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Starke Frauen, starke Bilder

Facettenreicher Alltag: Die Autolackiererin Rosa Mezger (oben) und die Politikerin Herta Däubler-Gmelin, rechts mit ihrer Mutter.Fotos: Karin Bahle
Facettenreicher Alltag: Die Autolackiererin Rosa Mezger (oben) und die Politikerin Herta Däubler-Gmelin, rechts mit ihrer Mutter. Foto: Karin Bahle
Facettenreicher Alltag: Die Autolackiererin Rosa Mezger (oben) und die Politikerin Herta Däubler-Gmelin, rechts mit ihrer Mutter.Fotos: Karin Bahle
Facettenreicher Alltag: Die Autolackiererin Rosa Mezger (oben) und die Politikerin Herta Däubler-Gmelin, rechts mit ihrer Mutter. Foto: Karin Bahle
Facettenreicher Alltag: Die Autolackiererin Rosa Mezger (oben) und die Politikerin Herta Däubler-Gmelin, rechts mit ihrer Mutter.Fotos: Karin Bahle
Facettenreicher Alltag: Die Autolackiererin Rosa Mezger (oben) und die Politikerin Herta Däubler-Gmelin, rechts mit ihrer Mutter. Foto: Karin Bahle
Facettenreicher Alltag: Die Autolackiererin Rosa Mezger (oben) und die Politikerin Herta Däubler-Gmelin, rechts mit ihrer Mutter.Fotos: Karin Bahle
Facettenreicher Alltag: Die Autolackiererin Rosa Mezger (oben) und die Politikerin Herta Däubler-Gmelin, rechts mit ihrer Mutter. Foto: Karin Bahle
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Remseck. 17 Jahre, 50 Frauen, 100 Bilder: Mit ihrem nun abgeschlossenen Langzeitfotoprojekt „Doppelleben“ hat Karin Bahle einen wahren Marathon absolviert. In ansprechend arrangierten und dennoch natürlich erscheinenden Schwarz-Weiß-Fotos zeigt die Remseckerin nun selbstbewusste Frauen von ihren stärksten Seiten, und das jeweils einmal beruflich, einmal privat. Manche bekleiden Spitzenpositionen, andere arbeiten in vermeintlich männlichen, mitunter handwerklichen Berufen, viele sind im Kultur- und Kreativbereich tätig – und tun eines in ihrer Freizeit vergleichsweise selten: am Herd stehen. „Ich kann viele Geschichten erzählen zu meinen Bildern“, sagt die 80-Jährige. Dennoch kommt der gerade erschienene Fotoband ohne viel Text aus – Karin Bahle lässt lieber die Bilder sprechen.

Mit dabei sind unter anderem die „Antiquaria“-Veranstalterin Petra Bewer, die Direktorin des Deutschen Literaturarchivs Marbach (DLA) Sandra Richter, die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD), die Schauspielerin Christine Prayon und Kornwestheims Oberbürgermeisterin Ursula Keck. Die Auswahl hat sich mit der Zeit ergeben. Manche Frauen kannte sie über zwei, drei Ecken, teilweise war es auch eine Art Schneeballprinzip: Über die eine Porträtierte lernte sie die nächste kennen oder erfuhr von ihr.

Es gab Frauen, die Karin Bahle unbedingt für ihr Projekt gewinnen wollte: Sandra Richter etwa, seit 2019 DLA-Direktorin, von der sie viel gelesen hatte, unter anderem, dass sie eine begeisterte Saxofonspielerin sei. Während man Richter dienstlich bei einer Podiumsdiskussion sieht, sollte das andere Foto ursprünglich denn auch ein Ständchen im Park auf der Schillerhöhe zeigen. Doch die Literaturwissenschaftlerin, die sich in der Mittagspause Zeit nahm, war sehr erschöpft – also legte sie sich einfach auf die Mauer vor dem Literaturmuseum der Moderne. Die Augen zum Nickerchen geschlossen, ein aufgeklapptes Büchlein auf dem Bauch, so wollte sich Richter am liebsten zeigen. „Ich habe bei der Auswahl der Szenen nie reingeredet“, betont Karin Bahle. „Die Frauen hatten alle Freiheiten.“ Manche inszenierten sich ganz gezielt, andere ließen sich tatsächlich in ganz natürlichen Alltagssituationen ablichten, wie beiläufig.

Natürlich habe es auch Absagen gegeben, betont Karin Bahle, Namen möchte sie da nicht nennen, weil es für sie selbstverständlich ist, dass die Teilnahme freiwillig war. Um manche musste oder wollte sie aber auch ein wenig werben: Etwa um die Ladenbesitzerin Karin Glück aus der Ludwigsburger Seestraße, die Bahle immer wieder aufsuchte, um sie eines Tages endlich ablichten zu dürfen. Das „private“ Foto, das schließlich entstand, zeigt die Unternehmerin, wie sie die Tür ihres Geschäfts von außen abschließt. Da verstand die Fotografin, worum es ging: Das Privatleben sollte immer privat bleiben.

Ob sie sich wohl eines Tages auch mal Männern widmen wird? Wohl eher nicht. Das Spannungsfeld zwischen Beruf und Privatem sei bei Frauen meist größer, erklärt Bahle, die einst aus der DDR in den Westen kam. „Ich wollte zeigen, dass sie daheim nicht unbedingt die Hausfrau sind.“ Das traf sich denn auch gut mit den Interessen der meisten Porträtierten. Fasziniert war Bahle etwa von der Autolackiererin Rosa Mezger, die sich nach Feierabend als körperlich aktive Mutter auf der Schaukel präsentierte. Und die Politikerin Däubler-Gmelin habe vor dem Termin vorsorglich verkündet: „Sie kriegen mich aber nicht in die Küche.“

Info: Das Buch „Doppelleben“ (100 Seiten, 29,90 Euro) ist im Stuttgarter Verrai-Verlag erschienen. Auch auf www.die-fotograefinnen.de unter „Konzeptarbeiten“ sind alle Fotos zu sehen.

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