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Umwelt

Viel zu wenig Wasser in der Enz

Tour entlang des Flusses führt zu vier Wasserkraftwerken in Bietigheim-Bissingen – Beitrag zum Energiewendetag im Land

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Zum Auftakt der Energietour kommen rund 70 interessierte Bürger ins Enzkraftwerk in Bietigheim. Foto: Alfred Drossel

Bietigheim-Bissingen. Die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen (SWBB) haben sich gestern mit einer „Grünen Energie-Tour“ entlang der Enz am landesweiten Energiewendetag beteiligt. Das Ziel der Aktion: Die Energiewende erlebbar und begreifbar zu machen. Die Besucher konnten außerdem mit dem Fahrrad, zu Fuß oder im Kanadier einen aktiven Beitrag leisten.

In diesem Jahr standen bereits zum zwölften Mal die Themen erneuerbare Energien, Energiesparen, Energieeffizienz sowie Klimaschutz und die Reduzierung von Treibhausgasen auf dem Programm. Überall in Baden-Württemberg engagieren sich dafür zahlreiche Akteure mit Veranstaltungen, Projekten und Aktionen – um zum Nachdenken über den Umgang mit Energie anzuregen und das Umdenken zu fördern.

Die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen (SWBB) wollen nach eigenen Angaben eine Vorreiterrolle einnehmen. So gab es gestern Einblicke in die Wasserkraftwerke in der Stadt. Geöffnet hatten das privat betriebene Wasserkraftwerk an der Sägmühle in Untermberg, das Wasserkraftwerk der KWA in der Rommelmühle, das Enzkraftwerk der SWBB und das Wasserkraftwerk in der Kammgarnspinnerei. In allen Anlagen wurden Führungen angeboten. Geöffnet war auch das Biomasseheizkraftwerk (BHKW) in den Kreuzäckern.

Das Enzkraftwerk etwa ist seit 1949 in Betrieb, Vorgänger war die Ölmühle an der Enz mit einer 280 kW-Turbine. 1947 begann im Zusammenhang mit dem Enzviaduktaufbau der Bau des Wasserkraftwerks an seinem heutigen Standort. 1949 wurde es in Betrieb genommen. Die damalige Jahreserzeugung lag bei rund 2,5 Millionen Kilowattstunden.

Nach 60 Jahren fand eine Generalüberholung der Turbinen und des Getriebes mit einem Gesamtaufwand von über einen halben Million Euro statt. „Abhängig vom Wasser ist so eine Jahresproduktion von drei Millionen Kilowattstunden möglich“, sagt Lars Hansen von den Stadtwerken. „Leider haben wir seit Jahren viel zu wenig Wasser in der Enz.“

Neben den Führungen in den Kraftwerken konnten die Besucher selbst den grünen Schritt oder Tritt machen. Entlang des Enztalradwegs bestand die Möglichkeit, mit dem Rad von Kraftwerk zu Kraftwerk zu radeln. Aber auch ein Bus stand kostenlos zur Verfügung. Bewegungsfreudige Teilnehmer paddelten beim Kanu-Club in einem Kanadier auf der Enz.

Mit den Energiewendetagen will das Land auch zeigen, dass die Energiewende bereits in vollem Gang ist. „In den vergangenen Jahren ist in Baden-Württemberg vieles angestoßen worden. Erste Etappen auf dem Weg zur Energiewende sind gemeistert“, sagte Umweltminister Franz Untersteller (Grüne), der den Wahlkreis Bietigheim-Bissingen schon einmal im Landtag vertreten hat.

Nach Aussage Unterstellers ist und bleibt die Energiewende eines der großen Generationenprojekte der Zeit. Die Landesregierung habe sich bei der Transformation des Energiesektors konkrete Ziele gesetzt: Bis zum Jahr 2050 soll der Energieverbrauch um 50 Prozent sinken. Bei den verbleibenden 50 Prozent soll der Anteil der erneuerbaren Energien auf 80 Prozent ausgebaut werden – damit die Kohlendioxid-Emissionen um 90 Prozent gegenüber 1990 sinken.

Mitgestalten war gestern ausdrücklich erwünscht. Schließlich standen die diesjährigen Energiewendetage unter dem Motto: „Was tun? Was tun!“ Rund 250 Aktionen fanden im Land statt, heißt es. Allgemein wurde über ein großes Interesse berichtet.