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INFORMATIONSPOLITIK

Stadtverwaltung kassiert Rüffel

Mangelhafte Kommunikation werfen einige Stadträte der Remsecker Verwaltung vor. Die zeigt sich einsichtig und gelobt Besserung.

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Am Remsufer türmen sich derzeit die zersägten Stämme und Äste von rund 20 Bäumen. Über die Rohdung hätte die Stadt besser informieren müssen, meint mancher Rat.Foto: Oliver Bürkle

REMSECK. Mit einer Reihe von Beschwerden musste sich die Stadtverwaltung in den vergangenen Tagen auseinandersetzen. Der Grund: die Rodungen am Remsufer gegenüber vom Rathaus. Zahlreiche Bürger zeigen wenig Verständnis für den Kahlschlag. In der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend sprach Christian Rygol, Leiter der Fachgruppe Tiefbau, das Thema an – und erntete noch mehr Kritik.

Am Zusammenfluss von Rems und Neckar soll sich bis zur Remstal-Gartenschau 2019 bekanntlich einiges verändern. Zwei neue Remsbalkone, ein naturnaher Spielplatz und ein langer Schwimmsteg werden dort angelegt, die Wegeverbindung entlang des Flussufers wird verbessert. Und genau aus diesem Grund ließ die Stadtverwaltung jetzt etwa 20 Bäume an der Böschung fällen. Schön anzusehen ist das momentan wahrlich nicht. Doch im Herbst sollen etwa 45 Bäume und zusätzliche Hecken neu gepflanzt werden. „Die Baumreihe vom Neckarstrand wollen wir bis zum Gasthof Ochsen fortsetzen“, beschrieb Rygol das Vorhaben.

Nicht die Maßnahme an sich, sondern die Art und Weise, wie sie in der Öffentlichkeit kommuniziert wurde, brachte der Stadtverwaltung Kritik aus dem Gemeinderat ein. „Die Aktion hätte offensiver erklärt werden müssen“, sagte Gerhard Waldbauer, der Fraktionschef der Freien Wähler. „Das war ganz schlechte Kommunikation“, konstatierte auch Grünen-Sprecher Karl Burgmaier. Es sei kein Wunder, dass die Akzeptanz für die Baumfällungen fehle, wenn die Stadtverwaltung diesen massiven Eingriff als Gehölzpflege verkaufe. Tatsächlich: Auf der städtischen Homepage und im Mitteilungsblatt wird die Rodung am Remsufer genau so tituliert. „Im Zuge der bevorstehenden Neugestaltung des Remsufers zur Remstal Gartenschau 2019 waren in der vergangenen Woche auch in Remseck am Neckar Gehölzpflegemaßnahmen notwendig“, ist zu lesen. Karl Burgmaier äußerte zudem Kritik an der Baumfällung selbst. „Einige alte Bäume hätten in die neue Baumreihe integriert werden können“, meint er.

Sowohl Christian Rygol als auch Oberbürgermeister Dirk Schönberger zeigten sich einsichtig und gelobten Besserung. „Lessons learned“, lautete der abschließende Kommentar des Rathauschefs. Was wohl heißen soll: In Zukunft wollen wir es besser machen.

Kritik an der Informationspolitik der Stadtverwaltung war auch schon eine Woche zuvor im Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) laut geworden, als es um die Sanierung der Hobbybude Hochdorf ging (wir berichteten). Gerhard Waldbauer hatte moniert, dass in der Sitzungsvorlage nicht explizit darauf hingewiesen wurde, dass das Projekt deutlich teurer wird als zunächst geplant, und auch keine Erklärung für den Kostenanstieg darin zu finden war. Den erhofften Empfehlungsbeschluss für den Gemeinderat, grünes Licht für die Sanierung zu geben, fasste der AUT vergangene Woche nicht.

Pünktlich zur Gemeinderatssitzung lieferte die Stadtverwaltung nach. Jetzt ist nachvollziehbar, warum die neue Unterkunft für den in der Kinder- und Jugendarbeit sehr aktiven Hochdorfer Verein 90 000 Euro mehr und damit 340 000 Euro kosten soll. Anstelle von Containern will die Stadt höherwertige Holzmodulbauten aufstellen lassen. Das Volumen des Gebäudes wurde vergrößert, damit künftig auf einen bisher als Lager genutzten Container verzichtet werden kann. Ausgaben für die Außenanlage und die Elektroarbeiten fehlten komplett in der ersten Kostenschätzung.

Ob die Hobbybude Hochdorf demnächst in Containern oder Holzmodulbauten ihre Kurse anbieten und Feste feiern wird, ist noch offen. Der Gemeinderat gab zwar grundsätzlich grünes Licht für die Sanierung, beschloss aber, Angebote für beide Gebäudearten einholen zu lassen. Fünf Ratsmitglieder zeigten sich nicht einverstanden mit dieser Vorgehensweise. Sie plädierten dafür abzuwarten, ob die beim Regierungspräsidium Stuttgart beantragten Fördermittel in Höhe von 40 Prozent bewilligt werden. Die Stadtverwaltung rechnet „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ und in Kürze mit einem positiven Bescheid.

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