Logo

LKZ-Livestream

Telefonaktion zum Thema Impfen: „Nicht die Impfstoffe, ihre Menge sind das Problem“

Das Hauptproblem ist nicht Astrazeneca. Das Hauptproblem der Impfkampagne im Kreis ist der Mangel an Impfstoff. Das war die zentrale Botschaft unseres Livestreams mit Landrat Dietmar Allgaier, Kreis-Gesundheitsdezernentin Karlin Stark und dem niedergelassenen Arzt Robin Maitra am Mittwochabend.

Klare Ansagen: Robin Maitra, Karlin Strak und Landrat Dietmar Allgaier diskutierten mit Stephan Wolf, dem Leiter der LKZ-Kreisredaktion (von links). Fotos: Andreas Becker
Klare Ansagen: Robin Maitra, Karlin Strak und Landrat Dietmar Allgaier diskutierten mit Stephan Wolf, dem Leiter der LKZ-Kreisredaktion (von links). Foto: Andreas Becker

Kreis Ludwigsburg. „Die Dosen, die wir haben, verimpfen wir auch“, sagt Dietmar Allgaier. Der Landrat macht in der Gesprächsrunde nach einer stark frequentierten Telefonaktion für unsere Leser deutlich, worin er das Haupthindernis für eine wirkungsvolle Bekämpfung der Pandemie sieht: im „eklatanten Mangel“ an Vakzinen. 2500 Menschen könnte das Kreisimpfzentrum (KIZ) jeden Tag impfen, tatsächlich impft es aktuell aber nur 500 bis 700.

Insgesamt sind bis einschließlich Gründonnerstag 38520 Personen im Kreis geimpft worden, 15383 mit dem Impfstoff von Astrazeneca. Die Sorge, durch das britisch-schwedische Vakzin zu Schaden zu kommen, war ein Hauptthema vieler Leserfragen. Gravierende Nebenwirkungen oder gar Hirnvenenthrombosen wurden im Kreis noch nicht beobachtet, beruhigt Dr. Karlin Stark, die Leiterin des Kreis-Gesundheitsamtes. Ihre Botschaft: Das Mittel wirkt und kann über 60-Jährigen in aller Regel unbedenklich geimpft werden.

Auch Dr. Robin Maitra betont die hohe Wirksamkeit des Vakzins bei beherrschbaren Risiken. Die 31 Sinusvenenthrombosen und neun Todesfälle, die mit Astrazeneca in Verbindung gebracht werden, setzt der Art, der in seiner Hemminger Pilotpraxis schon gegen Corona impfen darf, ins Verhältnis zu den 2,8 Millionen Menschen, die bisher mit dem Mittel geimpft wurden. „Das Risiko, durch eine Coronainfektion schwer zu erkranken oder gar zu sterben, ist ungleich höher“, sagt Maitra. „Wir reden zu viel über die Nebenwirkungen von Impfstoffen und zu wenig über die Folgen von Covid-19. Daran sterben die Leute!“ Die Zahlen aus dem Kreis bestätigen ihn: 19523 Infizierten stehen aktuell 425 Tote gegenüber.

Was tun, wenn ich dennoch unsicher bin?

Wer die Chance hat, vor der Impfung seinen Hausarzt zu konsultieren, sollte das tun, rät der Landrat. Fundiert beraten wird man aber auch im KIZ, betont Karlin Stark. Doch dazu müssen Impfberechtigte ihren Termin eben auch wahrnehmen. Nur so könnten Grunderkrankungen ausreichend besprochen und, wenn nötig, Ersatztermine vereinbart werden. Robin Maitra unterstreicht, dass Hirnvenenthrombosen bei gebotener Aufmerksamkeit „gut diagnostizierbar und behandelbar“ seien. Symptome wie „Aussetzer“ und heftige Kopfschmerzen träten bis zu 16 Tage nach der Impfung auf. Wer bereits eine Astrazeneca-Dosis erhalten und nun Angst vor der zweiten Impfung habe, müsse sich nicht unnötig sorgen. Alle bisher Geimpften hätte ausreichend Zeit für die zweite Impfung. „Es ist unnötig, Risiken einzugehen.“

Warum bekomme ich so schwer einen Impftermin?

Landrat Allgaier verweist darauf, dass sowohl die Rufnummer 116117 als auch die Onlinevergabe bundesweit geregelt worden seien. „Wir hätten das gerne übernommen“, sagt er Landrat. Entscheidend für die Probleme auch bei der Terminvergabe sei aber der Mangel an Impfstoff. „Nur wenn wir genug Dosen haben, können wir mehr Termine anbieten!“ Wer einen gebuchten Termin aus belegbar gutem Grund nicht wahrnehmen kann, müsse ihn absagen. Nur so bleibe die Impfberechtigung und damit die Chance auf einen Ersatztermin erhalten. „Eine private Verabredung reicht als Grund nicht aus!“

Was nützen Schnelltests?

„Schnelltestes helfen, asymptomatische Ansteckungen zu erkennen und zu isolieren“, sagt Karlin Stark. Positiv Getestete müssen vorsorglich in Quarantäne, der Befund wird mit einem PCR-Test überprüft. Die schlechte Nachricht: Dabei offenbart sich eine hohe Fehlerquote – bei positiven Tests liege sie im Kreis derzeit bei einem Drittel, sagt Stark. Die beiden guten Nachrichten: Erweist sich ein Test als „falsch positiv“, ist die Quarantäne beendet. Und: Negative Tests sind zuverlässiger und bedeuten so gut wie immer, dass man zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht ansteckend ist.

Warum werden Regelverstöße nicht konsequenter betraft?

„Wir können nicht jeden Verstoß mit der Polizei verfolgen“, sagt Allgaier. Jeder Einzelne trage Verantwortung fürs Infektionsgehen – nur so seien Lockerungen denkbar. „Wenn die Ladentüren wieder zu sind, liegt das an den Leuten, die sich nicht an die Regeln halten!“

Wird der Kreis Modellregion?

„Wir denken intensiv darüber nach, ob wir dem Land einen seriösen, wissenschaftlich begleiteten Modellversuch vorschlagen können“, sagt Allgaier. Allerdings lägen dem Land schon 500 Anträge vor. „Und wir können die Pandemie ja nicht durch lauter Ausnahmen bekämpfen, sondern nur, indem wir die Coronaverordnung umsetzen“, so der Landrat. Tags darauf schafft Stuttgart Klarheit: Weitere Modellversuche wird es in Baden-Württemberg aufgrund der steigenden Infektionszahlen vorerst nicht geben.

Info: Bei unserem Livestream sind leider technische Probleme aufgetreten. In guter Tonqualität ist er deshalb erst ab Minute 22 auf www.lkz.de/impulse zu sehen.

Autor: