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Bahnhöfe

Video-Reisezentren nehmen den Betrieb auf

Wer am Bahnschalter in Marbach oder Korntal eine Fahrkarte kaufen will, muss sich umstellen: Seit dem gestrigen Donnerstag betreibt die Bahn dort Video-Reisezentren.

Eine junge Frau erhält gut gelaunt eine Kundenberatung per Video – so wünscht es sich die Deutsche Bahn. Die neue Technik hält diese Woche auch an den Stationen in Marbach und Korntal Einzug.Foto: Deutsche Bahn
Eine junge Frau erhält gut gelaunt eine Kundenberatung per Video – so wünscht es sich die Deutsche Bahn. Die neue Technik hält diese Woche auch an den Stationen in Marbach und Korntal Einzug. Foto: Deutsche Bahn

marbach/Korntal. Noch bis Jahresende werden parallel dazu die Schalter mit Personal betrieben; von Januar an werden Tickets dann aber nur noch über die Videoschalter vertrieben. Der Verband Region Stuttgart (VRS) hat als Aufgabenträger der S-Bahn dieses „verbesserte und erweiterte Serviceangebot“, wie die Deutsche Bahn in einer Pressemitteilung formuliert, im vergangenen Juni beschlossen.

Dass die Abschaffung der Schalter und damit verbunden die persönliche Beratung eine Verbesserung darstellt, davon war man bislang in den beiden betroffenen Kommunen nicht überzeugt. Marbachs Bürgermeister Jan Trost hatte nach eigenen Angaben erst kurz vor der Entscheidung im VRS von den Plänen erfahren und kritisiert, dass die Schalterschließung vor allem ältere Menschen treffe, die sich gern dort beraten lassen.

In Korntal-Münchingen war der Unmut gar so groß, dass fast 2400 Unterschriften gegen die Abschaffung des Schalters gesammelt und im Oktober an die Regionaldirektorin Nicola Schelling übergeben wurden. Denn gerade für Ältere oder Menschen mit Beeinträchtigungen sei die Einstellung des Schalterverkaufs „nicht hinnehmbar“. Viele hätten Berührungsängste, wenn sie über einen Automaten Kontakt mit einem Bahn-Mitarbeiter aufnehmen müssten, hieß es.

Doch die Proteste haben nicht gefruchtet. Ab dem 1. Januar 2020 erfolgen Beratung und Verkauf in beiden Bahnhöfen ausschließlich über den Video-Schalter. Die Berater der mit Bildschirm, Mikrofon und Lautsprecher sowie einem modifizierten Fahrkartenautomaten ausgestatteten Video-Reisezentren sitzen übrigens in der Zentrale in Ludwigsburg.

Und so funktioniert das Reisezentrum: Per Knopfdruck meldet sich der Kunde in der Zentrale. Der Berater schaltet sich ein und ist nun mit dem Kunden per Videokonferenz und Sprachverbindung verbunden. Auf einem zweiten Bildschirm verfolgt der Kunde die Arbeitsschritte des Reiseberaters, wie zum Beispiel die Suche nach einer Verbindung oder einem günstigen Fahrpreis.

Fahrkarten, Reservierungen und Bahn-Cards werden direkt in der Kabine erstellt, so die Beschreibung der Bahn weiter. Das Unternehmen nennt als weiteren Vorteil für die Fahrgäste auch die längeren Öffnungszeiten, die vom neuen Jahr an um mehr als 17 Stunden auf 87,5 Stunden pro Woche ausgeweitet werden. (fri)

Info: Während des Testbetriebs vom 5. bis 31. Dezember sind die Video-Reisezentren in Marbach und Korntal montags bis freitags von 7.30 bis 19.30 Uhr und samstags von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Ab dem 1. Januar stehen die Mitarbeiter montags bis freitags von 6 bis 19.30 Uhr sowie samstags, sonn- und feiertags von 8 bis 18 Uhr am Videoschalter zur Verfügung.