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Verzögert archäologischer Fund in Münchingen Vollsortimenter?

Mutmaßliches Merowinger-Grab auf Gelände in Münchingen entdeckt – Formale Grundlagen für Projekt stehen kurz vor Abschluss, Jahre später als geplant

Wo einmal die Bagger für den Komplex mit Supermarkt, Wohnungen und Arztpraxen darüber anrücken, sind derzeit Archäologen zugange. Fotos: Andreas Becker
Wo einmal die Bagger für den Komplex mit Supermarkt, Wohnungen und Arztpraxen darüber anrücken, sind derzeit Archäologen zugange. Foto: Andreas Becker
Das „Kronenstüble“ ist bereits abgerissen.
Das „Kronenstüble“ ist bereits abgerissen.

Korntal-Münchingen. Es war eine „historische Sitzung“, so Bürgermeister Joachim Wolf zur ersten öffentlichen Vorberatung des Ausschusses für Technik und Umwelt von Themen des Gemeinderats. „Historisch“ passte aber auch zu einem Tagesordnungspunkt – wenngleich wohl keiner der Verantwortlichen den Begriff in diesem Fall positiv belegt sehen dürfte. Denn zum einen warten die Münchinger schon sehr lange auf einen Vollsortimenter im Ortskern, und nach vielen Verzögerungen vor allem wegen der benötigten Fläche steht kommende Woche der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan an. Und nun wurde auf dem Gelände auch noch ein merowingisches Gräberfeld entdeckt, informierte Fachbereichsleiter Stefan Wolf. Die Funde aus der Vergangenheit könnten aber den ohnehin schon mehrmals verschobenen Zeitplan ins Wanken geraten lassen, fürchtete der Fachbereichsleiter.

Dabei hatte es bis zu dieser Information ganz gut ausgesehen. Gleich zu Beginn des vergleichsweise schnell abgehandelten Tagesordnungspunktes konnte Wolf verkünden, dass Ende September der Vertrag über den Verkauf der städtischen Fläche beurkundet wurde. Ebenso sei im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung von Bürgern nur eine Stellungnahme eingegangen – weitaus weniger, als nach Diskussionen bei Versammlungen vor allem wegen der Größe des Bauvorhabens zu erwarten war –, auch von Trägern öffentlicher Belange habe es nichts Gravierendes gegen das Projekt gegeben. Bis eben auf den Hinweis des Landesdenkmalamts.

Denn weil schon früher dort, wo einst die Lehmgrube der Ziegelei Nanz war, Bestattungen eines frühmittelalterlichen Friedhofs und Relikte einer Siedlung der Urnenfelder- und Hallstattzeit nachgewiesen wurden, sei „mit weiteren frühmittelalterlichen Grabfunden zu rechnen“. Schon im Sommer gab es Sondierungsarbeiten, dabei wurde etwas entdeckt, was ein Frauengrab aus der Merowingerzeit sein könnte, und nun weiter untersucht werden muss. Am Montag begannen dann die Rettungsgrabungen, sie sollen etwa drei Wochen dauern, so die Information der Behörde an den Investor, Mörk Immobilien aus Leonberg, der nach dem Rückzug des ursprünglichen Wettbewerbssiegers im vergangenen Jahr aus Wirtschaftlichkeitsgründen eingesprungen war. „Wir hoffen natürlich nicht, dass es etwas Größeres gibt“, so Marco Mander, auch mit Blick auf ähnliche Funde in Gerlingen. Aber in Münchingen gehe es nur um einen eingegrenzten Bereich, sagt er – weshalb die Abbrucharbeiten an den Häusern entlang der Stuttgarter Straße nach wie vor in vollem Gange sind, das einstige „Kronenstüble“ etwa ist bereits Geschichte. Zudem hätten alle Beteiligten „sehr schnell und konstruktiv zusammengearbeitet, um größere Verzögerungen für das Projekt zu vermeiden“, so die Stadt auf Nachfrage, unmittelbar nach Bekanntwerden des Fundes habe man das weitere Vorgehen mit dem Landesdenkmalamt abgestimmt. Und weil auch die archäologischen Sondierungen frühzeitig veranlasst worden seien, konnte die Rettungsgrabung schon vor dem Baustart erfolgen. Der ist vor Ende dieses Jahres geplant – so nichts mehr dazwischenkommt.

Ganz sicher ist sich da zwar auch der in Korntal lebende Marco Mander nicht, man wisse ja nie, was noch im Gemeinderat passiere (14.Oktober, 18 Uhr, Widdumhof). Aber die ausgebliebenen Diskussionen im Ausschuss machen Hoffnung. Und auch Bürgermeister Wolf wähnte am Dienstag das Projekt kurz vor der Ziellinie – wenngleich bis zur Fertigstellung weitere zwei Jahre vergehen werden.

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