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Erdgasleitung

Trasse führt durch die Weinberge

Das Unternehmen Terranets bw baut eine weitere Gasleitung, die auch wieder durch den Landkreis Ludwigsburg führen wird. Der erste Abschnitt reicht von Löchgau bis Heilbronn. Gerade auf Löchgauer Markung gibt es einige Herausforderungen bei der Leitungsführung, auch weil die Trasse durch ökologisch wertvolle Gebiete und schwieriges Gelände geht.

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Löchgau. Die Erdgasleitung der Terranets bw beschäftigt die Löchgauer schon einige Zeit. Mehrmals waren Vertreter des Unternehmens vor Ort, stellten die Pläne vor und nahmen Änderungswünsche auf. Dabei ging es stets um die Neckar-Enztal-Leitung, die von Wiernsheim durch den Landkreis bis nach Löchgau führt. Hier läuft aktuell das Planfeststellungsverfahren beim Regierungspräsidium Stuttgart, zur Heizperiode 2021/22 soll die Leitung in Betrieb sein.

Am Donnerstagabend ging es im Löchgauer Gemeinderat nun um eine zweite Pipeline, die Süddeutsche Erdgasleitung (SEL), die an die Neckar-Enztal-Leitung anschließt und zunächst nach Norden verläuft. Sie führt 24 Kilometer über Löchgau, Erligheim und Bönnigheim weiter Richtung Heilbronn. Die Pläne dazu liegen bereits vor, Terranets bw hat diese vom Unternehmen Open Grid Europe übernommen. Auch die Streckenführung ist bereits genehmigt (wir berichteten). Das spart Zeit, weil die aufwendigen Beteiligungsverfahren bereits zum größten Teil abgeschlossen sind. Schon Ende 2024 soll die SEL-Leitung in Betrieb gehen.

Ein 2,5 Kilometer langer Abschnitt wird dabei über die Löchgauer Markung führen. Die Details dazu stellten Projektleiter Christoph Kröhnert und Rebecca Penno, die Leiterin der Unternehmenskommunikation, vor. Die Trasse führt demnach östlich an Löchgau vorbei durch Streuobstwiesen, quert die Landesstraße Richtung Besigheim, geht weiter ins Steinbachtal, durch die Weinberge und schließlich entlang der Walheimer Markungsgrenze Richtung Erligheim. Besonders schwierig werde es, die Leitung im Steinbachtal mit seinem felsigen Untergrund zu verlegen, sagte Kröhnert. „Es wird die größte Herausforderung, wie wir das baulich umsetzen.“ Zweiter Knackpunkt seien die Weinberge. „Wir stellen die Weinbergmauern so wieder her, wie wir sie vorgefunden haben, möglicherweise sogar besser“, versprach Kröhnert. Auf jeden Fall könne dort wieder Wein angebaut werden. Die Querung der Landesstraße sei nicht allzu schwierig. Die Leitung werde unterirdisch verlegt, die Straße deshalb nicht gesperrt.

Die Löchgauer Gemeinderäte nahmen die Planungen zu Kenntnis, äußerten aber auch Kritik. „Es führen schon genug Trassen über unsere Markung, warum müssen wir jetzt noch eine neue aufmachen?“, fragte Heinz Schneider (FWL). Gerade bei den Landwirten im Ort sei das Projekt umstritten. Die Trasse sei notwendig und bereits seit zehn Jahren genehmigt, machte Kröhnert klar und verwies zudem auf die anfänglichen Ausführungen seiner Kollegin. Die Nachfrage nach Transportkapazitäten für Gas steige seit Jahren, hatte Rebecca Penno erklärt. Bis 2030 rechne man mit einer weiteren Steigerung um 30 Prozent. „Wir bauen unser Netz aus, um eine sichere Energieversorgung auch bei steigender Nachfrage zu gewährleisten.“

Um die jetzt grundstücksgenau festgelegte Trasse realisieren zu können, startet Terranets bw demnächst die Verhandlungen mit den Eigentümern und Bewirtschaftern. Dabei geht es um Wege- und Leitungsrechte. Doch was passiere, wenn diese nicht verkaufen wollten?, hakte Heinz Schneider nach. „Wir hoffen sehr, dass wir auf Zustimmung bei den Eigentümern stoßen“, erwiderte Kröhnert. Man werde auf jeden Einzelnen zugehen und über Entschädigungen verhandeln. Bisher habe man immer eine gute Lösung gefunden. Er betonte aber auch: „Wir werden die Leitung auf jeden Fall realisieren!“

Oliver Siegel (FWL) und Werner Rammig (SPD) kamen auf die Entschädigungen für die Landwirte zu sprechen. Denn um die Leitung zu verlegen, wird ein zehn Meter breiter Schutzstreifen angelegt, auf dem keine baulichen Anlagen errichtet werden dürfen. Außerdem ist ein 34 Meter breiter Arbeitsstreifen nötig, den die Landwirte nach Abschluss der Arbeiten aber wieder bewirtschaften können.

Man werde mit dem Landesbauernverband über die Höhe der Entschädigungen für Ernteausfälle verhandeln, sagte Kröhnert. Außerdem komme man bis zu drei Jahre für Folgeschäden auf. „Wir haben kein Interesse daran, im Streit auseinanderzugehen.“ Robert Fiesel (SPD) wollte wissen, wie vorausschauend die Planungen sind, „nicht dass wir die Leitung in 20 Jahren wieder öffnen müssen“. Sie würde so konzipiert, dass später auch Wasserstoff transportiert werden könne, erläuterte der Projektleiter mit Blick auf die Energiewende.

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