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Streik im Sozial- und Erziehungsdienst: Viele Kitas im Kreis Ludwigsburg bleiben geschlossen

Wegen eines Streiks der Beschäftigten im Erziehungsdienst können heute viele Kinder nicht in den Kindergarten gehen. Foto: Jan Woitas/dpa
Wegen eines Streiks der Beschäftigten im Erziehungsdienst können heute viele Kinder nicht in den Kindergarten gehen. Foto: Jan Woitas/dpa
Den Internationalen Frauentag am 8. März macht die Gewerkschaft Verdi zum Streiktag. Auch im Landkreis Ludwigsburg sind Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsdienst aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Das hat zur Folge, dass zahlreiche kommunale Kindergärten an diesem Dienstag geschlossen sind.

Kreis Ludwigsburg. In der aktuellen Tarifrunde kämpfen die Gewerkschaften für eine bessere Eingruppierung und bessere Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in kommunalen Kitas und sozialen Einrichtungen. Verdi Stuttgart will an diesem Tag ein starkes Signal an die Arbeitgeber, an Politik und Gesellschaft richten, dass es in dieser Runde auch um die Aufwertung von immer noch typischen Frauenberufen geht: Rund 90 Prozent der Beschäftigten sind weiblich.

So werden am Dienstag in Bietigheim-Bissingen 130 von insgesamt 350 Erzieherinnen die Arbeit niederlegen. Damit sind sieben von insgesamt städtischen 25 Einrichtungen und 480 von insgesamt 1460 Kindern betroffen. Dabei kommen die Kinder und ihre Eltern noch ganz gut weg, denn nicht alle streikbereiten Beschäftigten werden auch die Arbeit niederlegen. „Etliche Kitas haben ausdrücklich mit Verweis auf die Belastungen, die die Eltern durch Corona schon erleiden mussten, darauf verzichtet“, teilt Pressesprecherin Anette Hochmuth auf Anfrage mit. Bei den Kinderhäusern ist lediglich die Einrichtung in Untermberg weiterhin geöffnet. Die anderen vier werden bestreikt.

Sechs Kitas in Ludwigsburg haben geschlossen

Am Montagnachmittag lagen der Stadtverwaltung in Ludwigsburg noch keine verlässlichen Informationen darüber vor, welche der 22 städtischen Kindertageseinrichtungen in welchem Ausmaß vom Streik betroffen sein werden. Klar war laut Sprecherin Meike Wätjen, dass in sechs Kitas komplett gestreikt wird. Bei einer anderen Kita ist der U3-Bereich bestreikt; der Ü3-Bereich dagegen geöffnet. Aufgrund der aktuell sehr angespannten Personalsituation mit jahreszeitbedingter Krankheitswelle, Corona und dem Fachkräftemangel verfügt die Stadt über keine Vertretungskräfte, die sie zur Streikkompensation einsetzen kann. „Die Bildung von Notgruppen ist laut Streikrecht nicht erlaubt“, so Wätjen. Sofern die Verwaltung Kenntnis darüber erlangt, wer sich an den Streiks beteiligt und was dies für die einzelnen Kitas bedeutet, werden die Eltern über die städtische Homepage informiert.

Die Kita Bolzstraße und die Kita Weimarstraße in Kornwestheim sind komplett geschlossen. Eltern, können sich in Notfällen an die jeweiligen Einrichtungsleitungen wenden. Die Stadtverwaltung wird sich dann um individuelle Einzellösungen kümmern. In der Kita Lessingstraße ist der Krippenbereich vom Streik betroffen, die Betreuung der Kinder über drei Jahren bleibt gewährleistet. In der Kita Neckarstraße ist eine Krippengruppe vom Streik betroffen, der Ü3-Bereich und eine weitere Krippengruppe bleiben geöffnet. In der Kita Rosensteinstraße schließt eine Kindergartengruppe, die andere bleibt geöffnet. Gleiches gilt für die Kita Bebelstraße. Die Eltern werden durch die Leitungen der Kitas über die Schließungen informiert. Die Kindertagesstätten Daimlerstraße, Karlstraße, Villeneuvestraße, Starenweg, Otterweg und Kirchstraße bleiben geöffnet.

Entscheidung nach Personallage

Gestreikt wird auch in Freiberg. So ist der Riedkindergarten am Dienstag komplett zu. Eine eingeschränkte Betreuung wird es im Käthe-Kollwitz-Kindergarten, im Beethoven-Kindergarten sowie im Flattichkinderhaus geben. Ob es dort eine Notbetreuung oder verkürzte Öffnungszeiten gibt, wird laut Auskunft der Stadtverwaltung nach Personallage entschieden. In den anderen drei städtischen Kindergärten wird der Betrieb aufrechterhalten. Die Eltern können sich über die Kita-App über die Betreuungsmöglichkeiten informieren.

Sieben Markgröninger Kindertagesstätten sind in städtischer Trägerschaft, wobei nach Auskunft von Sulamith Klein, Fachgebietsleiterin Bildung, Kultur und Freizeit, lediglich die Einrichtung im Fliederwerk geschlossen ist. „Das ist im Moment bekannt“, sagte sie gestern zur Mittagszeit. Zum Verständnis: Welche Einrichtung bestreikt wird, muss im Vorfeld nicht bekanntgegeben werden. Die Eltern wurden bereits darüber informiert, dass die Kita ihres Kindes bestreikt werden könnte. Wo dies tatsächlich der Fall ist, erfahren sie kurzfristig auf der Homepage der Stadt.

Die Stadt Remseck betreibt acht Kitas, der Zweckverband Pattonville vier. Wegen des Streiks sind laut Pressesprecher Phi-lipp Weber die Kita Wasenstraße, Ost und Mitte komplett geschlossen. In den Kitas Leonbergerstraße und im Hof sowie im Kinderhaus Hochdorf sind einzelne Gruppen geschlossen oder die Betreuungszeiten reduziert. Die Eltern wurden bereits per Elternbrief und über die städtische Homepage informiert. Eine Notbetreuung wird in den geschlossenen Kitas nicht angeboten, in anderen Kitas ist sie aufgrund von Corona nicht möglich. In der Schulkindbetreuung sind die Kernzeit Hochdorf und die Schulkindbetreuung Pattonville betroffen. Die Kernzeit Hochdorf ist nur bis 15 Uhr anstatt wie üblich bis 17 Uhr geöffnet. Bei der Schulkindbetreuung Pattonville sind die Früh- und Spätmodule inklusive Mittagsband geschlossen.

Vier von acht Kitas geschlossen

Streik und Krankheitsfälle: Das führt in der Stadt Tamm dazu, dass vier von acht kommunalen Kindertageseinrichtungen am Dienstag geschlossen haben. Zwei Kitas haben laut Auskunft von Sabrina Lee, Leiterin des Haupt- und Personalamts, geöffnet, in einer weiteren gibt es eine Notgruppe und in einem Kindergarten wird Betreuung mit einer verkürzten Öffnungszeit angeboten. Per E-Mail, Homepage und Info-App erfahren die Eltern, was in ihrem Hort angesagt ist.

In Marbach wird es am Dienstag keine Betreuungsangebote für Kindergartenkinder geben. Laut Auskunft von Erster Beigeordneter Franziska Wunschik wird in allen acht Einrichtungen gestreikt. „Wer nicht streikt, arbeitet im Homeoffice“, sagt sie. Die Eltern wurden darüber bereits über die Kita-App unterrichtet.