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Umweltschutz

Stoffbeutel für die Marktkunden

Auf dem Freiberger Wochenmarkt soll die Plastiktüte bald der Vergangenheit angehören – Aktion mit Vorbildcharakter

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Freiberg. In der Fortsetzung des Paradiesvogelprojekts startete jetzt die Initiative „Plastiktütenfrei – Wir sind dabei“. Ziel ist es, Freiberger zu verpackungs- und plastikarmen Einkauf zu motivieren.

Am Samstagmorgen waren ungewöhnlich viele Kinder auf dem Wochenmarkt: Jungen und Mädchen der Flattichschule verteilten gemeinsam mit ihrem Rektor Folkert Schröder rund 300 Stofftaschen mit dem Logo „Plastiktütenfrei wir sind dabei“. Die Marktstände wurden mit Taschen ausgestattet und ein Teil direkt an die Besucher verteilt. Auch Aufsteller mit dem Hinweis, dass eigenen Behältnisse für die Waren mitgebracht werden dürfen, nahmen einige Stände entgegen.

Es war der Auftakt einer großen Aktion, die das Ehepaar Anja und Matthias Horn als Fortsetzung ihres im Vorjahr initiierten Umweltprojekts „Das Paradies ist noch zu retten“ (unsere Zeitung berichtete mehrfach) in Kooperation mit der Stadt durchführt.

Bürgermeister Dirk Schaible machte in seiner Ansprache deutlich, dass es nicht damit getan sei, Plastik- und Verpackungsmüll ordentlich in der grünen Tonne zu entsorgen. Ziel müsse vielmehr sein, Müll zu vermeiden.

Nur zwölf Prozent des deutschen Plastikmülls gehe in tatsächliches Recycling, 26 Prozent werde ins Ausland exportiert. Durch unsachgemäßen Umgang lande tonnenweise Material unkontrolliert in Meeren und Flüssen.

„Es gibt mittlerweile fünf riesige Müllstrudel, der größte ist in der Fläche größer als Europa“, nannte Bürgermeister Schaible die alarmierenden Ausmaße der Plastikberge im Meer, die jüngst für Schlagzeilen gesorgt haben. Jeder trage mit seinem Plastikmüll dazu bei, dass die Meere verschmutzten.

„Wir Westeuropäer sind so unterwegs, dass wir drei Erden bräuchten“, machte der Schultes den unverantwortlichen Ressourcen-Verbrauch mit einem bildhaften Vergleich deutlich. Besonders dankte er dem Ehepaar Horn für sein großes Engagement, den Flattichschülern und allen Kindergärten und Schulen, die sich ebenfalls noch einbringen.

„Ich finde die Aktion super“, freute sich Marktbesucherin Marissa Poley, die Marktbeschicker Ali Dogan Mehrwegschüsseln reichte, um sie mit mediterranen Spezialitäten füllen zu lassen. „Ich selbst kaufe schon länger mit eigenen Taschen und Behältern ein, was nicht immer einfach ist. Vor allem muss ein Einkauf geplant sein.“

Die Verteilung der Stofftaschen, an deren Finanzierung sich die Marktbeschicker beteiligen, ist nur ein kleiner Baustein der Aktion. Drei Frauen saßen auf Initiative der Horns den ganzen Vormittag vor dem Bistro La Plaza an ihren Nähmaschinen und fertigten unermüdlich Taschen aus ausrangierten Kissenbezügen, Tischdecken und sonstigen Stoffresten. „Den Anstoß zu diesem sorgfältigen Umgang mit Ressourcen kam von einer 87-jährigen Frau“, erzählte Matthais Horn vom Gespräch über die früher immer noch übliche Weiterverwertung und Umarbeitung ausrangierter Stücke.

Eine der Näherinnen war Patricia Hachmann, die als gelernte Modedesignerin ihre Taschen zum Teil auch mit Bordüren. „Ich bin mit Freude dabei“, erzählte sie. Die Taschen wurden auf Spendenbasis abgegeben.

Am Mittwoch wird die Aktion auf dem Wochenmarkt fortgesetzt. Weitere 200 offizielle Stofftaschen werden verteilt, außerdem bieten die Flattichschüler musikalische Kostproben ihres Umweltmusicals. Auch im weiteren Verlauf der Aktion werden Kindergärten und Grundschulen einbezogen.

So gestalten die Kinder mit dem Kreativlabor von Anja Horn große Fisch-Skelett-Skulpturen. Diese Skulpturen werden dann mit Plastikartikeln gespickt im Marktplatzsee aufgestellt, unter dem Motto „Im Meer mehr Plastik als Fisch – wir Kinder woll’n das nicht“.

Auch die Geschäfte in Freiberg sind zur Beteiligung aufgerufen. Kindergartenkinder gestalten für sie auf Wunsch Aufsteller für die Ladentheke.

Ziel ist es, möglichst viele Freiberger zu motivieren, eigene Taschen und Behältnisse mitzubringen, um plastikfrei und verpackungsarm einzukaufen“, hoffen Anja und Matthias Horn auf große Beteiligung.

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