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Nahverkehr

Uber erzürnt Taxifahrer

Branchenverband in Stuttgart sammelt vermeintliche Rechtsverstöße – Umsatzeinbußen

Fahrdienstleistungen lassen sich im Großraum Stuttgart über Uber buchen. Foto: Jürgen Schmidt
Fahrdienstleistungen lassen sich im Großraum Stuttgart über Uber buchen. Foto: Jürgen Schmidt

Stuttgart/Ludwigsburg. Für Menschen in Stuttgart und Umgebung ist es durchaus eine Option, um rasch ein paar Kilometer, ohne das eigene Auto zurückzulegen. Der Fahrdienstleister Uber bietet seit einem Monat auch in der Region seine Dienste an. Eine Fahrt mit einem über die App des US-Unternehmens bestellten Autos ist zwar teurer als der öffentliche Nahverkehr aber rund ein Drittel billiger als die Fahrt mit einem klassischen Taxi.

Wer eine nicht allzu komplizierte App bedienen kann und über eine Kreditkarte oder ein Paypal-Konto verfügt, kann den US-amerikanischen Fahrdienstleister durchaus als Alternative zum Taxi sehen, auch wenn Uber das gar nicht sein will. „Wir sehen uns als Ergänzung zum Nahverkehr, etwa für die letzte Meile zum U- oder S-Bahnhof und nicht als Konkurrenz zum Taxi“, sagt Tobias Fröhlich, Sprecher von Uber in Deutschland.

Das heimische Taxigewerbe sieht das jedoch ganz anders. Seit Uber in Stuttgart gestartet ist, hätten die heimischen Unternehmen rund 15 Prozent an Umsatz eingebüßt, sagt Iordanis Georgiadis, Vorstand und Sprecher des Stuttgarter Taxiverbandes. Ein Teil des Rückgangs könne zwar auch mit der momentanen Konjunkturschwäche zusammenhängen, sagt er. Dass die Taxiunternehmen durch Uber Fahrgäste verlieren, steht jedoch für den Sprecher des Taxiverbands fest.

Noch kaum Einbußen in Ludwigsburg

Im Landkreis Ludwigsburg, in dem Uber ebenso wie in der Landeshauptstadt Fahrten vermittelt, betrachtet man die Entwicklung noch etwas zurückhaltender. „Bis jetzt merken wir noch nicht so viel, sagt Allah Nour Hashemi, Taxiunternehmer aus Tamm und Vorstand der Ludwigsburger Taxizentrale.

Längerfristig erwartet man dort allerdings auch, dass sich die Konkurrenz von Uber bemerkbar macht. „Das wird nicht ohne Wirkung bleiben“, meint Hashemis Vorstandskollege Mehran Saghdoshpey. In welchem Umfang Uber der heimischen Taxibranche zusetze, werde man aber wohl erst in einem Jahr richtig beurteilen können. Ob sich Angebote, die deutlich unter dem Taxitarif liegen, allerdings dauerhaft halten könne, bezweifelt Saghdoshpey.

Für Uber ist das Geschäft in den ersten Wochen im Großraum Stuttgart offenbar gut gelaufen. „Wir sind sehr zufrieden“, erklärt Unternehmenssprecher Fröhlich. Wie viele Fahrgäste bisher befördert wurden, gibt er allerdings nicht preis. Und auch auf die Frage nach der Zahl der Autos, die für Uber in der Landeshauptstadt und ihrem Umland unterwegs sind, gibt es keine Antwort.

Die liefert der Taxiverband. Man habe 69 Autos gezählt, von denen kein einziges in Stuttgart selbst zugelassen sei, berichtet Georgiadis. 37 Autos tragen Waiblinger Kennzeichen, zwei Ludwigsburger, nennt er als Beispiele. Und sogar aus den Kreisen Heilbronn und Calw seien Fahrzeuge im Einsatz. Für die Taxibranche ist das von Bedeutung, weil die über Uber in Deutschland vermittelten Fahrzeuge nach dem Personenbeförderungsgesetz Mietwagen mit Fahrer sind. Die müssen nach Abschluss einer Fahrt normalerweise zu ihrem Betriebssitz zurückkehren. Wenn das Mietwagenunternehmen aber seinen Sitz im Rems-Murr-Kreis hat oder sogar in Heilbronn oder Calw, ist das eher unwahrscheinlich, meint man beim Taxiverband. Der sammelt deshalb Hinweise über Verstöße gegen das Personenbeförderungsgesetz und gibt sie an das Amt für öffentliche Ordnung weiter.

Dort sind bislang schon 73 Hinweise auf mögliche Rechtsverstöße von Uber-Fahrern eingegangen, wie ein Stadtsprecher bestätigt. „Ob und welche Verstöße ermittelt werden und welche Sanktionsmöglichkeiten sich dann daraus ergeben werden, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden“, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Bußgelder wurden bislang noch nicht verhängt.

Uber-Fahrer beklagen Übergriffe

Die Ermittlungen sind für die Ordnungsbehörden nicht ganz einfach. Denn die Prüfungskompetenz gegenüber den Mietwagenunternehmen liegt bei der örtlich zuständigen Behörde, also in den Kreisen oder Städten, in denen die Uber-Partner ihren Sitz haben.

Der Rechtsweg wird aber auch von der anderen Seite bemüht. Man habe zehn Fälle registriert, in denen Fahrer, die für den Fahrtdienstleister tätig sind, von Taxifahrern angepöbelt oder sogar geschubst wurden, sagt Tobias Fröhlich. Den Betroffenen und ihren Unternehmen habe man geraten, Anzeige zu erstatten, sagt der Uber-Sprecher.

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