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Verkehrsminister Winfried Hermann verteidigt die Streichung der Halte auf der Frankenbahn

Verkehrsminister Winfried Hermann hat beim Online-Stammtisch des Grünen-Landtagskandidaten Tayfun Tok die Streichung der Halte auf der Frankenbahn verteidigt.

Der Streit um die Frankenbahn hält an. Archivfoto: Alfred Drossel
Der Streit um die Frankenbahn hält an. Foto: Alfred Drossel
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Kreis Ludwigsburg. Er hat sich in die Höhle des Löwen getraut – zumindest virtuell. Denn beim letzten Online-Stammtisch vor der Landtagswahl schaltet sich der Verkehrsminister ausgerechnet in den Wahlkreis ein, der vom Streit um die Frankenbahn besonders betroffen ist. Und Hermann geht gleich in die Offensive. „Nur weil ein Halt gestrichen wurde“, sagt der Verkehrsminister, „sind die Orte doch nicht abgehängt.“ Kirchheim, Besigheim und Walheim hätten nur nicht den Zugang zu den Schnellzügen, die für Pendler aus den großen Kommunen so wichtig seien. Es sei aber ein Wunsch der Städte gewesen, auch Schnellverbindungen zu schaffen. Dabei könnten nicht alle Ortschaften angesteuert werden. „Sonst ist es ja keine Schnellverbindung“, so Hermann. Dieser Kompromiss sei mit der CDU ausgehandelt worden. „Aber kaum war man aus dem Zimmer, ist mit diesem Thema Wahlkampf gemacht worden“, beklagt der Minister. „Wir machen damit ein gutes Angebot an die Region“, ist Hermann überzeugt. Außerdem forderte er seine Kritiker aus den Reihen der CDU auf, „ehrlich mit der Situation umzugehen“. Anfang Februar habe es im Verkehrsministerium ein Gespräch mit den Bürgermeistern aus dem nördlichen Landkreis gegeben, die die Onlinepetition zum Erhalt der Zughalte auf der Frankenbahn unterschrieben hatten. Man habe dabei einen Kompromiss gefunden, der von allen akzeptiert worden sei.

„Der Ministerpräsident kann sich auch nicht mit allen Fahrplänen auseinandersetzen“, sagte Hermann in Richtung seiner Kritiker. Deshalb habe er auf das erneute Schreiben der Online-Petitionäre geantwortet. Es habe bislang keine Schnellzüge auf der Strecke zwischen 5 und 8.30 Uhr gegeben. Da habe man handeln müssen. „Zwei Züge, die an allen Stationen halten, bleiben aber erhalten.“

Bei der Bottwartalbahn stärkte der Minister den Anhängern der Reaktivierung den Rücken. Eine Analyse hatte der Strecke ein hohes Fahrgastpotenzial bescheinigt. „Wenn das Potenzial so hoch ist, wäre es ein Jammer, wenn man die Reaktivierung nicht hinbekommen würde“, sagte Hermann. Man dürfe vor dem Hintergrund der Klimakrise da nicht lockerlassen. Der Minister fordert vom Bund neue Bewertungskriterien für die Förderung einer solchen Strecke. Man sei sich mit Berlin über eine Erneuerung der standardisierten Bewertung zwar seit drei Jahren einig. Getan habe sich aber noch nichts.

Hans-Joachim Knupfer von der Bürgeraktion Bottwartalbahn beklagt, dass sich die Reaktivierung schwer gestalte, nachdem keine Schienen mehr verlegt seien und auch das Bahnrecht nicht mehr gelte. Trotzdem forderte Hermann die Anhänger der Bottwartalbahn auf, nicht lockerzulassen. Dazu bot er auch die Hilfe des Verkehrsministeriums und der landeseigenen Nahverkehrsgesellschaft an.

Knupfer hofft, dass das Projekt als Straßenbahn und nicht als Eisenbahn auf die Schiene gesetzt werden kann. Dadurch würden nach Auskunft des Verkehrsministers die hohen Standards gesenkt. Außerdem sei die Förderung vom Land nicht nur auf die Infrastruktur, sondern auch auf den Betrieb ausgeweitet worden. Da wären die Kommunen dann gar nicht gefordert.

Steinheims Bürgermeister Thomas Winterhalter, der wie Marbachs Schultes Jan Trost an der virtuellen Veranstaltung teilnahm, legte ein klares Bekenntnis zur Bottwartalbahn ab. „Alle Kommunen in den Kreisen Ludwigsburg und Heilbronn stehen hinter dem Projekt“, ist er sich sicher. Die Versicherung des Ministers, dass die Betriebskosten ebenfalls vom Land übernommen werden könnten, bestärkten ihn darin.

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