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Stimmzettel
Stimmzettel bei der Bundestagswahl: Der Wähler darf zwei Kreuzchen machen

Wahlurne
Ein Mann wirft seinen Stimmzettel in eine Wahlurne. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild
Mit der Erststimme wird der Wahlkreisabgeordnete gewählt – Die Zweitstimme entscheidet über die Stärke der Parteien im neuen Bundestag

Kreis Ludwigsburg. Rund 445000 Menschen sind am kommenden Sonntag bei der Bundestagswahl in den beiden Wahlkreisen Ludwigsburg (265) und Neckar-Zaber (266) wahlberechtigt. Vor vier Jahren lag die Beteiligung in Ludwigsburg bei 80,39 Prozent, in Neckar-Zaber bei 81,01 Prozent und damit vier Punkte über dem Bundesschnitt von 76,2 Prozent. Man darf gespannt sein, wie viele Menschen diesmal ihre Kreuzchen machen. Auch wenn noch keine genauen Zahlen vorliegen, so zeichnet sich doch schon jetzt eine deutlich höhere Briefwahl ab als vor vier Jahren. Aber wie genau wird denn überhaupt gewählt? Eine Yougov-Umfrage ergab vor kurzem, dass 38 Prozent der Jungwähler das nicht genau wissen. Wir geben Antworten auf wichtige Fragen.

Wofür steht die Erststimme?

Mit der Erststimme entscheiden die Wähler über den jeweils direkt gewählten Abgeordneten des jeweiligen Wahlkreises. Gewählt ist, wer die meisten Stimmen erhält. Der Direktkandidat zieht unabhängig vom Parteiergebnis auf jeden Fall ins Parlament ein.

Was entscheidet die Zweitstimme?

Sie bestimmt die Sitzverteilung und Stärke der Parteien im Bundestag. Alle Parteien, die mehr als fünf Prozent der Zweitstimmen erhalten oder aber drei Wahlkreise direkt gewinnen, erhalten Sitze im Bundestag. Wenn sie mindestens drei Direktmandate erzielen, aber unter der Fünf-Prozent-Hürde bleiben, werden ihnen gemäß des Zweitstimmenanteils Sitze zugeordnet. Dies war zuletzt 1994 der Fall, als die PDS zwar vier Direktmandate, aber nur 4,4 Prozent der Zweitstimmen erringen konnte. Von der Mandatszahl wird die Zahl der direkt gewählten Abgeordneten abgezogen. Hat eine Partei Anspruch auf mehr Mandate, als sie direkt gewählte Abgeordnete entsendet, rücken Bewerber der jeweiligen Landesliste in den Bundestag ein.

Müssen Erst- und Zweitstimme ein und derselben Partei gegeben werden?

Nein. Stimmen-Splitting ist erlaubt. Vor allem kleinere Parteien setzen häufig auf die Zweitstimme.

Darf auch nur eine Stimme abgegeben werden oder ist der Stimmzettel dann ungültig?

Selbst wenn nur eine Erststimme oder eine Zweitstimme abgegeben wird, ist der Stimmzettel voll gültig und wird gewertet. Wähler verschenken damit aber eine Möglichkeit der Mitwirkung.

Wann ist der Stimmzettel ungültig?

Sobald mehr als ein Kreuz oder zusätzliche Anmerkungen in den einzelnen Listen gemacht werden, ist die jeweilige Stimme ungültig. Setzt ein Wahlberechtigter etwa zwei Kreuze für zwei Wahlkreisabgeordnete, aber nur eines bei einer Partei der Landesliste, gilt lediglich die Erststimme als ungültig. Das gilt auch umgekehrt. Ein Stimmzettel ist ungültig, wenn er nicht amtlich hergestellt ist, keine Kennzeichnung enthält, für eine andere Wahl hergestellt wurde oder ganz durchgestrichen, durchgerissen oder durchgeschnitten ist.

Aus wie vielen Parteien kann man wählen?

In Baden-Württemberg sind 24 Landeslisten von Parteien (2017: 21) zur Wahl zugelassen. Bei der Bundestagswahl ist der Südwesten in 38 Wahlkreise eingeteilt. Sie tragen die Nummern 258 bis 295.

Wie viele Menschen dürfen in Baden-Württemberg abstimmen?

Für die zweite wichtige Stimmabgabe in diesem Jahr nach der Landtagswahl im März sind in Baden-Württemberg 7,7 Millionen Menschen wahlberechtigt. Bundesweit dürfen nach einer Schätzung des Statistischen Bundesamtes 60,4 Millionen Deutsche mitbestimmen – 31,2 Millionen Frauen und 29,2 Millionen Männer ab 18 Jahren. 2,8 Millionen wählen zum ersten Mal bei einer Bundestagswahl. 57,8 Prozent der Wahlberechtigten sind älter als 49.

Werden viele Briefwähler erwartet?

Ja, pandemiebedingt so viele wie noch nie. Schon bei der Landtagswahl im März hatte sich ihr Anteil mit 51,3 Prozent mehr als verdoppelt.