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Umwelt

Stadt will Bäume besser schützen

Die Ludwigsburger Stadtverwaltung arbeitet derzeit eine Baumschutzverordnung aus. Diese soll dem Gemeinderat noch in diesem Jahr zur Abstimmung vorgelegt werden. Ziel ist es, den Baumbestand in der Stadt besser zu schützen.

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Das Fällen von Bäumen soll in Ludwigsburg nach strengeren Regeln ablaufen. Hat ein Baum einen gewissen Stammumfang, wird man künftig eine Genehmigung bei der Verwaltung einholen müssen, bevor man die Motorsäge ansetzt. Foto: Adobe Stock

Werden irgendwo im Stadtgebiet Bäume gefällt, klingelt bei der Stadtverwaltung und in der Zeitungsredaktion das Telefon. Groß ist das Bedauern der Bürger, wenn Bäume gefällt werden, sei es auf privatem oder öffentlichen Grund. Schon seit langem wird in diesem Zusammenhang der Ruf nach einer Baumschutzsatzung laut. Doch bislang konnte sich der Ludwigsburger Gemeinderat nicht dazu durchringen. Zuletzt hatte er 1998 einen entsprechenden Antrag abgelehnt.

Ende vergangenen Jahres hatten Lubu und Grüne im Gemeinderat erneut einen Antrag gestellt – und die Mehrheit im Gremium erhalten. „Wir wollen noch in diesem Jahr den Stadträten einen Vorschlag unterbreiten“, sagt Ulrike Schmidtgen, Leiterin des Fachbereichs Tiefbau und Grünflächen.

Wie die Baumschutzsatzung konkret aussehen könnte, vermag Schmidtgen derzeit noch nicht zu sagen. „Wir werten gerade Erfahrungen anderer Kommunen aus und wollen schauen, was für Ludwigsburg sinnvoll ist.“ Die Zielrichtung jedoch ist klar: Wer einen Baum auf seinem Grundstück fällen möchte, muss dies der Stadtverwaltung anzeigen und begründen. Erst wenn diese dafür grünes Licht gibt, darf die Motorsäge angesetzt werden. In welcher Form die Genehmigung an Auflagen gekoppelt ist, wird derzeit noch geprüft. Denkbar seien entweder Ersatzpflanzungen oder finanzielle Beiträge.

Was viele nicht wissen: Schon heute kann man nicht einfach einen Baum umsägen, selbst wenn dieser im eigenen Garten steht. „In manchen Siedlungsbereichen gelten Bebauungspläne, in denen einzelne Bäume oder Baumgruppen geschützt sind“, erklärt Schmidtgen. Eine Fällung muss in solchen Situationen immer von der Stadtverwaltung genehmigt werden.

Die Einführung einer Baumschutzsatzung bedeutet jedoch nicht, dass kein Baum mehr gefällt werden darf. In Bietigheim beispielsweise, wo es seit 30 Jahren eine Baumschutzsatzung gibt, ist das Fällen von Bäumen mit einem Stammumfang von weniger als 80 Zentimetern problemlos. Für Bäume mit einem größeren Stammumfang müssen Befreiungen beantragt werden. Diese erhält man zum Beispiel, wenn von dem Baum Gefahren ausgehen, der Baum krank ist, durch den Baum der Lichteinfall für Wohnräume in unzumutbarer Weise beeinträchtigt wird, oder auf der Fläche, auf der der Baum steht, gebaut werden darf. Die Stadtverwaltung Bietigheim-Bissingen verlangt im Gegenzug für eine Befreiung eine Ersatzpflanzung auf dem betroffenen Grundstück. Wird ein Baum ohne Befreiung gefällt, wird dies als Ordnungswidrigkeit behandelt. „Das kann je nach Alter des Baumes ein fünfstelliger Betrag sein“, sagt Pressesprecherin Anette Hochmuth.

In Bietigheim-Bissingen habe man gute Erfahrungen gemacht, sagt Hochmuth. Pro Jahr werden rund 60 Anträge auf Baumfällung gestellt. „Die meisten davon sind genehmigungspflichtig.“ Natürlich gebe es auch Streitfälle und Diskussionen, wenn die Genehmigung nicht erteilt werde und ein Baum stehen bleiben müsse. Meist seien die Antragsteller jedoch einsichtig.

Bäume gelten nicht allein wegen der Optik als erhaltenswert. Sie liefern insbesondere einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz. Grundsätzlich gilt: Je älter und größer der Baum, desto größer sein umweltbiologischer Nutzen.

Ludwigsburgs Nachbargemeinde Möglingen hat übrigens ihre Baumschutzverordnung 2004 nach acht Jahren Gültigkeit wieder gekippt. Die Bürger seien zu Bittstellern geworden, hieß es damals unter anderem in der Antragsbegründung aus den Reihen des Gemeinderates.