Logo

Corona

Stufenplan für die Intensivpflege

Mit „einem intelligenten Stufenplan“ für die Versorgung von Covid-19- Patienten wollen die RKH-Kliniken durch den Coronawinter kommen. Professor Götz Geldner, Ärztlicher Direktor für Anästhesiologie und Intensivmedizin, erwartet, dass die Pandemie aber auch die Krankenhäuser im Kreis bis ins Frühjahr zunehmend belasten wird.

Intensivpflegebetten sind in der RKH eigentlich keine Mangelware – wohl aber das Pflegepersonal. Vadim - stock.adobe.com
Intensivpflegebetten sind in der RKH eigentlich keine Mangelware – wohl aber das Pflegepersonal. Vadim - stock.adobe.com

Kreis Ludwigsburg. „Wir können das Klinikum in Ludwigsburg als unser größtes Haus nicht noch einmal so herunterfahren wie im März und April“, sagt Geldner. Während des Lockdowns hatte die RKH alle nicht dringenden Operationen abgesagt und dadurch beispielsweise Pflegepersonal der Orthopädischen Klinik Markgröningen zur Versorgung von Covid-Patienten nach Ludwigsburg abstellen können: Ludwigsburg im Osten und Bruchsal im Westen wurden zu „Coronazentren“ der kommunalen Krankenhaus-Holding in den drei Landkreisen Ludwigsburg, Enz und Karlsruhe.

Doch diese Strategie sei jetzt, da wieder vermehrt Coronapatienten auch in den RKH-Häusern in Bietigheim und Ludwigsburg ankommen, nicht wiederholbar, betont Geldner: „Wir sind allen Patienten verpflichtet – und viele Operationen sind nicht um mehrere Monate verschiebbar, ohne dass dadurch Patienten zu Schaden kämen.“ Das aktuelle Pandemiegeschehen werde aber eben voraussichtlich mehrere Monate anhalten. Zudem könnten einige Operationen innerhalb der RKH schlicht nur in Ludwigsburg stattfinden.

Hinzu kommt: Auch in den RKH-Kliniken herrscht Personalmangel vor allem im Pflegebereich. In Ludwigsburg etwa stehen derzeit 27 intensivmedizinische Betten mit Beatmungsgeräten plus 17 Überwachungsbetten zur Verfügung. Vier davon können derzeit aber gar nicht belegt werden, weil die RKH sonst den seit 2018 geltenden Personalschlüssel in diesem Bereich risse. Dass die Holding „potenziell“ – so Geldner – „sehr viele“ Beatmungsplätze für Covid-19-Patienten aktivieren könnte, brächte also ohne erneute Personaltransfers keine wirkliche Lösung und wäre auch daher allenfalls dosiert möglich.

Gestern Vormittag waren in Ludwigsburg noch drei Beatmungsplätze und ein Überwachungsbett frei. Doch die Corona-Fallzahlen steigen auch in der RKH wieder an: Am Dienstag wurden in Ludwigsburg vier Covid-Patienten beatmet und einer ohne Beatmung überwacht, in Bietigheim – wo es insgesamt zehn Intensiv- und Überwachungsbetten gibt – wurden fünf Coronakranke beatmet.

Auf der Ludwigsburger Isolierstation für Coronapatienten, die noch keine intensivmedizinische Versorgung benötigen, waren am Dienstag 15 von 19 Betten belegt, Tendenz steigend: Täglich kämen ein bis zwei Patienten hinzu, sagt Geldner. Er erwartet daher, gegen Ende der Woche eine zweite Corona-Isolierstation eröffnen zu müssen. Die gute Nachricht: Patienten dort kann heute effektiver geholfen werden als im Frühjahr. Blutgerinnungshemmende Mittel können Thrombosen und Embolien vorbeugen, die anfangs bei schweren Coronapatienten zu Schlaganfällen oder Herzinfarkten geführt haben. Auch mit der Verabreichung des entzündungshemmenden Corticoids Dexamethason und des Ebola-Mittels Remdesivir habe die RKH unterhalb der intensivmedizinischen Schwelle gute Erfahrengen gemacht, sagt Geldner. Die schlechte Nachricht: Etwa ein Viertel der stationären Covid-19-Patienten landet nach einigen Tagen auf der Intensivstation. Die in Ludwigsburg aktuell verfügbaren Betten könnten also schnell belegt sein – keineswegs nur, aber auch wegen Corona. Statt dann erneut zwei Schwerpunkthäuser auszurufen (und auszustatten), werde die RKH versuchen, Patienten an einen Standort mit freien Kapazitäten zu verlegen – Covid-Patienten aus dem westlichen Landkreis also etwa nach Mühlacker.

Eigentlich, ergänzt Geldner, müsste es eine solche Kapazitätsplanung landesweit geben. Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) hatte das schon am Ende des Lockdowns gefordert. Geliefert hat die „gelernte Krankenschwester“ – so Lucha über Lucha – bisher noch nicht.

Autor: