstöpfe gefunden. Einige Funde lassen die Experten aber noch rätseln.

Der große Keller unter der früheren Schlossstraße 22 und 24 wurde Anfang des 17. Jahrhunderts erbaut. Jetzt wird er von Experten Schicht für Schicht abgetragen und untersucht. Foto: Alfred Drossel
Der große Keller unter der früheren Schlossstraße 22 und 24 wurde Anfang des 17. Jahrhunderts erbaut. Jetzt wird er von Experten Schicht für Schicht abgetragen und untersucht. Foto: Alfred Drossel

Bönnigheim. Bevor auf dem Kirchbergareal in Bönnigheim neue Häuser gebaut werden und die Altstadtsanierung einen neuen Schwerpunkt bekommt, müssen die Archäologen den Untergrund untersuchen. Die Stadt hat diese Arbeiten im Zusammenwirken mit dem Landesdenkmalamt der Fachfirma Südwest-Archäologie aus Landau übertragen (wir berichteten mehrfach). Jetzt liegen erste Grabungsergebnisse vor.

Das rund 700 Quadratmeter große Areal, südwestlich der Cyriakuskirche, direkt im Anschluss an das leerstehende Cyriakuspfründhaus, war altes Siedlungsgebiet in der Stadtmitte. Zuletzt war das Quartier mit sechs Häusern und einer Scheune bebaut. Die Gebäude, darunter auch das historische Stelzenhaus, wurden abgebrochen, weil sie sehr baufällig waren. Jahrelang standen sie leer.

Archäologen vermuten, dass das Areal bereits früh bebaut wurde

Die Lage des Areals – nahe der um 1100 erstmals in alten Urkunden erwähnten Pfarrkirche Cyriakus – lasse vermuten, dass der Bereich früh bebaut wurde, wie Dorothee Brenner vom Landesdenkmalamt betont, die die Grabungen fachmännisch betreut. Bei einer archäologischen Voruntersuchung im Dezember 2019 konnten vom Landesamt für Denkmalpflege bereits archäologische Strukturen nachgewiesen werden. „Um diese im Boden verborgenen archäologischen Kulturgüter vor der undokumentierten Zerstörung durch die Neubebauung zu bewahren, war eine archäologische Ausgrabung des Areals notwendig geworden“, teilt das zuständige Regierungspräsidium mit.

Bis jetzt wurden etwas mehr als zwei Drittel der Fläche freigelegt. Bei der derzeitigen Witterung müsse eher kleinflächig gearbeitet werden, da sonst bereits freigelegte Flächen vor Ende der Bearbeitung erneut untersucht werden müssten. Beispielsweise wegen starken Regens, stellen die Archäologen fest. Bisher wurden Reste der verschiedenen Keller der abgebrochenen Häuser gefunden. Teilweise befanden sich in den erdgestampften Kellerböden Nachgeburtstöpfe aus dem 17./18. Jahrhundert. Bönnigheim gilt als ein wichtiger Fundort dieses Brauchs. Die Forschungen, vor allem durch den Bönnigheimer Kurt Sartorius, haben schon vor 30 Jahren internationale Aufmerksamkeit erlangt.

Freigelegt wurden auch Entwässerungsrinnen, die nötig waren, um das besonders in den Wintermonaten auftretende Hangwasser aus den Kellern ableiten zu können. Dabei könne beispielhaft die Siedlungsgeschichte nachvollzogen werden, erläutern die Experten: Der große Keller unter Schlossstraße 22 und 24 war Anfang des 17. Jahrhunderts erbaut worden, wie anhand eines Steines mit der Jahreszahl 1609 ersichtlich wurde. Die Häuser darauf stammten allerdings erst aus dem späteren 18. Jahrhundert. So gehörte der Keller wohl ursprünglich zu einem größeren Haus und wurde dann später von zwei kleineren Häusern genutzt und durch eine Backsteinwand abgetrennt. Es kamen auch verschiedene Gruben zutage, die älter sind als die Bebauung. Teilweise ist der Zweck noch ablesbar, etwa durch die grüne Verfärbung des Erdreiches, die wohl auf Phosphate zurückgeht. Diese entstehen in Zusammenhang mit der Tierhaltung.

Mitunter kann die Funktion der Gruben aber noch nicht zugeordnet werden. Beispielsweise bei der, die einen flachen Boden aus einer festen kalkhaltigen Schicht hat, die sich auch an den Wänden noch ein paar Zentimeter hochzieht, sodass sie einem flachen Trog ähnelt. Auch ein verfüllter Brunnen, der deutlich älter ist als die Bebauung, kam im Süden des Areals, nahe der Schlossstraße, zum Vorschein. Im Nordosten des Areals zeigen sich verschiedene Befunde, die älter sind als die Keller der abgebrochenen Häuser, unter anderem auch ein Ofen, der aber noch nicht näher untersucht ist und dessen Zweck auch noch nicht feststeht. Dort fanden sich jetzt erstmals auch die Überreste einer steinernen Bebauung, die im Vergleich zu den zuletzt stehenden Gebäuden eine ganz andere Struktur aufzuweisen scheint.

Das Fundmaterial geht derzeit bis ins Spätmittelalter zurück. Ob sich hier noch eine Bebauung nachweisen lasse, die wie die Pfarrkirche bis ins Hochmittelalter zurückgehe, sei derzeit noch offen, betonen die Archäologen.

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