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Eröffnung

Tanzende Blumen und ein nacktes Einhorn

Mit einem Fest auf dem historischen Marktplatz in Schorndorf ist gestern die Remstal Gartenschau eröffnet worden. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sprach von einer Veranstaltung der Superlative.

Die Remstal Gartenschau in Schorndorf ist eröffnet. Zahlreiche Delegierte treffen sich vorab in Remseck. Fotos: Oliver Bürkle (1), Marion Blum (1), Fabian Sommer/dpa
Die Remstal Gartenschau in Schorndorf ist eröffnet. Zahlreiche Delegierte treffen sich vorab in Remseck. Foto: Oliver Bürkle (1), Marion Blum (1), Fabian Sommer/dpa
Im Schlosskeller in Schorndorf ist eine Blumentorte zu sehen.
Im Schlosskeller in Schorndorf ist eine Blumentorte zu sehen.
Ministerpräsident Winfried Kretschmann und seine Frau Gerlinde bewundern eine tanzende Blume.
Ministerpräsident Winfried Kretschmann und seine Frau Gerlinde bewundern eine tanzende Blume.
Gottlieb-Daimler-Statuen des Künstlers Ottmar Hörl stehen im Erlebnisgarten.
Gottlieb-Daimler-Statuen des Künstlers Ottmar Hörl stehen im Erlebnisgarten.
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Schorndorf. „Mit einer Größe von 53.000 Hektar ist das die größte Gartenschau, die es jemals gab“, sagte er auf der Bühne – eingerahmt von Kindern in Bienenkostümen.

Doch nicht nur das: Niemals zuvor wurde eine Gartenschau entlang eines kompletten Flusslaufs und als interkommunales Projekt realisiert. Zu den 16 beteiligten Kommunen entlang der 80 Kilometer langen Rems gehört auch Remseck: Vor der Auftaktveranstaltung in Schorndorf hatte Remsecks Oberbürgermeister Dirk Schönberger vormittags Amtskollegen aus dem oberen Remstal sowie die Landräte Rainer Haas (Ludwigsburg) und Richard Sigel (Rems-Murr-Kreis) eingeladen, um sich mit ihnen auf das Event einzustimmen.

„Das ist heute ein tolles Gefühl“, sagte Schönberger mit Blick auf den zwölf Jahre währenden Planungsprozess. Jede Kommune habe als Beitrag zur Gartenschau etwas ganz Besonderes realisiert. In Remseck sind es die weißen Badehäuschen, der lange Steg, der Remsbalkon mit schöner Aussicht sowie viele Aktionen.

„Die Zusammenarbeit hat richtig gut funktioniert. Die Marke Remstal ist weiterentwickelt worden“, sagte Landrat Sigel. „Es handelt sich nicht um eine Blümlesschau, sondern um nachhaltige Projekte“, betonte Reinhard Molt, Bürgermeister aus Remshalden. Dass es gelungen ist, Weinberge, Streuobstwiesen und den Neckar erlebbar zu machen, betonte Dr. Nicola Schelling, Direktorin des Verbands Region Stuttgart, bevor es mit Landrat Sigel am Steuer im Kleinbus nach Schorndorf ging. Dorthin waren von Remseck aus außerdem Ehrenamtliche, Gemeinderäte und Verwaltungsmitarbeiter gefahren.

In der Orangerie des Schorndorfer Schlosses trafen sich vor dem offiziellen Auftakt Vertreter der beteiligten Kommunen und Gäste, darunter SPD-Landesvorsitzender Andreas Stoch und Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch mit auffälligem Hut. Doch die Wirkung ihrer Kopfbedeckung verblasste im Vergleich zur Begleitung von Richard Arnold, Oberbürgermeister in Schwäbisch-Gmünd. Stadträtin Cynthia Schneider (Die Linke) trug unter ihrem Umhang nichts – außer einem Slip und jeder Menge Farbe. Durch Bodypainting hatte sie sich in das Wappentier von Schwäbisch-Gmünd verwandelt: ein Einhorn, allerdings ein nacktes. Das kam nicht bei allen gut an. Ebenso wenig wie später auf der Bühne der Kommentar von Arnold: „So sehen die Stadträtinnen aus in Schwäbisch-Gmünd“.

Bekleidet war dagegen das Remtal-Maskottchen Remsi, das Ministerpräsident Winfried Kretschmann und dessen Ehefrau Gerlinde willkommen hieß. Die war schier begeistert von den tanzenden Blumen, die im Keller des Schorndorfer Schlosses zu bewundern sind. Motorkraft und Lichteffekte machen dies möglich. Der ansonsten verschlossene Keller hat sich in eine Blumenhalle verwandelt, in der floristische Kreationen zu bewundern sind. Doch viel Zeit zum Schauen hatten die Kretschmanns nicht.

Pünktlich startete das Bühnenprogramm, bei dem sich die Oberbürgermeister der 16 Kommunen plus Botschafter präsentierten. Helga Schlieter begleitete Schönberger im Kostüm einer Magd und mit Gans auf dem Arm.

„Ich bin heute stolz auf das Remstal“, verriet Schorndorfs Bürgermeister Matthias Klopfer, der gleichzeitig Chef der Gartenschau GmbH ist. Der Landschaftsraum könne erfahren und erlebt werden – ob auf dem 80 Kilometer langen Remstal Rad- und Gehweg, bei Kanurouten oder beim Besuch der 16 architektonischen Stationen. „Die Region soll mit dem Schwarzwald und dem Bodensee in einer Liga spielen“, formulierte Gartenschau-Geschäftsführer Thorsten Englert das Ziel. „Das ist die erste kommunale Gartenschau in Deutschland“, hob Thomas Bopp, Vorsitzender des Verbands Region Stuttgart, den Pilotcharakter hervor.

„Alle Kommunen haben sich die Fördergelder friedlich geteilt“, zeigte sich Ministerpräsident Kretschmann zufrieden, der als „Grüner mit grünem Daumen“ angekündigt worden war. Erst die Eröffnung der Blüba-Saison in Ludwigsburg, dann der Start der Bundesgartenschau in Heilbronn und gestern die Eröffnung der Remstal-Gartenschau: „Damit ist das Gartenjahr perfekt“, sagte der Ministerpräsident. Ihm als Biologen sei solch ein Projekt ein Herzensanliegen, betonte er. „Entdecke die unendlichen Gärten“ – das sei ein ausgezeichnetes Motto in einer Zeit, in der die biologische Vielfalt auf der Erde in großer Gefahr sei.

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