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Kommunalpolitik

Verzettelt bei der OB-Kandidatur

Der Rückzug von Günther Kirchknopf für das Oberbürgermeisteramt sorgt für eine Kuriosität auf dem Wahlzettel. Dennoch wäre der Bewerber froh über Stimmen.

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Foto: privat

Bietigheim-Bissingen. Lange Zeit hatte es so ausgesehen, als würde auf dem Stimmzettel für die Wahl des Oberbürgermeisters am 8. März nur der Name von Amtsinhaber Jürgen Kessing stehen. Vor einer Woche dann meldete sich Stephan Muck als Gegenkandidat, Wengerter und Wirt und seit vielen Jahren Stadtrat, zunächst für die GAL, nun für die Freien Wähler. Und am Montag dann, kurz vor Bewerbungsschluss, gab der Unternehmer Günther Kirchknopf seine Unterlagen ab – und zog am Donnerstagnachmittag bereits wieder zurück (wir berichteten). Auf dem Stimmzettel werden dennoch drei Namen stehen – auch wenn zum Zeitpunkt des Drucks seine Kandidatur als hinfällig bekannt ist.

„Die Bewerbungsfrist ist die maßgebliche Deadline“, sagte Stadtsprecherin Anette Hochmuth zur Erklärung. Und nachdem Kirchknopf zu diesem Zeitpunkt seine Unterlagen eingereicht hatte, gilt er als wählbarer Kandidat. Anders wäre es gewesen, hätte der Gemeindewahlausschuss, der am Donnerstagabend tagte, seine Unwählbarkeit festgestellt. Dann wäre der Name getilgt worden. „Das mag für viele dann bei der Wahl verwirrend sein. Aber so ist halt leider die Rechtslage“, sagt Hochmuth. Und ohnehin sei es jedem Wähler erlaubt, selbst einen Namen auf den Stimmzettel zu schreiben.

Nun also werden darauf mindestens die drei Namen Kessing, Muck und Kirchknopf auftauchen. „Mit Hochdruck“ arbeite man derzeit an der Organisation der Wahl, so Hochmuth. In der kommenden Woche sollen dann die Briefwahlunterlagen verschickt werden, auch für die Bekanntgabe des Ergebnisses wird alles vorbereitet, dabei setzt man auf Bewährtes, wie die Software und die Bekanntgabe im Ratssaal. Gearbeitet wird aktuell auch für die Vorstellung der Kandidaten am kommenden Montag um 19.30 Uhr im Kronenzentrum – auch kurios: Weil Kirchknopf immer noch als offizieller Bewerber gilt, könnte er daran neben Kessing und Muck teilnehmen, so Hochmuth.

Doch der wird das nicht tun, wohl aber will Kirchknopf als Gast zu dem Termin kommen. Schließlich sei er ein politisch interessierter Mensch. Wenngleich einer, der im Gegensatz zu den beiden anderen keine Rückendeckung einer Partei habe. Das habe er wohl unterschätzt, und dann zu kurzfristig seine Bewerbung abgegeben. Dazu passt auch, dass er die nötige Zahl an Unterstützerunterschriften erst kurz vor Abgabeschluss beisammen hatte. Wenn er sich ein halbes Jahr früher gekümmert hätte, wäre ihm zeitig klar gewesen, ob er ins Rennen geht, sagt Kirchknopf selbstkritisch. Dann hätte er auch vorab prüfen können, ob er Unterstützung von Freunden und Familie bekäme – doch erst nach Abgabe seiner Unterlagen gab es Gespräche. Resultat war dann der Rückzug – auch weil er bei einem Treffen mit seinem Enkel realisiert habe, als OB nicht mehr so viel Zeit für die Familie zu haben. Ihm sei aber auch klar geworden, dass er eh nur Außenseiterchancen gehabt hätte.

Für Kessing sei Gegenwind aber nötig. Nachdem er diesen vor acht Jahren nicht hatte, habe sich das Stadtoberhaupt – trotz einer für ihn blamablen Wahlbeteiligung von 24 Prozent – zurückgelehnt und vielmehr noch andere Aufgaben wie das Leichtathletikamt übernommen, als sich etwa um den Innenstadthandel zu kümmern, erneuerte Kirchknopf seine Kritik am fehlenden Engagement. Trotz seines Rückzugs hofft er, dass nun etwas mehr Aufmerksamkeit auf dieses Thema gerichtet werde. Und dass er vielleicht doch nicht nur drei Stimmen am 8. März bekommt. „Das wäre peinlich. Aber 1000, das wäre ein Zeichen für mein Thema.“

Info: Auch die LKZ veranstaltet eine Podiumsdiskussion mit den Kandidaten, am 26. Februar (Aschermittwoch), 19 Uhr, in der Aurainhalle.

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