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SChäferlauf

Trio nimmt Kulturerbe-Siegel ins Visier

Der Plan der Schäferlaufstädte Markgröningen, Bad Urach und Wildberg, Kulturerbe zu werden, wird konkret. Gestern haben die Rathauschefs ihre Bewerbung auf den Weg gebracht. Doch im Rennen um das Gütesiegel sind sie nicht allein.

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Das volle Programm: Die Schäferlaufstädte Markgröningen, Bad Urach und Wildberg unterzeichnen ihren Antrag um Aufnahme in das bundesweite Unesco-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes. Schäfertanzpaare präsentieren dazu die Schäferkronen und Zunftfahnen. Foto: Holm Wolschendorf

Markgröningen. Auf ihrem Weg in den stuckbesetzten Ratssaal kommen die Bürgermeister der Schäferlaufstädte Markgröningen, Bad Urach und Wildberg am Mittwoch an Annemarie Griesingers Büste vorbei. Die Markgröningerin war 1972 die erste Frau im Kabinett des Landes Baden-Württemberg und sieht jetzt so aus, als würde sie ihnen gütig zunicken. Im Saal halten drei junge Frauen in Tracht die Kronen der Schäferlaufstädte vor sich. Drei Markgröninger Schäfertänzer präsentieren die Zunftfahnen der drei Kommunen.

Dann besiegelt Markgröningens Bürgermeister Rudolf Kürner das, was er „einen historischen Meilenstein“ nennt. Er greift zu einem Füllfederhalter, den sein Vorgänger Heinrich Vogel Ende der 80er Jahre zum Andenken an die Partnerschaft mit der französischen Kommune St. Martin de Crau angeschafft hat, und setzt seine Unterschrift unter eine 16-seitige Bewerbung. Damit wollen Markgröningen, Bad Urach und Wildberg mit ihren Schäferläufen in einen illustren Zirkel aufgenommen werden – und zwar in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Unesco, in dem sich derzeit 68 Kulturformen wie die schwäbisch-alemannische Fastnacht oder die Dinkelsbühler Kinderzeche befinden.

Der Optimismus, im kommenden Frühjahr auch zum Zug zu kommen, ist in den Schäferlaufkommunen groß. „Was unsere Bewerbung speziell macht“, so der Uracher Bürgermeister Elmar Rebmann, „ist, dass sich hier drei Partner zusammentun, die die gleichen Dinge denken und leben.“ Rebmann hat auf der Schwäbischen Alb Erfahrungen mit der Unesco gemacht. Die Eiszeithöhlen oder das Biospährengebiet aus Streuobstwiesen, Wachholderheiden und Buchenwäldern sind bereits berücksichtigt. „Die Labels haben dafür gesorgt, dass unsere Region bekannter geworden ist“, sagt Rebmann. „Mit den Schäferläufen wollen wir jetzt noch einen draufsetzen.“

Als Joker spielt die Markgröninger Stadthistorikerin Petra Schad die internationale Karte. Seit Jahrzehnten ist die Kommune eng mit St. Martin de Crau in der Provence verbandelt. Die Crau muss man sich als steppenähnliches Gebiet vorstellen, auf dem die Schäferei eine gewichtige Rolle spielt. Von ihren deutschen Partnern haben sich die Franzosen zudem das Leistungshüten abgeschaut. „Das gibt unserer Bewerbung eine europäische Dimension“, sagt Schad.

Den großen finanziellen Reibach erwarten sich die Schäferlaufstädte nach einer erfolgreichen Kulturerbe-Bewerbung offenbar nicht. „Es geht hier nicht um materielle Fragen“, sagte der Wildberger Schäferlaufexperte Eberhard Fiedler gestern in Markgröningen, „sondern um ein Gütesiegel für ein Fest, das wir mit Liebe und Lust ausfüllen und weiterentwickeln wollen.“ Den Kommunen winken neue Einträge auf Briefbögen und womöglich verkürzte Wege an Fördertöpfe.

Dass der Schäferlauf nicht von alleine funktioniert, konnten Markgröninger, Uracher und Wildberger in der Vergangenheit in Heidenheim beobachten, wo das Heimatfest gestorben ist. Markgröningen muss jedes Jahr 300 000 Euro zusätzlich für das Spektakel aufbringen. „Wir müssen mit der Zeit gehen und können nicht alles gleich lassen“, sagt Kürner. In seiner Stadt ist längst eine Arbeitsgruppe am Start, die an Veränderungen arbeitet. „Wir gehen allerdings sehr behutsam vor“, so der Bürgermeister.

Die Aufnahme in das bundesweite Unesco-Kulturerbeverzeichnis ist für Kürner der erste Schritt. „Wenn die nationale Hürde genommen ist, geht unser Blick weiter“, sagt der Markgröninger Rathauschef. Schließlich führt die Unesco auch eine weltweite Liste, in der etwa der argentinische Tango oder das belgische Bier vertreten sind. „Ich weiß, dass die Hürden dann ganz hoch werden. Aber das wäre unser Traum schlechthin.“