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Bilanz

Trumpf kommt gut durch die Krise

Ditzinger Maschinenbauer kann im Corona-Geschäftsjahr Umsatz steigern – Auftragseingang steigt auf 3,9 Milliarden Euro

Ein Laser schneidet im Ditzinger Besucherzentrum des Maschinenbauers Trumpf ein Blech. Foto: Marijan Murat/dpa
Ein Laser schneidet im Ditzinger Besucherzentrum des Maschinenbauers Trumpf ein Blech. Foto: Marijan Murat/dpa

Ditzingen. Das Wort „draußen“ hat für Nicola Kammüller nichts mit „ausgeschlossen sein“ zu tun. Mit diesem Motto hat die Vorsitzende der Geschäftsleitung beim Ditzinger Laserspezialisten Trumpf bei der Bilanzvorlage ihre Service-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter in aller Welt gewürdigt, die während des Corona-Geschäftsjahres 2020/21 „wirklich Unglaubliches geleistet haben“, unter erschwerten Bedingungen „hinsichtlich Einreiseverboten, Visa-Bürokratie, langen Quarantäne-Zeiten, stark eingeschränktem Komfort in Hotels und Pensionen“. Man spreche über den Außendienst generell nur sehr selten, obwohl der für Trumpf ökonomisch doppelt wichtig sei. „Denn die erste Maschine verkauft der Vertrieb, sagt man, die zweite aber der Service“, betonte Leibinger-Kammüller. Die Außendienstmitarbeiter hätten für das Hochtechnologieunternehmen in den besonders kritischen Corona-Monaten „die Kohlen aus dem Feuer geholt“.

Das Ergebnis lässt sich sehen: Der Umsatz der Trumpf-Gruppe stieg im Geschäftsjahr, das im Juli endete, trotz aller Corona-Einschränkungen sogar leicht um 0,5 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Im Jahr vor der Pandemie waren es 3,48 Milliarden Euro. Noch positiver sei die zweite Kenngröße. „Mit einem Auftragseingang von 3,9 Milliarden Euro gelang es Trumpf, sowohl das Vorjahres- als auch das Vorkrisenniveau mit einem Plus von 19,7 Prozent signifikant zu übertreffen“, sagte Leibinger-Kammüller. Auch das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) habe sich mit 370 Millionen Euro sehr positiv entwickelt. Gegenüber dem Geschäftsjahr 2019/20 (309 Millionen Euro) stieg es um 19,5 Prozent. „Wir konnten sogar das Vor-Corona-Niveau von 349 Millionen Euro übertreffen“, betonte Leibinger-Kammüller, „was ein großartiger Erfolg der Trumpf-Belegschaft ist.“ Der Nettogewinn des Laserspezialisten stieg von 192 auf rund 237 Millionen Euro.

Im ersten Halbjahr konnte Trumpf dabei das Ergebnis trotz niedrigem Umsatzniveau durch die Steigerung der Produktivität, die Veränderung des Produktmixes sowie Einsparungen bei Sachkosten stabilisieren. Im zweiten Halbjahr legte das Ergebnis durch den höheren Umsatz deutlich zu. Auch aufgrund seiner Investitionszurückhaltung erzielte das Ditzinger Unternehmen, das 145 Millionen Euro (minus 25,2 Prozent) investierte, eine Ebit-Rendite von 10,5 Prozent (Vorjahr: 8,9 Prozent). „Dank eines konsequenten Krisenmanagements ist Trumpf gut durch die Pandemie gekommen“, betont Leibinger-Kammüller, die Vorsitzende der Gruppengeschäftsführung. „Infolge der stark anziehenden Nachfrage sind wir mit einem unerwartet hohen Auftragseingang ins Geschäftsjahr 2021/22 gestartet.“ Im ersten Quartal verzeichnete Trumpf Auftragseingänge von 1,2 Milliarden Euro. Der Umsatz sei mit 964 Millionen Euro 27 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Dennoch blickt sie trotz gut gefüllter Auftragsbücher mit Vorsicht in die Zukunft. „Für allzu großen Optimismus ist es noch zu früh, zumal uns Corona ebenso wie die Situation bei den Chips täglich vor Augen führen, dass sich die Dinge schlagartig ändern können“, sagte Leibinger-Kammüller. „Für die nächsten Monate bleibt die große Unsicherheit bestehen, wie sich die Engpässe in den globalen Lieferketten bei Chips, die Inflation, die steigenden Energiepreise und ihr Effekt auf die Transportkosten und -kapazitäten auswirken.“

Auch die Mitarbeiterzahl hat im Coronajahr 2020/21 weltweit um 3,1 Prozent auf 14767 zugelegt. Davon sind 7602 (plus 2,2 Prozent) in Deutschland tätig. In Ditzingen arbeiten am Stammsitz 4400 Beschäftigte, mehr als ein Drittel aller Trumpf-Leute weltweit. „Mittlerweile konnten wir sogar den 15000. Mitarbeiter bei Trumpf begrüßen“, sagte Leibinger-Kammüller. Zudem absolvierten 517 junge Menschen eine Ausbildung oder ein Studium an der Dualen Hochschule. Die Ausbildungsquote lag damit bei 3,6 Prozent auf Vorjahresniveau.

Wie viele Unternehmen nutzte auch Trumpf das Instrument der Kurzarbeit. Zwischen Juli und September 2020 lag die Kurzarbeitsquote bei 30 Prozent, im letzten Quartal 2020 bei 18 Prozent. Seit Januar nutzt Trumpf die Kurzarbeit nicht mehr.

Deutschland bleibt mit 579 Millionen Euro Umsatz (minus 5,3 Prozent) immer noch der größte Einzelmarkt, dicht gefolgt vom größten asiatischen Einzelmarkt China, das nur rund 50 Millionen Euro dahinter liegt. Dort stieg der Umsatz nach einem schwachen Vorjahr um 50,7 Prozent auf 525 Millionen Euro. Drittgrößter Markt waren die USA mit 485 Millionen Euro, auf dem vierten Rang folgen die Niederlande als größter europäischer Einzelmarkt mit 460 Millionen Euro. Der Umsatzanteil Asiens stieg auf 27 Prozent, der Umsatzanteil Deutschlands sank auf 16,5 Prozent.

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