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Verein macht mobil gegen Brückenbau

Heftige Kritik an den möglichen Plänen für die Westrandbrücke – „Wir sind die einzige Kommune, die sich den Verkehr in die Stadt holt“

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Die in einer Linie angebrachten Ballons markieren den Straßenverlauf auf einem Damm, die beiden darüber schwebenden das Brückenbauwerk. So stellt der Verein „Wir für morgen“ die Westrandbrücke unterhalb des Schlossbergs dar, die er als „monströses Bauwerk“ ablehnt.Foto: Holm Wolschendorf

remseck. Große, blaue Luftballons schwebten am Wochenende über der Ackerfläche an der Fellbacher Straße unterhalb des Wohngebietes Schlossberg. Sie markierten die Umrisse der möglichen Westrandbrücke. Für die Mitglieder des Vereins „Wir für morgen“ handelt es sich dabei um ein „monströses“ Bauwerk, dessen Bau sie an dieser Stelle, nämlich in der Neuen Mitte, verhindern wollen. Mit Blick auf den Oberbürgermeister ist von einem Schönberger-Knoten die Rede.

An dem Infostand an der Fellbacher Straße hatten sich bei mildem Herbstwetter zahlreiche Interessierte eingefunden, um sich über dieses Projekt zu informieren. Das hat die Stadtverwaltung aus Sicht der Vereinsmitglieder bisher nicht in ausreichendem Maße getan. Angeblich gebe es bislang keine Pläne, außer einer Strichzeichnung, erzählte Vereinsmitglied Martin Frey. „Wir haben den Entwurf bekommen“, erzählte er – ohne allerdings die Quelle preiszugeben. Demnach gebe es zwei Varianten, sowohl für einen vier- als auch einen sechsspurigen Ausbau.

„Die Ballone sind in der Höhe, auf der sich später die Fahrbahnen befinden könnten“, zeigte Frey auf die blauen Marker, die in rund sechs Metern Höhe über der Ackerfläche schwebten. Für die Zufahrtsstraße müsse nämlich ein Damm errichtet werden. Weitaus höher wäre die Brückenkonstruktion, die sich später einmal über den Neckar spannen könnte. Allein um die Stadtbahn unterhalb der Brücke führen zu können, sei eine Mindesthöhe von 5,50 Metern erforderlich. Die Brücke werde schließlich in einer Höhe von acht Metern über die bestehende Landesstraße 1100 führen.

Mit Flatterband hatten die Vereinsmitglieder außerdem die mögliche Trassenführung auf der Fläche markiert, die landwirtschaftlich genutzt wird. Der einzige Weg, der bislang dort durchführt, ist ein Radweg. Der Plan und die daraus resultierenden Visualisierungen waren auf eine Fläche von 2,50 auf drei Meter vergrößert worden, um einen Blick in eine mögliche städtebauliche Zukunft werfen zu können. Die Stellwände waren dicht von Interessierten umringt.

Es würde nicht nur beim Bau der Westrandbrücke bleiben, vielmehr müssten Zubringerstraßen angelegt werden, so die Gegner des Projektes. Die Ausmaße seien beträchtlich, da Höhenunterschiede überwunden werden müssten. Der Blick auf den Plan erinnert an ein Autobahnkreuz. Sechs bis acht Hektar Fläche würden für den Straßenbau verbraucht, kritisieren die Mitglieder von „Wir für morgen“. Wichtige Grünflächen, die im Flächennutzungsplan als Frischluftkorridor ausgewiesen seien, würden zerstört.

Der Sportplatz an der Gemeindehalle in Neckargröningen müsste sogar für eine Auffahrt weichen. Das Haus der Jugend an der Meslay-du-Maine-Straße würde sich isoliert inmitten dieses Straßennetzes befinden, so Frey. „Seit zehn Jahren gibt es eine Bürgerbeteiligung, trotzdem wissen die wenigsten Remsecker Bescheid“, schilderte er seine Erfahrungen. Man müsse ihnen – auch durch umfassende Informationen – die Möglichkeit bieten, entscheiden zu können. „Wir für morgen“ will sich deshalb für einen Bürgerentscheid einsetzen.

„Wir sind die einzige Gemeinde in Baden-Württemberg, die den Verkehr in die Innenstadt holt anstatt die Autos außen herum zu führen“, übte Dietrich Schreiner, Vorsitzender von „Wir für Morgen“ Kritik an dem derzeit favorisierten Standort für die Westrandbrücke. Das Bauwerk selbst werde über den Charakter der Chinesischen Mauer verfügen und das gesamte Remstal blockieren. Außerdem könne sie sich zu einem Magneten für den Schwerlastverkehr entwickeln. „Wir für Morgen“ lehnt zwar die Westrandbrücke ab, befürwortet aber den Bau des Nordostrings in einer umweltfreundlichen Variante.

Dietrich Schreiner kündigte mehrere Infoveranstaltungen an, bei denen die Gegner der Westrandbrücke Alternativen präsentieren wollen. Eine sieht den Brückenschlag auf Höhe des Baumarktes Hornbach sowie eine Verkehrsführung vor, die wie ein Ring um Neckarrems, Aldingen und Neckargröningen herum führt.