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Stadt Kornwestheim ruft ihre Bürger zum Müll-Fasten auf

Oberbürgermeisterin Ursula Keck (rechts) und Vertreter der Kornwestheimer Fasnetsvereine gehen mit gutem Beispiel voran und sammeln am Bahnhofsplatz Abfall auf. Foto: Holm Wolschendorf
Oberbürgermeisterin Ursula Keck (rechts) und Vertreter der Kornwestheimer Fasnetsvereine gehen mit gutem Beispiel voran und sammeln am Bahnhofsplatz Abfall auf. Foto: Holm Wolschendorf
Bis Ostern gibt es Tipps und Tricks zur Abfallvermeidung und zum richtigen Umgang mit Unrat

Kornwestheim. Ungewohnt aufgeräumt präsentierte sich der Kornwestheimer Bahnhofsplatz zum symbolischen Auftakt des Müll-Fastens. Oberbürgermeisterin Ursula Keck führte am Aschermittwoch eine kleine Schar von Narren beim „unnärrischen Kehraus“ an. Der Aschermittwoch markiert seit jeher eine Zeitenwende: Die Fasnet endet und eine 40-tägige Fastenzeit bis Ostern beginnt. Die einen verzichten auf Süßigkeiten, andere auf Zigaretten oder Alkohol. Die Stadt Kornwestheim dagegen ruft zum Müllverzicht auf. Die Idee dazu hatte der Ausschuss Kornwestheimer Fasnet, die mit dieser Aktion auch zeigen will, dass es die Karnevalsvereine trotz Pandemie immer noch gibt. Vertreter der Fasnet-Zunft, der freien Narrenzunft, Kornfetz und Holzbachzotten griffen ohne Häß zur Zange und folgten OB Keck bei einem gut einstündigen Umzug durch die Innenstadt. Nur von der Narren-Oberliga konnte sich keiner Zeit nehmen. Dafür schlossen sich ein paar Gastronomen an. Jeglicher Abfall, der ihnen in den Weg kam, wurde aufgelesen und in einen schwarzen Sack gepackt.

Kornwestheimer wünschen sich saubere Stadt

Die Einwohner und Besucher Kornwestheims wünschen sich eine sauberere Stadt. Bei einer Befragung, bei der über 800 Antworten eingingen, nannten fast 200 Teilnehmer, dass sie Müll auf Straßen und Plätzen störe. Ein Hotspot von vielen ist dabei der Bahnhofsplatz. Tausende Reisende und Pendler kommen hier an und fahren weg. Dabei hinterlassen sie Kaffeebecher aus beschichteter Pappe, Fastfood-Verpackungen, Mund-Nasen-Masken – vor allem aber Zigarettenkippen. Dazu kommen Schnaps- und Bierflaschen ganz oder in Scherben, Aludosen, Papiertücher und VVS-Tickets. Obwohl der Abfalleimer oft nur einen Arm weit entfernt ist, wird vieles liegen gelassen, wo man gerade steht und geht. Die verbreitete Einstellung, dass den Müll schon irgendjemand wegräumen werde, findet die Oberbürgermeisterin asozial. „Wer Müll produziert, sollte sich dafür auch verantwortlich fühlen“, sagte sie. Obwohl sich Mitarbeiter des städtischen Bauhofs in mehreren Schichten von Montag bis Samstag um den Dreck anderer scherten, würden sie das Problem alleine nicht in den Griff bekommen. Es sei ein aussichtsloser, nicht enden wollender Kampf gegen Windmühlen.

Mehr Müll in Coronazeiten

Acht städtische Angestellte leeren täglich 200 Mülleimer und machen deren Umfeld besenrein. In Pandemiezeiten ist das Abfallaufkommen sogar größer geworden. Der Anstieg wird auf 30 Prozent geschätzt. Es werde viel günstiges Essen zum Mitnehmen bestellt, so die Beobachtung. Bei passendem Wetter träfen sich die Leute im Freien – bevorzugt rund um den Bahnhof, dem Freizeitpark in Pattonville, im Salamanderpark, auf den Spielplätzen und Schulhöfen. Das seien die Brennpunkte, überall sind Hinterlassenschaften zu finden. Wenn es regnet oder zu kalt ist, treffe man sich gerne in öffentlichen Tiefgaragen. Mit dem Saubermachen komme man auch dort nicht mehr hinterher.

Insgesamt kommen alleine mit dem Straßenmüll im Jahr 34 Container mit einem Volumen von 40 Kubikmetern zusammen. Das würde sämtliche Becken des Alfred-Kercher-Bades füllen. Der Abfall landet letztlich im Feuer der Müllverbrennungsanlage. Die Entsorgung kostet Kornwestheim jährlich knapp 60000 Euro. Dabei ist Sperrmüll gar nicht mitgerechnet, auch nicht Matratzen, Möbel, Reifen, Bauschutt sowie Waschmaschinen, die einfach in der freien Landschaft illegal entsorgt werden. Auch davon ist in Coronazeiten deutlich mehr zu finden.

Mit dem Müllfasten soll die Bevölkerung sensibilisiert werden. Die unnärrische Kampagne wird über die komplette Fastenzeit bis Gründonnerstag, 14. April, von der Stadt auf Facebook begleitet. Dort gibt es regelmäßig Tipps und Tricks zum richtigen Umgang mit Müll und zur Abfallvermeidung.