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Kreis Ludwigsburg

Über 250 Bäume werden an den Straßen gefällt

Jetzt geht es wieder los: In den kommenden Tagen rücken die Baumpfleger des Landkreises aus und fällen vorwiegend kranke Bäume, die eine Gefahr für die Sicherheit im Straßenverkehr darstellen. Rund 250 Bäume werden der Motorsäge zum Opfer fallen. Die Aktion ist umstritten.

Im Kreis Ludwigsburg werden wieder zahlreiche Bäume gefällt. Archivbild: Alfred Drossel
Im Kreis Ludwigsburg werden wieder zahlreiche Bäume gefällt. Archivbild: Alfred Drossel

Kreis Ludwigsburg. Georg Hueber kennt die Pflanzenwelt wie kaum ein anderer. Der Baumkontrolleur des Landratsamtes geht zweimal im Jahr durch die Landschaft, die vom Kreis gepflegt wird. 30.000 Quadratmeter an Straßen und Grundstücken wollen begutachtet werden. Dabei gilt es, kranke Bäume zu identifizieren und auch den sogenannten „Zukunftsbäumen“ Luft zu verschaffen, damit sie stabil wachsen können.

Besonders zwei Krankheiten machen den Bäumen zu schaffen: Neben dem seit einigen Jahren grassierenden Eschentriebsterben verursacht die ebenfalls durch Pilzsporen hervorgerufene Rußrindenkrankheit seit der Trockenperiode 2018 schwere Schäden an Ahornen. Diese Schäden stellen sowohl den Forst als auch den Straßenbetriebsdienst vor große Herausforderungen. „Beide Infektionen führen zu einem völligen Absterben der befallenen Bäume, was zu einem hohen Risiko von Ast- und Stammbruch führt und damit vor allem an Wegen eine hohe Gefährdung von Fußgängern und Autofahrern darstellt“, so Hueber.

Die Pflegearbeiten dürfen nach dem Bundesnaturschutzgebiet vom 1..Oktober bis zum 29..Februar ausgeführt werden. In diesem Zeitraum pflegt die Straßenbauverwaltung die Hecken, die zu hoch gewachsen sind, die Sicht behindern oder in die Fahrbahn hineinragen. „Es geht darum, dass Autofahrer die Fahrbahn richtig sehen können, beim Abbiegen die Sicht nicht behindert ist und Lastwagen nicht an Ästen hängen bleiben“, erklärt Thomas Walz, Fachbereichsleiter Straßen im Landratsamt.

Hueber hat rund 250 Bäume ausgemacht, die eine Gefahr für den Straßenverkehr sind. „Schwerpunkte sind in diesem Jahr entlang der B 10 zwischen Stuttgart und Vaihingen, auf der B 295 zwischen Stuttgart und Ditzingen, sowie in Vaihingen, Sachsenheim, Unterriexingen und Remseck-Aldingen.“ Mit den Fällungen sind Landschaftspflegefirmen beauftragt worden.

Aber nicht nur die Sicherung der Straßen ist eine Aufgabe des Landkreises. „Wir müssen auch dafür sorgen, dass gesunde Bäume eine Chance haben, sich gut zu entwickeln“, erklärt Hueber. In den 80er Jahren seien sehr viele Bäume gepflanzt worden. Das sei auf Kosten der Qualität geschehen. „Wir brauchen an den Straßen stabile Exemplare, nicht lange und dünne, die bei einem Sturm schnell umknicken“, so Hueber. „Selektive Bestandspflege“ heißt das im Fachjargon. Hierbei werden Einzelbäume durch das Entfernen der Nachbarpflanzen gefördert. In den dabei entstehenden kahlen Zwischenräumen kann sich so eine neue Pflanzengeneration entwickeln. „Was manchmal wie ein radikaler Kahlschlag wirken mag, dient den Pflanzen als lebenserhaltende und verjüngende Pflege, von der sie sich rasch wieder erholen“, so Hueber. Durch das abschnittsweise Vorgehen hätten Kleintiere und Insekten die Möglichkeit, sich auf die neue Situation einzustellen.

Nature-Life-Präsident Claus-Peter Hutter versteht zwar, dass die Gehölze gepflegt werden müssen, kritisiert aber, dass häufig zu radikal vorgegangen werde. „Wir dürfen hier nicht total zurückschneiden“, beklagt Hutter. Sein Kollege Conrad Fink sieht das Vorgehen des Landratsamtes noch kritischer. „Verkehrssicherheit ja, aber mit Au-genmaß“, fordert der Baumexperte des BUND im Kreis Ludwigsburg. Prophylaktische Fällungen, um Geld zu sparen, seien nicht tolerierbar. Es sollte in jeden Fall durch Fachfirmen geprüft werden, ob die Bäume erhalten werden können. Der Baumbestand auf verkehrsbegleitenden Flächen müsse zunehmen und dürfe nicht vermindert werden. Dies sei unter Aspekten des Klimaschutzes, der Luftreinhaltung und der Erhaltung der Biodiversität unabdingbar.

Ein gleichbleibender Bestand an Altbäumen und Hecken müsse garantiert werden, so Fink. „Da muss mit Wildpflanzen oder Obstsorten nachgepflanzt werden. Wir werden genau beobachten, wie die Baumfällungen in diesem Jahr ablaufen.“

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